Licht

20.03.2018 Walter Gasperi

Resi Paradis ist im Wien des Jahres 1777 ein Wunderkind: Sie ist zwar blind, spielt aber großartig Klavier, doch dann scheint sich durch den Arzt Franz Anton Mesmer die Möglichkeit auf Heilung zu bieten. Barbara Albert entwickelt nach Alissa Wagners Bestseller «Am Anfang war die Nacht Musik» ein vielschichtiges Historiendrama mit durchaus zeitlosen Zügen.


Minutenlang ruht die Kamera von Christine Maier auf dem Gesicht von Resi Paradis (Maria Dragus), auf dem seltsamen Spiel ihrer Augen, während die Tonspur von ihrem brillanten Klavierspiel gebildet wird. Erst dann öffnet ein Schnitt den Blick auf das Publikum bei diesem Hauskonzert der Familie Paradis: Die blinde Tochter wird hier einer adeligen Gesellschaft präsentiert - das dem Anlass entsprechend fein gekleidete und mit hoher Frisur versehene Wunderkind ist ein Prestigeobjekt, zudem bringt es freilich eine Gnadenpension ein, die Kaiserin Maria Theresia bewilligt hat.

Schon mehrere Behandlungen hat Resi hinter sich, als neue Chance stellt sich der Arzt Franz Anton Mesmer (Devid Striesow) dar, der mit seinen sich zwischen Wissenschaft und Hokuspokus bewegenden Methoden – mit Hypnose und Elektrizität, mit einem nicht näher definierbaren Fluidum – Erfolge feiert. Auch bei Resi scheint seine Therapie zu wirken und ihre Sehkraft, die sie in früher Kindheit verloren hat, langsam zurückzukehren.

Wie zuvor bei den Klavierkonzerten wird sie nun bei der Demonstration ihrer Sehkraft dem vornehmen Publikum präsentiert, doch Zweifel herrschen, ob sie wirklich sieht oder es sich nur einbildet. Verschattete Bilder der Natur aus ihrer Perspektive lassen den Zuschauer vermuten, dass sie wirklich, wenn auch nur schemenhaft, Dinge mit den Augen wahrnehmen kann.

Der Gewinn der Sehkraft geht aber einher mit einem Verlust der musikalischen Genialität, die den Vater die Heilung bedauern lässt, hat er doch nun kein Wunderkind mehr, das er präsentieren kann. Resi wiederum versucht sich der Allmacht der Eltern zu entziehen, fühlt sich zu Mesmer hingezogen, der sie nicht nur als Objekt sieht, sondern sich auf sie einlässt und ihr Liebe entgegenbringt.

Distanziert blickt Albert auf diese höfische Gesellschaft, deckt durchaus auch mit bissigem Humor ihre Steifheit und Kälte auf. In scharfem Kontrast zum kühlen Umgang der Paradis-Eltern mit ihrer Tochter steht die Fürsorge einer Dienstbotin für ihr behindertes Kind: Dem Kind als Prestigeobjekt in der Oberschicht steht somit eine emotionale Beziehung in der Unterschicht gegenüber.

Der Steifheit des Umgangs in der Oberschicht, die auch von Neid und Gehässigkeiten und einem permanenten Streben nach Ansehen und Anerkennung bestimmt ist, steht auch der unbekümmerte Umgang der Dienstboten untereinander gegenüber. Während sich hier die junge Agnes, zu der Resi eine Beziehung aufbaut, aus der Abhängigkeit befreien kann und das Anwesen Mesmers am Ende verlässt, muss Resi in die Macht der Eltern zurückkehren.

Mit Resi und Mesmer stehen auch zwei Außenseiter im Mittelpunkt, die beide um ihren Platz in der Gesellschaft kämpfen, ihren eigenen Weg gehen wollen, um Anerkennung für ihre Leistungen ringen, aber nur beachtet werden, wenn sie Wundervolles vollbringen. – Großes Schauspielerkino ist «Licht» nicht nur durch Maria Dragus und Devid Striesow, sondern auch in den Nebenrollen ist dieses Historiendrama perfekt besetzt und lebt auch von der treffenden Sprache des Adels mit französischen Einsprengseln.

Zentrales Thema des Films ist dabei ausgehend von der Sehkraft auch das Sehen und Gesehen werden, die Sucht zu präsentieren und vorzuführen, der Blick der Gesellschaft auf das Besondere und gleichzeitig das Desinteresse am Gewöhnlichen. Nicht nur grundsätzliche Fragen des Sehens werden aufgeworfen, wenn offen bleibt, ob Resi vorübergehend wirklich sieht oder sich das nur einbildet, sondern auch die Frage, was es noch hinter und jenseits des Sichtbaren gibt.

Das Licht des Titels kann aber auch als Hinweis auf die Aufklärung gelesen werden, als Wendepunkt, an dem einerseits neue, noch abgelehnte Methoden ausprobiert werden, andererseits auch langsam die herrschende adelige Gesellschaft durch das aufstrebende Bürgertum verdrängt wird.

Bestechend schildert Albert diese Gesellschaft, vermittelt in den engen Innenszenen deren gesellschaftliche Zwänge und das permanente Streben etwas zu sein und zu gelten, während es ein persönliches Glück nicht zu geben scheint. Keine Schlenker und Nebengeschichten erlaubt sich die Regisseurin, erzählt konzentriert und dicht, auf alle Effekte und Spektakel verzichtend. – Ein eindrücklicher Historienfilm und Alberts wohl geschlossenste und beste Arbeit bislang.

Wird im Rahmen der LeinwandLounge am Mittwoch, den 21.3. 2018 um 19 Uhr in der Remise Bludenz gezeigt.

Trailer zu «Licht»

Remise Bludenz
Am Raiffeisenplatz 1
A-6700 Bludenz
T: 0043 (0) 5552 33407
E: remise@bludenz.at
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Öffnungszeiten

Mi/Fr/Sa/So/Fe 15 – 18 Uhr

Donnerstag 16 - 20 Uhr
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