Günter Haese – Hans Uhlmann. Zwei Bildhauer der Moderne

03.10.2018

25.04.2018 bis 07.10.2018  Sprengel Museum Hannover

Mit Günter Haese (Kiel 1924 – 2016 in der Nähe von Hannover) und Hans Uhlmann (Berlin 1900 – 1975 Berlin) werden zwei Bildhauer vorgestellt, deren Werk trotz ihrer großen Prominenz im Westdeutschland der Nachkriegszeit zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist. Beide Künstler hatten internationale Karrieren: Günter Haeses erste große Einzelausstellung fand im Museum of Modern Art, New York, statt. Ebenso wie Haese war auch Hans Uhlmann auf den Großausstellungen der documenta und den Biennalen in Venedig, Italien, und Saõ Paolo, Brasilien, vertreten.


Durch den Zweiten Weltkrieg bedingt, gehören die beiden Künstler einer Generation an, die erst in relativ hohem Alter zur bildenden Kunst gefunden hat. War Haese als Soldat im Zweiten Weltkrieg und arbeitete zunächst als Autodidakt, begann er 1950 an der Kunstakademie Düsseldorf bei Bruno Goller und Ewald Mataré sein Studium. Haese hatte 1964 seine erste Einzelausstellung in Ulm, die zur Vereinbarung einer Einzelausstellung im MoMA noch im selben Jahr führte. In seinem Düsseldorfer Atelier erarbeitete er feingliedrige, bewegliche Skulpturen, die er bis zum Ende der 1970er-Jahre international auf der Biennale in Venedig (1966) und der Expo in Montreal (1967) sowie in Einzelausstellungen im Museum Boymans van Beuningen, Rotterdam (1972) und der Kunsthalle Kiel (1979/80) ausstellen konnte.

Der gelernte Ingenieur Uhlmann wurde dagegen aufgrund einer Flugblattaktion 1933 für anderthalb Jahre von der Gestapo inhaftiert und begann im Gefängnis mit ersten Drahtskulpturen. In seiner ersten Einzelausstellung 1945 in der Galerie Ernst Rosen konnte er so bereits ein umfangreiches bildhauerisches OEuvre präsentieren. Uhlmann erhielt schon 1950 einen Lehrauftrag an der Universität der Künste Berlin und wurde zu einem der bekanntesten Bildhauer für Skulpturen im öffentlichen Raum. Durch öffentliche Ausschreibungen wie für das Denkmal für den unbekannten politischen Gefangenen (1952/53) und Siegerentwürfe für Kunst am Bau – Projekte realisierte er Großplastiken an vielen neuen Gebäuden der Nachkriegszeit wie der Beethovenhalle, Bonn (1959), der Deutschen Oper Berlin (1961) sowie der Berliner Philharmonie (1963). In Hannover steht seine Stahlplastik von 1965 an der Schmiedestraße.

Das Ausgangsmaterial beider Bildhauer ist zunächst Draht, aus dem Volumen geschaffen wird, bei Uhlmann geformt zu Köpfen, die während der Inhaftierungszeit entstehen, bei Haese seit den 1960er-Jahren aus Messing, wobei er den Draht mit beweglichen Teilen aus zerlegten Uhren verbindet und so kinetische Skulpturen entwickelt. Fühlte sich Haese den ZERO-Künstlern aus Düsseldorf und ihrer Nähe zur Meditation und dem performativen Aspekt nahe, brachte Uhlmann zunehmend zeitgenössische Techniken und Materialien wie Schmieden und Löten bzw. Edelstahl und Chrom zur Anwendung. Es entstehen konstruktiv gedachte Skulpturen und Zeichnungen, bei denen die Tektonik und das Verhältnis von Körper und Umraum eine wesentliche Rolle in der Formfindung spielen. Haese entdeckt die Bewegung als Element, das bei seinen Drahtskulpturen zu komplexeren Werken führt, indem diese mit Licht und Zeit interagieren. Seine kleinformatigen, fragilen Figurationen regen die nähere Beobachtung einer erstaunlichen, der Feinmechanik verwandten Ausführung an.

In einer Doppelausstellung wird nun das Werk beider Künstler mit ausgewählten Zeichnungen und Skulpturen einander gegenübergestellt. Auf diese Weise zeigen sich ihre vergleichbaren Fragestellungen in der Bildhauerei ebenso deutlich wie die unterschiedlichen Herangehensweisen, Techniken und Temperamente. Das Ringen um neue Formen und Techniken nach den physischen wie mentalen Zerstörungen der Kriegszeit und die Neubegründung einer abstrakten Formensprache wird anhand dieser beiden Positionen der Künstler, die vom Handwerk und dem Ingenieurswesen gelernt haben, exemplarisch anschaulich. In Anknüpfung an den umfangreichen, hochkarätigen Bestand von Kunst nach 1945 aus der Sammlung des Sprengel Museum Hannover gibt die Schau mit neuen Leihgaben aus den Nachlässen beider Künstler die Gelegenheit, diese hervorragenden Bildhauer wiederzuentdecken.


Günter Haese – Hans Uhlmann. Zwei Bildhauer der Moderne
25. April bis 7. Oktober 2018

Sprengel Museum Hannover
Kurt-Schwitters-Platz
D-30169 Hannover
T: 0049 (0)511 168438-75
F: 0049 (0)511 168450-93
E: Sprengel-Museum@Hannover-Stadt.de
W: http://www.sprengel-museum.de


Öffnungszeiten

Dienstag 10 - 20 Uhr
Mi bis So 10 - 18 Uhr
Mo geschlossen

 


  • Günter Haese: Herkules, 2011-2014. Messing und Phosphorbronze, 30 x 38 x 16 cm; Privatbesitz. © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
  • Günter Haese: Namibia, 1999. Phosphorbronze, geräuchert, 37 x 22 x 22 cm; Privatbesitz. © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
  • Günter Haese: Typhon, 1995/2001. Messing und Phosphorbronze, 37,5 x 27 x 6,6 cm. Privatbesitz. © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
  • Hans Uhlmann: Ohne Titel, 1956. Messing, teilweise bemalt, 146 x 79 x 71 cm; Sprengel Museum Hannover, Fotograf: Michael Herling / Aline Gwose / Benedikt Werner. Sprengel Museum Hannover; © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
  • Hans Uhlmann: Fetisch, 1958. Stahl, schwarz getönt, 46,5 x 33,8 x 36,4 cm; Courtesy Galerie Michael Haas, Berlin. © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Sprengel Museum Hannover
Kurt-Schwitters-Platz
D-30169 Hannover
T: 0049 (0)511 168438-75
F: 0049 (0)511 168450-93
E: Sprengel-Museum@Hannover-Stadt.de
W: http://www.sprengel-museum.de


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