Duell in Diablo

19.04.2018 Walter Gasperi

Auf dem Ritt durch eine Wüstengegend droht einer Kavallerieeinheit Gefahr von Apachen, die aus dem Reservat geflohen sind. Bei Koch Media ist Ralph Nelsons stringent und spannend erzählter Western, in dem sich auch die Rassendiskussion der 1960er Jahre spiegelt, als 52. Titel in der Edition Westernlegenden auf DVD und Blu-ray erschienen.


In den 1950er Jahren änderte sich im amerikanischen Western teilweise das Bild der Indianer, in den 1960er Jahren floss dann aber auch deutlich die Rassendiskussion dieser Zeit ins Genre ein. Überraschend integriert ist in Ralph Nelsons 1965 gedrehtem Western freilich ein schwarzer Ex-Soldat und Pferdehändler, der von Sidney Poitier gespielt wird, der ein Jahr zuvor für seine Darstellung in dem ebenfalls von Nelson inszenierten «Lilies of the Field» als erster Afroamerikaner mit einem Oscar ausgezeichnet wurde.

Wenig glaubwürdig ist, dass dieser so selbstverständlich in der weißen Gesellschaft der 1870er Jahre akzeptiert wird. Aus seiner Hautfarbe entwickelt sich kein Konfliktpotential, belanglos ist sie für den Film. Die sich ändernde Lage der Afroamerikaner in den 1960er Jahren überträgt Nelson vielmehr auf das Verhältnis der Weißen zu den Indianern. Gesellschaftlich geächtet sind hier nämlich der Scout Jess (James Garner), weil er eine Komantschin geheiratet hat, ebenso wie die blonde Ellen Grange (Bibi Andersson), weil sie von ihrem Mann zu den Apachen floh.

Als Jess die Frau in der Wüstenlandschaft – gedreht wurde im Süden Utahs – findet, bringt er sie zurück zu ihrem Mann. Dieser interessiert sich aber mehr für den Verbleib seines Pferdes als für seine Frau, während die Bürger der Kleinstadt bald über Ellen herfallen. Jess wiederum erfährt von einem befreundeten Leutnant, dass seine Frau ermordet wurde.

Weil er sich rächen will, bricht er zusammen mit dem Händler Grange und dessen Frau sowie dem Afroamerikaner mit einem Trupp von Soldaten zu einem anderen Fort auf. Von dort soll Verstärkung geholt werden für den Kampf gegen die Apachen, die aus dem Reservat geflohen sind. Nur bedingt baut Nelson dabei aber ein Feindbild auf, denn er macht auch deutlich, dass der Ausbruch aus dem Reservat aus den dort herrschenden katastrophalen Verhältnissen resultiert.

Abgerechnet wird vor allem mit dem weißen Bürgertum, das die indigene Bevölkerung, aber auch Menschen, die näheren Kontakt mit ihr pflegt, verachtet und jede Menschlichkeit vermissen lässt. Dem Verhalten der Weißen werden die Indianer gegenübergestellt, die die weiße Frau akzeptieren und auch ihren Mischlingssohn anerkennen. Andererseits räumt Nelson in seinem harten Western aber grausamen Folterungen durch die Indianer viel Platz ein.

Fast zur Gänze unter freiem Himmel spielt dieser Western, großartig bettet Kameramann Charles F. Wheeler die Handlung in die lebensfeindliche weite Landschaft ein. Stringent ist das erzählt, ganz auf den Zug durch die Wüste konzentriert sich Nelson und baut Spannung nicht nur durch die fast schon zu zahlreichen Kämpfe mit den Apachen, sondern auch durch die prägnante Zeichnung der Charaktere, die hier aufeinandertreffen, auf.

Denn da gibt es mit Grange einen geldgierigen Händler ebenso wie mit dem Leutnant einen ehrgeizigen Offizier, dazu kommt mit Jess ein Vertreter der Menschlichkeit, der freilich bald tiefere Gefühle für Ellen entwickelt. Eher blass bleibt dagegen die Figur Sidney Poitiers, die vor allem dazu dient eine afroamerikanische Note in den Film zu bringen.

An Sprachversionen bieten die bei Koch Media als 52. Titel in der Edition Western-Legenden erschienene DVD und Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie Untertitel in diesen beiden Sprachen. Die Extras beschränken sich auf drei Trailer zum Film, ein Booklet sowie eine Bildergalerie.

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