Molly´s Game

13.03.2018 Walter Gasperi

Aaron Sorkin legt seine Verfilmung der Memoiren der «Pokerprinzessin» Molly Bloom als mitreißende Charakterstudie einer Frau an, der von klein auf Kampfgeist und Überlebenswillen eingeimpft wurde. - Ein mitreißend erzählter und glänzend gespielter Film, der es sich teilweise aber zu einfach macht.


Die Perspektive ist mit dem Voice-over der 1978 in Colorado geborenen Molly Bloom (Jessica Castain) von Anfang an festgelegt. Konsequent aus ihrer Sicht erzählt Sorkin, der nach ebenso brillanten wie wortlastigen Drehbüchern unter anderem für «The Social Network», «Moneyball» und «Steve Jobs» hier sein Regiedebüt vorlegt.

Das Voice-over hält den Film zusammen. Enormen Drive kann «Molly´s Game» dadurch entwickeln, leichthändig können Szenen dadurch verkürzt werden und souverän wechselt Sorkin zwischen Voice-over und dramatischen Szenen, die wiederum von rasanten und pointierten Dialogen bestimmt sind.

Keinen anderen Blick als Mollys eigenen bekommt man so freilich auch vermittelt, wird auf ihre Sicht eingeschworen. Retrospektiv erzählt sie die Geschichte, blickt einerseits zurück auf ihre Verhaftung und den gegen sie angestrebten Prozess, andererseits auf die Gründe dafür.

In schier atemlosem Tempo und höchster Prägnanz skizziert Sorkin ihre Kindheit als großes Talent im Freestyle-Skiing, dessen Karriereträume mit einer Wirbelsäulenoperation mit 12 Jahren einen ersten Knick erlebten und mit einem schweren Sturz bei der Olympia-Ausscheidung für die Spiele in Salt Lake City 2002 endeten.

Gezeichnet wird aber schon hier das Bild einer Frau, die von ihrem Vater – ähnlich wie die Eiskunstläuferin Tonya Harding in «I, Tonya» von ihrer Mutter – geschunden und zu verbissenem Ehrgeiz und Höchstleistungen angetrieben wird. Glaubwürdig ist zwar, dass mit dieser Kindheit die Basis für ihren Ehrgeiz sowie ihren Kampfes- und Überlebenswillen geschaffen wurde, zu einfach macht es sich Sorkin aber, wenn er mit ihrer Beziehung zum Vater ihr Streben in einer Männergesellschaft zu reüssieren erklärt.

Denn nach Karriereende als Skifahrerin kommt die hochbegabte junge Frau zunächst zufällig in Los Angeles in eine Pokerrunde, in der Filmstars und Manager um hohe Summen spielen. Ist sie hier Sekretärin eines Mannes, baut sie nach Kündigung selbst eine Pokerrunde auf und übersiedelt mit ihrem Business nach einem Niederschlag nach New York. Selbst spielt Miss Bloom zwar nie, zieht aber im «Big Apple» bald eine noch exklusivere Runde auf, muss aber auch hier einen Rückschlag erleben, bis sie schließlich verhaftet wird.

Ein weiteres Mal brilliert hier Jessica Chastain nach der Bin Laden-Jägerin in Bigelows «Zero Dark Thirty» oder der Lobbyistin in John Maddens «Miss Sloane – Die Erfindung der Wahrheit» in der Rolle einer starken Frau. Sie zieht alle Register ihres Könnens, vermittelt eindrücklich die Entschlossenheit und Intelligenz dieser Molly Bloom, ist das Herz und Energiezentrum dieses Films.

Beeindruckend ist aber auch, wie souverän und rasant Sorkin erzählt, wie dynamisch er die Handlung vorantreibt und zwischen Prozessvorbereitung und Geschichte der Pokerrunden wechselt. Action gibt es hier kaum, ganz vom Dialog lebt der Film, entwickelt aber doch eine treibende, nie nachlassende Kraft. Dynamischer Schnitt und Filmmusik tragen wesentlich zu dieser Dichte bei.

Problematisch ist bei diesem Drama, das mehr Charakterstudie als Pokerfilm ist, freilich der Blick auf die Protagonistin. Sorkin stilisiert Molly Bloom nämlich auch durch die Übernahme ihrer Perspektive zur großen Heldin hoch, wenn sie auch gegen das Angebot von Strafmilderung nichts über die prominenten Teilnehmer des Pokerrings preisgeben will, da sie dadurch Leben und Karrieren zerstören würde. Völlig überzogen ist, dass der Umgang mit der «Pokerprinzessin» dabei sogar mit Arthur Millers «Hexenjagd» verglichen wird, 140 Minuten mitreißendes Kino bietet «Molly Bloom» aber dennoch.

Läuft derzeit im Cineplexx Hohenems und im Kino Madlen in Heerbrugg

Trailer zu «Molly´s Game»

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