100 Jahre Nazis/Österreich

26.02.2018 Kurt Bracharz

Die erste Partei, die das Wort «nationalsozialistisch» im Namen trug, war die altösterreichische «Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei» DNSAP. Auch sie hatte sich bei ihrer Gründung 1903 in Aussig (damals Sudentenland, heute Ústí nad Labem in Tschechien) zunächst einfach nur «Deutsche Arbeiterpartei» (DAP) genannt und mit ihrem antisozialdemokratischen, antisemitischen, antiklerikalen und antislawischen Programm 1911 drei Mandate im Wiener Parlament erlangt.


Ihre Marginalität führte zu ihrer Radikalisierung, und die drückte sich 1918 in ihrer Namenänderung zu DNSAP aus. Im neuen Progamm hieß es: «Die DNSAP ist eine freiheitliche und streng völkische Partei und bekämpft daher alle rückschrittlichen Bestrebungen, kirchlichen, adeligen und kapitalistischen Vorrechte und jeden fremdvölkischen Einfluss, vor allem aber die überwuchernde Macht des jüdisch-händlerischen Geistes auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens.» Die Parteigenossen waren vor allem deutsche Facharbeiter in der böhmisch-mährischen Industrie, die ihren tschechischen Kollegen Lohndumping unterstellten. Nach der Auflösung der österreichischen Doppelmonarchie forderte die DSNAP einen nationalen Sozialismus in Deutschösterreich inklusive Südtirol und Sudetenland und den Beitritt zum Deutschen Reich.

Bei den Wahlen zur verfassunggebenden Nationalversammlung Österreichs im Februar 1919 erreichte sie 0,78 Prozent der Stimmen. Der Parteivorsitzende Walter Riehl errang einen Sitz im niederösterreichischen Landtag, verlor ihn aber nach eineinhalb Jahren wieder. Er war noch Abgeordneter gewesen, als er 1920 bei einem Treffen in Salzburg die Leitung der «zwischenstaatlichen Kontakte» der deutschen Arbeiterparteien – unter ihnen auch Hitlers Münchner NSDAP – übernahm. Im September/Oktober 1920 reiste Hitler als Wahlredner für den Nationalratswahlkampf der DNSAP durch Österreich und hielt in sieben Städten zehn Reden. Das Wahlergebnis für die DNSAP: kein einziger Sitz im Parlament.

1924 spaltete sich die Partei in den Deutschsozialen Verein des Walter Riehl und in eine von Karl Schulz unter dem alten Namen firmierende Gruppe. Die Trennung führte zu nicht enden wollenden Streitigkeiten, weshalb einige Ö-Nazis Jammerbriefe an Hitler schrieben, der ihnen schließlich mitteilen ließ, er würde eine Wiedervereinigung der beiden Flügel protegieren, wenn danach die Führung bei den Radikalen läge. Die Österreicher akzeptierten das, stritten aber trotzdem weiter, traten bei den nächsten Nationalratswahlen als «Völkischsozialer Block» an und bekamen 0,74 Prozent der Stimmen. Bei den Nationalratswahlen 1930 trat die NSDAP als «Hitlerbewegung» in Erscheinung und erreichte trotzdem kein Mandat.


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