Ein Fremder ohne Namen - High Plains Drifter

15.02.2018 Walter Gasperi

Ein Fremder kommt in eine Westernstadt, kommandiert die feigen Bürger herum und übt mit eisiger Präzision Rache für ein Verbrechen. – Mit seiner zweiten Regiearbeit gelang Clint Eastwood 1973 ein kompromissloser archetypischer Western, der bei Capelight Pictures auf DVD und in einem zwei Disc-Mediabook auf DVD und Blu-ray erschienen ist.


Aus einer weiten Ebene löst sich in der flirrenden Hitze langsam ein einsamer Reiter (Clint Eastwood) heraus. Die Kamera folgt ihm auf seinem Ritt durch Halbwüste und Hügel zu einer Kleinstadt, die malerisch an einem See liegt. Ebenso neugierig wie misstrauisch blicken die Bewohner auf den durch die Stadt reitenden Fremden, dessen Gesicht wird dem Zuschauer zunächst vorenthalten.

Ein klassischer Western-Beginn ist diese Ankunft eines Fremden und mit praktisch den gleichen Bildern, nun freilich mit umgekehrter Bewegung wird Clint Eastwood den Film nach gut 90 Minuten enden lassen. Erst dann wird der Fremde – zumindest in der deutschen Fassung - auch einen Namen bekommen und den tieferen Grund seines Besuchs preisgeben. Die originale Fassung lässt hier auch eine andere Interpretation über die Identität des Fremden zu, macht ihn noch mehr zu einem mythischen Racheengel.

Dass der bärtige und dreckige Einzelgänger ein Meister im Umgang mit der Waffe ist, zeigt sich schon nach wenigen Minuten, als ihn drei Gangster provozieren, ihre Colts ziehen, aber keine Chance gegen ihn haben. Weil die Bewohner sich vor der Rückkehr von drei Verbrechern fürchten, die in diesen Tagen freigelassen werden und einst Rache dafür geschworen haben, dass sie von den Bürgern verraten wurden, engagieren die Honoratioren der Stadt den schweigsamen Fremden. Doch schon seine Alpträume machen klar, dass er von den feigen Bürgern, die einst bei einem grausamen Mord lieber tatenlos zuschauten als einzugreifen, wenig hält.

Das Engagement nützt der Fremde, um die Bewohner nach Lust und Laune herumzukommandieren und zu verhöhnen. Einen bislang verlachten Kleinwüchsigen macht er zum Sheriff und Bürgermeister, zwei Mexikaner lässt er eine Scheune abreißen und Tische für ein Bankett auf der Hauptstraße aufstellen, das Hotel lässt er räumen und macht es zu seiner Residenz, bis er schließlich die ganze Stadt blutrot anmalen lässt und das Ortsschild Lago in Hell umschreibt. Einprägsam ist nicht nur dieses Bild der roten Stadt, sondern auch der fast schon apokalyptische Showdown bei Nacht vor dem Hintergrund brennender Häuser.

Wie in den Italo-Western von Sergio Leone gibt es hier keine Helden, sondern bestenfalls unsympathische und weniger unsympathische Typen. Der Feigheit und Gier der Bürger, stehen die Gemeinheit, der Zynismus und die Brutalität des Fremden gegenüber. Großaufnahmen der Gesichter kehren hier immer wieder das Schmutzige und Hässliche hervor, markante Untersichten und Aufsichten betonen Machtverhältnisse.

Hier gibt es nicht mehr dem Mythos vom Aufbau einer neuen, besseren Gesellschaft, keine Romantik und keine Utopie, sondern einzig menschliche Niedertracht. Ablehnen kann man diesen Western in seinem negativen Menschenbild, bewundern muss man aber auf jeden Fall die Meisterschaft der kompromisslosen und schnörkellosen Inszenierung.

An Sprachversionen verfügt der bei Capelight Pictures auf DVD und in einem zwei Disc-Mediabook auf DVD und Blu-ray erschienene Film über die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie über Untertitel in diesen beiden Sprachen. Die Extras beschränken sich auf den Kino-Trailer und Trailer zu weiteren Filmen dieses Labels.

Trailer zu «Ein Fremder ohne Namen»

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