Thomas Gainsborough. Die moderne Landschaft

25.02.2018

02.03.2018 bis 27.05.2018  Hamburger Kunsthalle

Im Frühjahr 2018 widmet die Hamburger Kunsthalle dem englischen Maler Thomas Gainsborough (1727–1788) erstmals in Deutschland eine große monographische Ausstellung und zeigt ihn als Wegbereiter der «modernen» Landschaftsmalerei. Die vom Direktor der Hamburger Kunsthalle, Christoph Martin Vogtherr, kuratierte Schau umfasst etwa 80 Werke – rund 50 Gemälde und 30 Arbeiten auf Papier.


Die Leihgaben kommen u. a. aus den wichtigsten britischen Sammlungen wie der National Gallery, der Tate Gallery und dem Victoria and Albert Museum in London, aus dem Barber Institute in Birmingham, sowie aus den Staatlichen Museen zu Berlin, den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München und aus Privatsammlungen in Deutschland und Großbritannien. Unter den Werken sind Ikonen der britischen Malerei wie «Mr. and Mrs. Andrews» und «Die Tränke», die im englischsprachigen Raum zu den bekanntesten Gemälden überhaupt gehören.

Thomas Gainsborough, geboren in Sudbury, wuchs in Suffolk im Südosten Englands auf und wurde von der dortigen Landschaft beeinflusst. Er erhielt seine Ausbildung bei französisch geprägten Künstlern in London und studierte intensiv die Landschaftsmalerei der Niederländer. Seine Kunst entstand vor diesem weiten, europäischen Horizont. Der Erfolg stellte sich mit seiner Übersiedlung in den vornehmen Kurort Bath ein, wo er als Porträtist der englischen Gesellschaft großes Ansehen genoss. Später arbeitete er in London und wurde dort Gründungsmitglied der Royal Academy.

Gainsborough selbst zog seine Landschaften den Porträts vor. In ihnen entwickelte er seine Malerei experimentierend und in hohem Maße innovativ weiter. Er reagierte damit sensibel auf die Veränderungen im England des 18. Jahrhunderts und war selbst einer der Akteure einer experimentellen Kultur, die England im Laufe des 18. Jahrhunderts zum wirtschaftlich und politisch führenden Land Europas und einem seiner künstlerischen Zentren werden ließ.

Thomas Gainsborough. Die moderne Landschaft präsentiert Gainsboroughs Werk als Landschaftsmaler in drei Kapiteln: Unter dem Thema «Der Zugriff auf die Realität» vergleicht die Ausstellung frühe Werke Gainsboroughs wie «Holywells Park» mit Landschaften niederländischer Künstler aus der Sammlung der Hamburger Kunsthalle. Hier wird deutlich, wie der Künstler Techniken der Komposition, der Perspektive, der atmosphärischen Darstellung lernte und die Bedeutung der Landschaft als Stimmungsträger zu einem wichtigen Aspekt seiner Gemälde entwickelte.

In für England im frühen 18. Jahrhundert typischer Weise knüpfte Gainsborough eng an die europäische Tradition an, um auf dieser Grundlage eine eigenartige und neuartige Kunst zu entwickeln. Insbesondere das Verhältnis von Mensch und Landschaft interessierte Gainsborough, die Verbindung mit und die Einfühlung in die Natur, die im Begriff der Empfindsamkeit («sensibility») zum Ausdruck kam.

Das Kapitel «Die soziale Landschaft» zeigt, wie Gainsboroughs Landschaftskunst die großen sozialen Umbrüche der Zeit spiegelte und ihnen Ausdruck gab. Der Künstler präsentierte Menschen in der Landschaft zwischen Armut und Idylle und versuchte mit jedem Bild etwas zu fassen, für das es noch keine eindeutige Formulierung gab. Die zunehmende Privatisierung des Gemeindelandes sorgte in England dafür, dass große Teile der Landbevölkerung verarmten und als billige Arbeitskräfte in die Städte abwanderten. Gleichzeitig wurde der private Landbesitz zum Statussymbol. Gainsborough näherte sich dieser Entwicklung von Seiten der Besitzenden und der Verarmenden. Die ländliche Migration wird, wie in dem Hauptwerk «Erntewagen», zum zentralen Thema in seinen späten Landschaften.

