Die Nile Hilton Affäre

12.04.2018 Walter Gasperi

Gegen den Willen seiner Vorgesetzten ermittelt ein desillusionierter Polizist in Kairo kurz vor Beginn des Arabischen Frühlings im Fall einer ermordeten Sängerin. Bei Eurovideo ist Tarik Salehs packender Film noir, der ein atmosphärisch dichtes Bild des durch und durch korrupten Mubarak-Regimes zeichnet, auf DVD und Blu-ray erschienen.


Keine Skrupel kennt der Polizist Noredin (Fares Fares), dem sein Onkel, der Polizeichef ist, seinen Job verschafft hat. Im Hotelzimmer, in dem eine tunesische Sängerin ermordet wurde, steckt er gleich einmal deren Geld in seine eigene Tasche, während ein Kollege neben der Leiche einen Shrimp-Cocktail isst. Auch dem Nobelhotel sind Ermittlungen unangenehm, mit einem Bündel Geldnoten will man Noredin bewegen, keine weiteren Nachforschungen anzustellen.

Als der Verdacht auf den Bauunternehmer und Abgeordneten Shafiq fällt, kommt bald der Befehl von oben den Mord als Selbstmord zu klassifizieren und die Akte zu schließen. Doch bei Noredin wächst damit sein kriminalistischer Ehrgeiz und er setzt seine Recherchen fort. Zudem gibt es ja noch ein Zimmermädchen, das Augenzeuge der Tat war, aber nun verschwunden ist.

Nicht viel Neues bietet der Krimiplot an sich, der sich einerseits am klassischen amerikanischen Film noir orientiert, andererseits vom realen Fall einer Tänzerin, die 2008 in Dubai ermordet wurde, inspiriert ist. Für große Aufregung sorgte damals, dass die Spuren zu einem einflussreichen Ägypter führten.

Hochspannend wird «Die Nile Hilton Affäre» aber vor allem durch die Einbettung der Handlung in den ägyptischen Alltag kurz vor Beginn des Arabischen Frühlings. Zeit- und Ortinserts, die das Geschehen auf Januar 2011 datieren, betonen diese historische Verankerung.

Schon am Beginn des stark fotografierten Films (Kamera: Pierre Aïm) wird auf den Straßen und am Tahrir-Platz gegen das Mubarak-Regime demonstriert, während das Konterfei des Präsidenten auf riesigen Plakatwänden eine goldene Zukunft verspricht, die er auch in TV-Reden ankündigt. Auf diese Aufbruchsstimmung weist auch ein großes Bauprojekt hin, doch den Gegenpol dazu bilden die tristen Wohnsiedlungen, in denen das Zimmermädchen, das aus dem Sudan nach Kairo geflohen ist, wohnt.

Nie vergisst Saleh bei den Autofahrten Noredins durch die Stadt auch den Blick auf das Umfeld und lässt den Zuschauer über die Recherchen in die gesellschaftliche Realität eintauchen. Denn bald führt den von Fares Fares stark gespielten Cop der Weg in die Luxusvilla des Abgeordneten oder auf einen Golfplatz, bald in die Elendsviertel und bald in einen Nachtclub und die elegante Wohnung einer Sängerin, die wie das Mordopfer aus Tunesien geflohen ist.

Hier wird nicht nur ein atmosphärisch dichtes Bild ägyptischer Verhältnisse gezeichnet, sondern auch sichtbar, dass für viele aus den Nachbarländern Kairo ein Zufluchtsort ist, in dem sie hoffen, ihr Glück zu machen.

Gleichzeitig öffnen die Recherchen aber auch den Blick auf ein durch und durch korruptes System, in dem praktisch jeder jeden schmiert und man niemandem vertrauen kann. Auch die Staatssicherheit mischt bald mit, versucht auch mit Folter Informationen zu bekommen und setzt Noredin unter Druck, während die Stimmung beim Volk langsam überkocht. Schließlich werden aber auch brutale Polizeieinsätze die alte Ordnung nicht mehr sichern können.

Doch Freiheit ist damit in Ägypten nicht eingekehrt, denn begonnen wurden die Dreharbeiten zwar im Land am Nil, doch nach wenigen Tagen entzogen die ägyptischen Behörden die Dreherlaubnis. Die Crew musste nach Marokko übersiedeln, wo die Dreharbeiten fortgesetzt wurden.

An Sprachversionen bietet dieser packende Film noir, der bei Eurovideo auf Blu-ray und DVD erschienen ist, die arabische Originalfassung, zu der deutsche Untertitel zugeschaltet werden können, sowie die deutsche Synchronfassung. Extras fehlen leider.

Trailer zu «Die Nile Hilton Affäre»

weiterführende Links:

Die Nile Hilton Affäre

artCore

Verein zur Förderung von
Online-Kulturberichterstattung
und Kunstpräsentationen im Internet

Kontakt

Schendlinger Straße 2, A-6900 Bregenz
T +43 (0)5574 85362
info@kultur-online.net

Kultur-Online Schweiz
T +41 (0)79 437 79 33
kapi@kultur-online.net

©artCore 2001-2016. Alle Rechte vorbehalten. Nutzung ausschließlich für den privaten Eigenbedarf. Eine Weiterverwendung und Reproduktion über den persönlichen Gebrauch hinaus ist nicht gestattet.