Madame Aurora und der Duft von Frühling

01.05.2018 Walter Gasperi

Wechseljahre, schwangere Tochter und dann auch noch der Verlust des Arbeitsplatzes. – Aurora glaubt, dass es mit 50 im Leben einer Frau nur noch abwärts geht, findet aber dann in Blandine Lenoirs Feelgood-Movie, das von der hinreißenden Agnes Jaoui in der Titelrolle getragen wird, doch wieder zu Lebensfreude.


Der Name Aurora verweist zwar auf die Morgenröte und den Anbruch eines neuen Tages, doch die Trägerin dieses Namens glaubt in Blandine Lenoirs zweitem Kinofilm, dass mit 50 für sie das Leben so gut wie vorbei sei. Physisches Kennzeichen für diese Wende ist die Menopause und die damit verbundenen Wallungen und Hitzeschübe. Der Frauenarzt erklärt ihr ihren Zustand mit zahlreichen Fachausdrücken, die ihr nicht viel sagen, um dann in den Schluss zu münden: «Mit 30 geht es eben nur noch bergab. Finden Sie sich damit ab.»

Fühlt sich die Mutter von zwei fast erwachsenen Töchtern, die sich von ihrem Mann, einer Schulfreundschaft, getrennt hat, schon in ihrem eigenen Körper nicht wohl, so kommen auch noch äußere Nöte dazu: Die Bar, in der sie als Kellnerin gearbeitet hat, wird von einem neuen Besitzer übernommen, der nicht nur alles umkrempelt, sondern ihr auch – wie allen anderen Kellnerinnen - einen attraktiven Namen – konkret: Samantha - geben will. Auch hat Aurora nur geringfügige Ansprüche auf eine Pension, da sie immer nur schwarz für ihren Ehemann die Buchhaltung gemacht hat.

Nicht genug damit, erklärt ihr auch noch die ältere Tochter, dass sie schwanger sei und sie damit Oma werde. Sie begegnet zwar auch wieder ihrer ersten großen Liebe, doch das große Glück scheint sich auch hier nicht einzustellen.

Ganz auf die großartige Agnes Jaoui, die in der Rolle förmlich aufgeht und die man einfach lieben muss, hat die 45-jährige Regisseurin ihre beiläufig, aber stimmungsvoll in der Küstenstadt La Rochelle verankerte Komödie zugeschnitten. In jeder Szene ist Jaoui präsent, ganz auf ihre vielfältigen Nöte – und damit die Probleme vieler Frauen der westlichen Welt – fokussiert der Film. Mehr als stringente Handlung interessieren Lenoir dabei starke Szenen, einiges verläuft somit auch im Sand.

Andererseits ist das mit so viel Schwung und hinreißendem, rasantem Dialogwitz inszeniert und thematisiert so pointiert die Menopause, die sonst im Kino kaum Thema ist, dass diese «Madame Aurora» speziell Frauen begeistern wird. Denn bestechend hält Lenoir die Balance zwischen Witz und Ernst, blickt mit spürbarer Empathie auf ihre Protagonistin und lässt das Publikum mit ihr mitleiden.

Ein echter Frauenfilm ist das, der auch immer wieder kräftig gegen die Männer und eine Gesellschaft austeilt, die Frauen um die 50 aufs Abstellgleis schieben. Als Antwort darauf beschwört Lenoir die Solidarität der Frauen und gönnt ihrer Protagonistin und auch dem Publikum ein Happy End, das klar macht, dass das Leben auch für Frauen in diesem Alter, in dem sich die Männer oft jüngere Frauen angeln, noch lange nicht vorüber ist, sondern immer noch die Chance auf einen Neuanfang und ein zweites Glück besteht.

Läuft derzeit im Cinema Dornbirn und im Cineplexx Hohenems (Deutsche Fassung)
TaSKino Feldkirch im Kino Rio: 5.5. bis 10.5. (franz. O.m.U.)

Trailer zu «Madame Aurora und der Duft von Frühling»

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