Technisch schufen zu dieser Zeit die Weiterentwicklung der Dampfmaschine und die Erfindung des mechanischen Webstuhls die Voraussetzung für die frühe Industrialisierung. Die Ausstellung veranschaulicht unter dem Thema «Der kreative Prozess», wie auch die englische Malerei von diesem Ideal der Innovation angetrieben wird. Die Landschaftskunst Gainsboroughs wird zum technischen und intellektuellen Laboratorium: Um bestimmte Wirkungen in seinen Zeichnungen zu erreichen und die Grenzen der Gattung immer wieder aufs Neue zu erweitern, experimentierte er mit Farben und unterschiedlichsten Techniken wie Aquatinta und Weichgrundradierung, verwendete Magermilch oder malte Bilder auf Glas. Mit «Küstenlandschaft mit Segelschiffen» wird eines dieser äußerst empfindlichen Werke auf Glas ausgestellt, das ursprünglich in einem von Gainsborough konstruierten Guckkasten präsentiert wurde, und in der Schau
wieder von hinten beleuchtet zu erleben ist.

Die Ausstellung knüpft an eine lange Tradition der Hamburger Kunsthalle an, die seit dem legendären Zyklus «Kunst um 1800» des ehemaligen Direktors Werner Hofmann immer wieder die Zeit des Umbruchs um 1800 als Beginn der Moderne in den Fokus rückt. Ergänzend zu der deutschen Romantik, die in der Sammlung der Kunsthalle stark vertreten ist, und der französischen Kunst dieser Zeit, stellt die Schau mit Gainsborough England als weiteres Zentrum der europäischen Landschaftsmalerei vor.


Ein reich bebilderter wissenschaftlicher Katalog u. a. mit Beiträgen von Christoph Martin Vogtherr, Bettina Gockel, Rica Jones, Mark Hallet und Mark Bills in einer deutschsprachigen und einer englischsprachigen Ausgabe begleitet die Ausstellung (Hirmer Verlag, München). Die Publikation ist im Museumsshop zum Preis von 29 Euro erhältlich und kann online über www.freunde-der-kunsthalle.de bestellt werden.

Thomas Gainsborough. Die moderne Landschaft
2. März bis 27. Mai 2018
Eröffnung: Do 1. März 18, 19 Uhr

Hamburger Kunsthalle
Glockengießerwall
D-20095 Hamburg
T: 0049 (0)40 428 131 200
F: 0049 (0)40 428 5434 09
E: info@hamburger-kunsthalle.de
W: http://www.hamburger-kunsthalle.de


Öffnungszeiten

Di bis So 10 - 18 Uhr
Donnerstag 10 - 21 Uhr
Montag geschlossen

 


  • Thomas Gainsborough (1727–1788): Robert und Frances Andrews (»Mr. und Mrs. Andrews«), um 1750. Öl auf Leinwand, 69,8 × 119,4 cm; London, The National Gallery. © The National Gallery, London
  • Thomas Gainsborough (1727–1788): Waldlandschaft mit sitzendem Bauern, um 1747. Öl auf Leinwand, 62,2 x 77,6 cm; London, Tate Gallery. © Tate, London 2017
  • Thomas Gainsborough (1727–1788): Holywells Park, um 1748–1750. Öl auf Leinwand, 50,8 x 66 cm; Ipswich Museum and Gallery. © Ipswich Museum and Gallery
  • Thomas Gainsborough (1727–1788): Waldlandschaft mit Hütte am See, vor 1782. Öl auf Leinwand, 120,4 x 147,6 cm; Sudbury, Gainsborough’s House. © Gainsborough’s House, Sudbury
  • Thomas Gainsborough (1727–1788): Landschaft mit Boot, um 1775–1780. Weichgrundradierung und Aquatinta, Pinsel in weiß, Blattmaß 25,7 x 32,1 cm; Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett. © bpk / Kupferstichkabinett, SMB / Dietmar Katz
  • Thomas Gainsborough (1727–1788): Waldlandschaft mit Wagen (»Der Erntewagen«), um 1766. Öl auf Leinwand, 120,7 x 144,8 cm; Birmingham, The Barber Institute of Fine Arts. © The Barber Institute of Fine Arts, Birmingham
Hamburger Kunsthalle
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D-20095 Hamburg
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F: 0049 (0)40 428 5434 09
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