Die Letzten beißen die Hunde - Thunderbolt and Lightfoot

03.05.2018 Walter Gasperi

Michael Ciminos 1974 entstandenes Regiedebüt ist gleichermaßen komödiantisches Road- wie klassisches Heist-Movie. Bei Capelight Pictures ist der immer noch sehr unterhaltsame Film, der Clint Eastwood in einer Paraderolle zeigt, in einem schönen Mediabook auf DVD und Blu-ray erschienen.


Malerisch liegt die alte Kirche in der weiten Landschaft von Montana, doch schon naht das Unheil in Gestalt von zwei Gangstern. Doch der Anschlag auf den Priester, hinter dem sich der Einbrecher Thunderbolt (Clint Eastwood) verbirgt, misslingt.

Im jungen Lightfoot (Jeff Bridges) findet Thunderbolt, der sich als Kirchenmann vor seiner früheren Gang versteckt hatte, einen Fluchthelfer. Gemeinsam fahren sie durch die prächtige Landschaft von Montana.

Großartig fängt die Kamera von Frank Stanley die Weite ein, schwelgt in endlosen Feldern und prächtigen Bergpanoramen, gesteht dem oft strahlend blauen Himmel teilweise mindestens die Hälfte der Leinwand zu. Ohne wirkliches Ziel scheint das Duo unterwegs zu sein, sieht sich aber bald wieder von den beiden Gangstern gejagt.

Als Thunderbolt, die in der alten Schule einer Kleinstadt versteckte Beute eines früheren Einbruchs holen will, muss er nicht nur feststellen, dass die Schule nicht mehr steht, sondern wird auch zusammen mit Lightfoot wieder von Leary (George Kennedy) und Goodie (Geoffrey Lewis) gestellt. Typisch für den komödiantischen Ton der ersten Hälfte des Films ist, wie die beiden Gangster Thunderbolt und Lightfoot zunächst töten wollen, dann aber von Thunderbolt überlistet werden und alle vier bald friedlich gemeinsam im Grünen sitzen.

Da das erhoffte Geld verloren scheint, ist bald der Plan gefasst nochmals die Firma Montana Armed zu überfallen. Aus dem Road-Movie wird damit ein klassisches Heist-Movie. Die dazu gehörige Zusammenstellung der Truppe entfällt zwar, nicht aber die obligaten Vorbereitungen, bei denen freilich die dafür nötigen Jobs wie Putzdienst in einem Kleidergeschäft oder Eisverkäufer wiederum für eine komödiantische Note sorgen.

Schleichend verabschiedet sich diese aber aus «Thunderbolt and Lightfoot», wenn es an die Ausführung des minutiös geplanten Coups geht. Auch wenn vorauszusehen ist, dass nicht alles nach Wunsch verläuft, bleibt Michael Ciminos Debüt bis zum Ende spannend und schließt auch schön den Kreis zum Anfang, wenn es aus der Stadt wieder auf die offenen Straßen und in die Weite der Landschaft hinausgeht.

Kritik an amerikanischen Verhältnissen kann man in diesem Film auch sehen, wenn Cimino die großartige ursprüngliche Landschaft feiert und ihr die Hässlichkeit der Tankstellen, Motels und Shops an den Highways gegenüberstellt, vor allem aber wird großzügige Unterhaltung geboten. Souverän versteht es der Regiedebütant Tonart und Genre zu wechseln, blendend harmonieren Clint Eastwood, dessen Firma Malpaso den Film auch produziert hat, und der junge Jeff Bridges.

Vielfach spekuliert wurde über einen möglichen homosexuellen Subtext in dieser Beziehung. Verstärkt wird dieser Aspekt nicht nur durch eine Szene, in der Lightfoot sich als Frau verkleidet, sondern auch durch die Tatsache, dass sie miteinander wesentlich besser auskommen als mit Frauen, die sowieso nur in Kleinstrollen auftauchen.

Als amoralisch oder anarchisch kann man schließlich den Grundton des Films bezeichnen, zieht Cimino den Zuschauer doch, indem er konsequent aus der Sicht der beiden Protagonisten erzählt, auf die Seite der Gangster und lässt hoffen, dass ihr Überfall gelingt.

An Sprachversionen bietet die bei Capelight Pictures in einem schönen Mediabook erschienenen DVD und Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie Untertitel in diesen beiden Sprachen. Die Extras umfassen neben dem deutschen und dem originalen Kinotrailer sowie einem sehr informativen 24-seitigen Booklet von Stefan Jung über die Road-Movies der 1970er Jahre, die beiden Hauptdarsteller Clint Eastwood und Jeff Bridges, die Bildgestaltung sowie Gemeinschafts-, Wunsch- und Freiheitsbilder einen deutsch untertitelten Audiokommentar. Darin beschäftigen sich die Filmhistoriker Lem Dobbs, Julie Kirgo und Nick Redman nicht nur ausführlich mit Clint Eastwood, sondern auch mit dem schon angesprochenen homosexuellen Subtext oder mit den Parallelen zu Douglas Sirks «Captain Lightfoot – Wenn die Ketten brechen» (1955), dessen Drehbuchautor W.R. Burnett in Ciminos Film ein Plagiat sah.

Trailer zu «Die Letzten beißen die Hunde»

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