Lady Bird

24.04.2018 Walter Gasperi

Noch eine Coming-of-Age-Geschichte über einen Teenager, der mit seiner Mutter ständig im Clinch ist und von einem eigenen Leben fern der Heimatstadt träumt. – Und doch ist in Greta Gerwigs vielfach preisgekröntem Regiedebüt vieles anders vom genauen Blick auf die Zerrissenheit der Protagonistin über die elliptische Erzählweise, die kein großes Drama aufkommen lässt, bis zur großartigen Saoirse Ronan in der Hauptrolle.


Sacramento hat keinen guten Ruf im gegenwärtigen US-Film. Sah schon vor kurzem Ben Stiller in «Im Zweifel glücklich» darin ein fades Nest, so erscheint die Hauptstadt Kaliforniens auch hier mit einem einleitenden Zitat der Journalistin Joan Didion nicht unbedingt als Ort der Lebensfreude: «Jeder, der sich über den Hedonismus Kaliforniens auslässt, hat noch nicht Weihnachten in Sacramento verbracht.»

2002 spielt das Solo-Regiedebüt Greta Gerwigs, die mit Hauptrollen in «Frances Ha», «Maggies Plan» und «Jahrhundertfrauen» zu einem Star des US-Independent-Kinos aufstieg und schon 2008 Co-Regie bei Joe Swanbergs «Nights and Weekends» führte. Sie wurde 1983 in Sacramento geboren, war also zum Zeitpunkt, zu dem «Lady Bird» spielt, in etwa so alt wie die Protagonistin. Auch wenn Gerwig ihren Film nicht als autobiographisch verstanden wissen möchte, so spürt man doch, dass persönliche Erfahrungen eingeflossen sind, dass hier eine von Gefühlen und Situationen erzählt, die sie aus eigenem Erleben kennt.

Bestens passt dazu auch, dass diese Coming-of-Age-Geschichte nicht digital, sondern auf analogem 35mm Film gedreht wurde. Leicht körnig statt glattpoliert sind dadurch die in matte Farben getauchten Bilder, verleihen dem Film einerseits den Eindruck von Echtheit, korrespondieren aber auch mit der Kratzbürstigkeit der 17-Jährigen Christine, die lieber «Lady Bird» genannt werden will, um ein sichtbares Zeichen ihrer Lösung von den familiären Wurzeln zu setzen.

Ständig ist sie mit ihrer Mutter im Clinch, aber auch an der katholischen Privatschule, in die sie geschickt wird, eckt sie an. Sie findet zwar rasch Anschluss, lässt dann aber ihre pummelige Freundin Julie links liegen, um über die vermeintlich coole Jenna an den ebenfalls coolen Kyle ranzukommen.

So geht es um Freundschaft, um erste Liebe und ersten Sex ebenso wie um familiäre Probleme, die sich mit der Arbeitslosigkeit des Vaters verschärfen. Doch Gerwig bauscht Szenen nicht groß auf und walzt sie nicht breit aus, sondern hält sie ausgesprochen knapp, erzählt fast schon elliptisch.

So entwickelt sich nie ein großes Drama, sondern der Erzählton bleibt trocken und unaufgeregt. Gleichzeitig wird in der Fülle der Situationen, zu denen auch Proben beim Schultheater, ein Schulball, ein Job in einem Restaurant und der 18. Geburtstag zählen, ein vielschichtiges und ausgesprochen stimmiges Porträt der Sorgen eines Teenagers und seiner Suche nach einem Platz im Leben gezeichnet.

Souverän hält Gerwig in dieser Dramödie die Balance zwischen Ernst und Witz, reizt immer wieder zum Lachen, berührt aber gleichzeitig auch. Dass das Konzept wunderbar aufgeht, liegt freilich auch an Saoirse Ronan, die Lady Bird mit viel Einfühlungsvermögen mal kratzbürstig und rebellisch, dann wieder sehr verletzlich, mal selbstbewusst, dann wieder unsicher spielt.

Bestechend ist auch, wie Gerwig nicht nur auf der Protagonistin fokussiert, sondern auch feinfühlig Einblick in die Probleme der Eltern bietet. Stark ist hier vor allem Laurie Metcalf als Mutter, die von Herzen das Beste für ihre Tochter will. Aufgrund gegensätzlicher Vorstellungen entwickelt sich beinahe jedes Gespräch aber sukzessive zu einem Streit, den Lady Bird auch einmal damit beenden kann, dass sie aus dem fahrenden Auto springt.

Weder mit Elternhaus noch mit Schule findet hier aber eine Abrechnung statt, denn der durch die zeitliche Distanz nostalgische Blick Gerwigs ist immer mitfühlend und warmherzig, auch die katholische Schule und ihre Nonnen kommen hier für einmal ausgesprochen gut weg.

In für den heutigen Kinobetrieb ungewohnt knappen 95 Minuten zeichnet so Gerwig mit dem Antritt eines Studiums in New York einen Entwicklungsprozess bis zur Erwachsenen nach. Zu sich selbst findet dabei die junge Frau, wenn sie nun wieder ihren eigentlichen Namen Christine trägt, doch das ungetrübte Glück findet sie mit der vermeintlich großen Freiheit nicht, denn Heimweh und die Trauer über das Ende der Kindheit mischt sich sogleich wieder in den neuen Lebensabschnitt.

Und aus der Ablehnung gegenüber Sacramento wird nun eine Liebeserklärung an diese Stadt, in der sie die meiste Zeit ihres Lebens verbrachte. – Unübersehbar ist das auch Gerwigs eigene Liebeserklärung an ihre Heimatstadt, die wie die Protagonistin von dort aufbrach, um in New York zu studieren.

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Trailer zu «Lady Bird»

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