Dead Zone

22.03.2018 Walter Gasperi

Ein junger Mann leidet nach einem schweren Unfall an körperlichen Beeinträchtigungen, verfügt aber nun über die Gabe der Voraussehung. David Cronenbergs auch dank hervorragender Schauspieler spannende und vielschichtige Stephen King-Verfilmung aus dem Jahre 1983 ist bei Koch Media in einem Mediabook mit einer Blu-ray und zwei DVD erschienen.


Ansichten gepflegter Vorstadthäuser und beschaulicher Herbstlandschaften begleiten den Vorspann, zunehmend verdeckt werden aber die Bilder durch schwarze Flecken, bis alles so abgedeckt ist, dass dazwischen der Titel aufleuchtet. So unspektakulär wie wirkungsvoll ist dieser Auftakt – auch weil die Musik von Michael Kamen ein Gefühl der Verunsicherung und Bedrohung aufkommen lässt, das im Kontrast zur scheinbare Idylle steht.

Die Verunsicherung setzt sich fort, als der junge Lehrer Johnny (Christopher Walken) nach dem Unterricht bei einer Achterbahnfahrt mit seiner Freundin (Brooke Adams) plötzlich Kopfschmerzen bekommt und David Cronenberg den Zuschauer mit auf diese Berg- und Talfahrt nimmt, ihn einen Unfall oder ein anderes dramatisches Ereignis erwarten lässt.

Doch dieses wird aufgeschoben. Erst bei der nächtlichen Heimfahrt von seiner Freundin wird Johnny ein verunfallter Truck zum Verhängnis. Nichts erfährt man über seine Bergung, in elliptischer Erzählweise zeigt ihn Cronenberg in der nächsten Einstellung im Koma im Krankenhaus, während ihn seine Freundin besucht, dann wach beim Besuch der Eltern. Wie Johnny ist aber auch der Zuschauer geschockt, als er erfährt, dass das Koma fünf Jahre währte.

Bewegen kann er sich immer noch kaum, dafür lösen aber Berührungen von Menschen – im speziellen ein Händedruck - Visionen aus: Die Bedrohung der Tochter einer Krankenschwester durch einen Brand sieht er mit solcher Intensität voraus, dass sich das Feuer sogar in sein Krankenzimmer ausbreitet. Andererseits steigen bei einem Treffen mit seinem Arzt (Herbert Lom) in ihm auch Bilder vom Grauen des Zweiten Weltkriegs auf, aus dem der Arzt als Kind entkam.

Nicht als Segen, sondern als Fluch sieht Johnny diese Fähigkeit, hat ihm der Unfall und das fünfjährige Koma doch sein bisheriges Leben – vor allem seine Freundin und seinen Job – genommen. Zudem saugt ihm jede Vision förmlich das Leben aus. Je intensiver und häufiger diese Visionen werden, desto mehr wird seine physische Verfassung angegriffen. Bald ist die Presse hinter ihm her, die Polizei bittet ihn um Hilfe bei der Suche nach einem Serienmörder, sodass er schließlich aus seiner Heimatstadt flüchtet und untertaucht.

Seine Einstellung zu dieser Gabe ändert sich aber, als er erkennt, dass er nicht nur die Zukunft voraussehen, sondern mit diesem Wissen auch den Lauf der Ereignisse verändern kann. Diese Einsicht stellt ihn auch vor eine Gewissensentscheidung, als er einem rechtspopulistischen Politiker (Martin Sheen) begegnet, der als Präsident eine Gefahr für die Welt darstellen könnte.

Der für David Cronenbergs Filme typische drastische Körperhorror fehlt hier weitgehend, gleichwohl geht es auch hier um das Verhältnis von Körper und Geist, um eine physische und psychische Verwandlung. Mehr als Horror ist «Dead Zone», der zu den besten Verfilmungen der Romane von Stephen King zählt, aber ein geradlinig aufgebauter, ruhig und kühl, aber dicht erzählter und sich von Szene zu Szene steigernder Thriller, der auch religiöse und politische Fragen anreißt.

Wie nämlich eine Prägung Johnnys durch die Erziehung durch die streng religiöse Mutter angedeutet wird, so wird auch die Frage nach der Legitimität eines politischen Mordes zum Wohle des Volkes aufgeworfen.

Spannung entwickelt der in kalte Winterfarben getauchte Film dabei auch durch die bis in die Nebenrollen perfekte Besetzung. Wie gewohnt großartig ist Christopher Walken, der eindrücklich die Wandlung Johnnys vom unbeschwerten jungen Mann zum gequälten Seher, der schließlich in seiner Gabe doch einen Segen sieht, vermittelt. Nicht weniger überzeugend ist aber Martin Sheen als Politiker, der bei seinen Auftritten das Volk mitreißt, daneben aber auch Brutalität und Rücksichtslosigkeit bei der Durchsetzung seiner Ziele an den Tag legt. Visionär scheint hier der Film selbst, denn dieser Politikertypus scheint heute aktueller denn je.

An Sprachversionen verfügt das bei Koch Media erschienene Mediabook mit einer Blu-ray und zwei DVD über die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie Untertitel in diesen beiden Sprachen. Umfangreich sind die Extras. Neben dem Trailer und einer Bildergalerie gibt es einen – allerdings nur englischen – Audiokommentar der Filmhistoriker Stephen Jones und Kim Newman. Dazu finden sich auf der zweiten DVD mehrere – deutsch untertitelte – Features mit Interviews mit Cronenberg, Kameramann Mark Irwin, Cutter Ronald Sanders und der Schauspielerin Brooke Adams zur Produktion, dem Look, der Rolle der Visionen und des Horrors sowie der politischen Komponente von «Dead Zone». Auch ein rund 45-minütiges Interview mit Stephen King fehlt hier nicht.

Trailer zu «Dead Zone»

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