Kühles Licht und weite See

06.03.2018

07.03.2018 bis 01.07.2018  Kunsthalle Bremen

Die Ausstellung «Kühles Licht und weite See» präsentiert ab dem 7. März rund 180 kürzlich restaurierte holländische und flämische Zeichnungen des 16. bis 18. Jahrhunderts. Neben hochkarätigen Meisterwerken aus der Sammlung wie Anton van Dycks furiose Skizze mit «Samson und Dalila» oder Jacob Jordaensʼ großformatiger, farbiger Entwurf der «Darstellung im Tempel» werden bewusst auch bislang wenig beachtete und unveröffentlichte Bestände niederländischer Zeichenkunst präsentiert. Zahlreiche, oft auch anonyme Werke, die dem breiten Publikum bislang vollkommen unbekannt geblieben sind, werden erstmals erschlossen.


Darunter befinden sich beispielsweise die Studie eines knorrigen alten Baumes von Abraham Bloemaert oder die Zeichnung einer mit Seegras bewachsenen Muschel, die ein Matrose samt Beschreibung im Jahr 1698 anfertigte. Dabei spannt sich der geographische Bogen von den protestantischen holländischen Nordprovinzen über die aufstrebenden Städte Amsterdam, Haarlem, Utrecht und Leiden bis hin zu den katholischen Regionen im flandrischen Süden wie etwa Antwerpen und Brüssel.

Der überwiegende Teil der Blätter wurde im 17. Jahrhundert, im sogenannten Goldenen Zeitalter der Niederlande, geschaffen. Jedoch werden auch hervorragende Werke des 16. Jahrhunderts und eine ganz ausgezeichnete Gruppe von Landschaften des 18. Jahrhunderts zu sehen sein, die sich mit Phänomenen von Licht und atmosphärischer Stimmung auseinandersetzen. Holländische Landschaftszeichnungen bilden einen ausgeprägten Schwerpunkt sowohl in der Sammlung als auch in der Ausstellung. Neben zwei frühen Weltlandschaften aus der Vogelperspektive werden Kreidezeichnungen des frühen 17. Jahrhunderts gezeigt, in denen sich eine neue Landschaftsauffassung ausprägt: Die Künstler zeichneten zunehmend in der Natur; sie widmeten sich dem Wald, den Dünen, dem Meer und ihrer heimischen Umgebung, die sie als bildwürdig erachteten und realistisch wiedergaben. So werden etwa Werke von herausragenden Landschaftszeichnern wie Jan van Goyen, Jacob van Ruisdael und Esaias van de Velde zu sehen sein. Die Präsentation wird durch illustrierte Bücher und Druckgraphiken ergänzt, die einen direkten Bezug zu den Zeichnungen aufweisen.

In der Ausstellung werden auch die verschiedenen Aspekte der Restaurierungspraxis, vom Entfernen alter Montierungen und Reparaturen über die Reduzierung von Flecken bis hin zur Stabilisierung von Zeichenmitteln thematisiert. Die Zeichnungen haben eine Geschichte von mehreren Hundert Jahren hinter sich, die nicht spurlos an ihnen vorüber gegangen ist. So konnten beispielsweise im Laufe der Restaurierung durch Luftverschmutzung oxidierte und dadurch schwarz gewordene weiße Farbpartien wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden. Auch Risse wurden geschlossen und Fehlstellen im Papier ergänzt. Ein eigens eingerichteter Raum beleuchtet die Arbeit der Restaurierung sowie Fragen nach historischen Materialien, etwa die Herstellung verschiedener Papiere oder die Verwendung unterschiedlicher Zeichenmittel wie Kreiden und Tinten.

Ein besonderes Highlight werden Zeichnungen sein, die den Besuchern erstmals auch ihre spannenden Rückseiten offenbaren. Papier war kostbar und Künstler nutzten es oft beidseitig. So findet sich auf der Rückseite einer kleinen Landschaft im Mondschein von Anthonie Waterloo die Bestellung verschiedener Wäschestücke bei einem Schneider. Der Delfter Maler Leonaert Bramer zeichnete auf der Vorderseite eines großen Blattes den Blick in eine Schmiede und auf der Rückseite Bauern bei der Ernte.

In der Ausstellung werden Werk u.a. von Abraham Bloemaert, Anton van Dyck, Jan van Goyen, Jacob Jordaens, Esaias van de Velde, Willem van de Velde, Jacob van Ruisdael und Künstlern aus dem Umkreis Rembrandts gezeigt.


Kühles Licht und weite See
Niederländische Meisterzeichnungen und ihre Restaurierung
7. März bis 1. Juli 2018

Kunsthalle Bremen
Am Wall 207
D-28195 Bremen
T: 0049 (0)421 32908-0
F: 0049 (0)421 32908-47
E: office@kunsthalle-bremen.de
W: http://www.kunsthalle-bremen.de


Öffnungszeiten

Mi bis So 10 - 17 Uhr
Dienstag 10 - 21 Uhr
Montag geschlossen

 


  • Hendrik Kobell: Seestück, 1767. Feder in Braun, grau laviert; Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, Kupferstichkabinett
  • Daniël Kerkhoff: Ansicht von Haarlem mit Blick auf die Sankt-Bavo-Kirche. Schwarze Kreide, grau laviert, Pinsel in Schwarz; Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, Kupferstichkabinett
  • Anonym, holländisch: Eine mit Farnkraut bewachsene Muschel, 1698. Feder in Eisengallustinte; Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, Kupferstichkabinett
  • Anton van Dyck: Samson und Dalila, um 1618–1620. Feder und Pinsel in Braun; Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, Kupferstichkabinett
  • Abraham van Dyck: Porträt eines Mädchens. Feder in Braun, braun und rot laviert; Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, Kupferstichkabinett
  • Jacob Jordaens: Die Darstellung im Tempel, um 1660. Rötel, schwarze Kreide, Graphit, Aquarell- und Deckfarben, Deckweiß; Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, Kupferstichkabinett
Kunsthalle Bremen
Am Wall 207
D-28195 Bremen
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