Arthur & Claire

13.02.2018 Walter Gasperi

Eine junge Frau will in einem Hotelzimmer in Amsterdam Selbstmord begehen, im Nebenzimmer verbringt ein krebskranker etwa 50-jähriger Mann seine letzte Nacht, ehe er sein Leben durch Sterbehilfe beenden will. Josef Hader und Hannah Hoekstra müssen im Alleingang Miguel Alexandres sehr bieder inszenierte und ganz auf die Protagonisten zugeschnittene Adaption von Stefan Vögels Theaterstück tragen.


Dass Arthur (Josef Hader) ein missmutiger Mann ist, zeigt sich schon beim Flug von Wien nach Amsterdam, als er einem aufgeweckten Jungen mit der drastischen Schilderung der Folgen eines Luftlochs einen gehörigen Schrecken einjagt. Verstehen kann man freilich die schlechte Laune des etwa 50jährigen Österreichers, hat er doch beschlossen aufgrund einer fortgeschrittenen Krebserkrankung in der niederländischen Hauptstadt durch Sterbehilfe sein Leben zu beenden. Wie bitterer Hohn wirkt da, dass den Fluggästen ein gutes neues Jahr gewünscht und 500 Bonusmeilen geschenkt werden.

In Amsterdam möchte Arthur noch einen ruhigen Abend mit Rotwein und feinem Essen in seinem Hotelzimmer verbringen und dann früh schlafen gehen, um beim Sterben am nächsten Tag ausgeschlafen zu sein. – Bitterer schwarzer Humor funkelt immer wieder in den Dialogen dieser Adaption von Stefan Vögels Theaterstück auf, bei der Miguel Alexandre und Josef Hader als Drehbuchautoren bald die Enge des Hotelzimmers sprengen, in der die Vorlage spielt.

Denn gestört wird Arthur in seiner Ruhe von lauter Death-Metal-Musik im Nebenzimmer. Als er der Ursache der Störung nachgeht, trifft er auf die etwa 30jährige Claire (Hannah Hoekstra), die sich mit Tabletten umbringen will. Arthur versucht die junge Frau umzustimmen und folgt ihr, als sie flüchtet. So beginnt eine Tour durch das nächtliche Amsterdam, die durch den Wechsel von Gesprächen und Stopps und die Einbettung ins Ambiente mit Grachten, Restaurant, Coffee-Shop und Bar an Richard Linklaters «Before-»Trilogie erinnert. Im Gegensatz zu den Filmen des Amerikaners sind sich die Protagonisten hier aber zunächst unsympathisch und völlig gegensätzliche Charaktere.

Denn da treffen nicht nur Frau und Mann, jung und alt aufeinander, sondern auch eine Veganerin, die keinen Alkohol trinkt und ein Genussmensch, der durchaus gutes Fleisch, einen edlen Rotwein und guten Whisky zu schätzen weiß. Während Arthur zudem stets mürrisch ist, ist Claire, die freilich überraschend schnell von ihren Selbstmordgedanken abgebracht werden kann, freundlich und offen. – Ein Musterbeispiel für ein Odd Couple, das sich aneinander reibt, wird hier präsentiert.

Beide verbinden aber auch erst langsam gelüftete schwierige, teils tragische familiäre Erfahrungen, die auch Arthur sein eigenes Familienproblem überdenken lassen. Die Themen Schuld und Versöhnung werden kurz gestreift, treten aber angesichts der Fokussierung auf das Paar und das Hier und Jetzt ihres Lebens bald wieder in den Hintergrund.

Dominieren zunächst kalte Winterfarben, signalisiert nun das Spiel der nächtlichen Lichter und Farben, das Hell und Dunkel auch zurückkehrende Lebensfreude. Auch in schweren Momenten, sollte man eben nicht nur wie Arthur eine Liste der Dinge machen, die man als Toter auf keinen Fall vermissen wird, sondern auch eine Liste der Dinge, die einem abgehen werden.

Ganz auf das Paar konzentriert sich Miguel Alexandre und erzählt konsequent aus der Perspektive Arthurs. Schlag auf Schlag geht es am Beginn, wunderbar ökonomisch ist zunächst die Inszenierung, doch zunehmend schlägt der Film, dessen erzählte Zeit gerade mal 24 Stunden umfasst, dann ein gemächlicheres Tempo und einen nachdenklicheren Ton an.

Doch so warmherzig auch der Blick ist, so wunderbar Hader und Hoekstra, die mit viel Feingefühl und nuancenreich dieses Paar spielen, harmonieren, so sehr schwarzer Humor ein Abgleiten in Rührseligkeit verhindert und so trefflich Alexandre eine Stimmung der Melancholie beschwört, so ist doch die Erzählweise insgesamt zu bieder und fernsehmäßig. Jeden Pfiff und Einfallsreichtum lässt sie vermissen, weitgehend überraschungsfrei entwickelt sich die Handlung. Zu wenig weiß der deutsch-portugiesische Regisseur aus dem Stoff zu machen, zu sehr verlässt er sich auf seine Hauptdarsteller.

Läuft ab Freitag im Metrokino Bregenz, Cinema Dornbirn und Kino Rio in Feldkirch

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