The Wailing - Die Besessenen

08.03.2018 Walter Gasperi

Eine grausame Mordserie erschüttert ein koreanisches Dorf. Bald wird auch die Familie des ermittelnden Polizisten in die Verbrechen verwickelt. Na Hong-jins packender Thriller über die Kräfte des Bösen, über Vorurteile und dunkle Mächte ist bei Pierrot le Fou auf DVD und Blu-ray erschienen.


Vor dem ersten Bild steht ein Insert mit einer Passage aus dem Lukas-Evangelium. Die Bibelstelle, die von der Rückkehr des auferstandenen Christus, den seine Jünger nicht erkennen, berichtet, verleiht diesem Thriller von Anfang an Gewicht. Wie hier die Frage aufgeworfen wird, wie man eigentlich wissen kann, ob die Person wirklich Christus ist und nicht irgendein Scharlatan, und dass es letztlich unmöglich ist in einen Menschen zu blicken und gut und böse zu unterscheiden, bestimmt Na Hong-jins dritten Spielfilm.

Visuell beginnt «The Wailing» aber mit einer Totalen einer idyllischen Flusslandschaft. Mit einem Schnitt springt Na Hong-jin zur Großaufnahme eines Fischers, der einen Köder an seinem Angelhaken befestigt. Symbolisch wird man diesen Auftakt im Nachhinein sehen müssen als Metapher für eine scheinbar heile Welt, in der das Böse seine Köder auswirft – und weder braver Bürger noch Kind ist dagegen immun, sondern jeder kann dem Bösen verfallen.

Isoliert bleibt diese Szenen stehen, denn anschließend schneidet Hong-jin zu einem Polizisten, der nach dem Frühstück mit seiner Familie zu einem Mordschauplatz fährt. Bestialisch hat ein Angehöriger offensichtlich seine ganze Familie abgeschlachtet. Während der Polizist eher tollpatschig agiert, geschehen weitere Morde.

Wird zunächst die Schuld für die Verwandlung der biederen Bürger in einem Pilzgericht gesucht, fällt bald der Verdacht auf einen alten Japaner, der allein im Wald lebt. Vorverurteilt wird er als Außenseiter und Fremder, bald wird sein Hütte durchsucht. Daneben gibt es aber auch eine stets weiß gekleidete mysteriöse junge Frau.

Gehen die Ermittlungen zunächst nach Außen und in die Breite, so führt Hong-jin die Handlung bald enger, geht in die Tiefe als auch von der Tochter des Polizisten ein Dämonen Besitz zu ergreifen scheint. Weil der Polizist mit seinen rationalen Ermittlungen nicht weiterkommt, ruft dessen Mutter bald einen Schamanen zu Hilfe, während ein anderer Polizist einen Cousin, der Theologie studiert, beizieht.

Überzeichnet wirkt zwar der unbeholfene Polizist ebenso wie die Schikanen, die er von seinen Vorgesetzten erfährt, eine an sich ernste Actionszene ist ebenfalls aufgrund von Überzeichnung und Overacting nicht frei von unpassender Komik, dennoch entwickelt Hong-jin insgesamt die Handlung mit großem Ernst und Konzentration.

Hier geht es nicht nur um hochspannende, atmosphärisch ungemein dichte Unterhaltung, bei der sich der Krimi langsam zum Horrorfilm à la «Der Exorzist» wandelt, sondern auch um die Frage, woher das Böse kommt und wie man es besiegen kann. Ohnmächtig ist der Mensch gegenüber diesen Kräften, die über ihn hereinbrechen. Weder Ratio noch Schamanismus noch Christentum scheinen dagegen wirklich Hilfe bieten zu können. Auf Lösung des Falls kann man folglich ebenso wenig hoffen wie auf Erlösung der Protagonisten.

An Sprachversionen bieten die bei Pierrot le Fou erschienene DVD und Blu-ray die koreanische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie deutsche Untertitel. Die Extras umfassen neben dem Trailer ein Making of, ein Feature «Behind the Scenses» sowie ein kurzes Interview mit dem Regisseur.


Trailer zu «The Wailing»

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