Keine Gnade für Ulzana – Ulzana´s Raid

01.02.2018 Walter Gasperi

Als eine Gruppe von Apachen um ihren Häuptling Ulzana aus dem Reservat ausbricht, schickt die Armee Soldaten zur Verfolgung aus. – Robert Aldrichs 1973 gedrehter harter Western über unüberbrückbare kulturelle Differenzen ist bei explosive media in einer 2 Disc Special Edition auf DVD und Blu-ray erschienen.


Weil die Verhältnisse im Reservat unerträglich sind, bricht eine Gruppe von Apachen aus. Der Oberbefehlshaber des nächsten Forts schickt den unerfahrenen Leutnant DeBuin (Bruce Davison) mit einem Trupp Soldaten sowie dem erfahrenen Scout McIntosh (Burt Lancaster), der mit einer Indianerin verheiratet ist, und dem für die Armee arbeitenden indianischen Kundschafter Ke-Ni-Tay aus, um die Indianer, die mordend und plündernd durch die Halbwüste Arizonas ziehen, einzufangen oder zu töten.

Die Grenzen zwischen Gut und Böse scheinen klar gezogen, denn Aldrich erzählt konsequent aus der Perspektive der Weißen. Doch so einfach liegen die Dinge dann doch nicht. Von Anfang an zeigt der Actionspezialist nämlich seine Abneigung gegenüber dem Militär, bei dem Vorschrift und Ordnung über allem stehen. Spöttisch blickt er auf Salutieren und reglementiertes Handeln nach Befehlen, seine Sympathie gehört sichtlich dem Scout McIntosh, der sich nichts sagen lässt, sondern auf seine Erfahrung vertraut.

Während DeBuin, der Sohn eines Pfarrers ist und sich auch im Krieg an christliche Werte halten will, sich die Grausamkeit der Indianer nicht erklären kann, akzeptieren McIntosh und Ke-Ni-Tay diese, erklären sie mit der völligen Andersartigkeit der Indianer, aber auch mit ihrer Unterdrückung im Reservat. Hier hat man ihnen ihre Identität, ihre Wildheit und ihre Kraft – und damit letztlich ihr Leben – genommen. Zurückgewinnen können sie dies in ihrer Weltsicht nur durch die Tötung von Feinden, die ihre eigenen Kräfte wieder stärken soll.

Als sie grausam einige Siedler umbringen, zeigen sich die Soldaten freilich nicht weniger barbarisch als die Apachen, denn nun wollen auch diese die toten Indianer schänden. Einzig DeBuin kann sie daran hindern, der ihnen befiehlt sowohl die toten Siedler als auch die Indianer in gleicher Weise zu begraben.

So erzählt Aldrich in seinem teilweise sehr brutalen Western vom unversöhnlichen Gegensatz der Kulturen und der Vernichtung der indianischen Kultur nicht zuletzt durch das Christentum. Fast zwangsläufig führt diese Politik der Unterdrückung und Ausrottung des Fremden in diesem gänzlich unheroischen Western zu einer Revolte, an deren Ende es keine großen Sieger, sondern vor allem Tote geben wird.

Auf der Figurenebene steht dabei die Beziehung zwischen McIntosh und DeBuin im Zentrum. Mit Hilfe dieses erfahrenen Scouts, auf den der junge und gänzlich unerfahrene Offizier angewiesen ist, und des indianischen Scouts Ke-Ni-Tay versucht er das Verhalten und die Denkweise der Apachen verstehen zu lernen. Gleichzeitig wird Ulzana dabei auch als gewiefter Taktiker präsentiert, dessen Pläne einzig McIntosh und Ke-Ni-Tay, die mit dem indianischen Denken vertraut sind, durchschauen.

Mit dem Entstehungsjahr 1972 lässt sich der auf einem historischen Feldzug Ulzanas im Jahre 1885 beruhende Film freilich auch als bissiger Kommentar zum Vietnamkrieg und dem Verhalten der USA gegenüber fremden Kulturen insgesamt lesen. Hier wie dort führt die fehlende Bereitschaft, sich in die Position des anderen zu versetzen und das Gegenüber verstehen zu wollen, zu Hass und dem Entschluss das Fremde auszurotten.

An Sprachversionen bietet der bei explosive media in einer 2 Disc Special Edition auf DVD und Blu-ray erschienene Western die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie Untertitel in diesen beiden Sprachen. Die Extras umfassen neben dem Kinotrailer, einer Bildergalerie und einem Booklet auf der DVD eine um zwei Minuten kürzere Schnittfassung von Burt Lancaster, die für den europäischen Markt hergestellt wurde. Darin fehlt beispielsweise die Eröffnungsszene von der Flucht der Apachen aus dem Reservat, andererseits sieht man die Verfolgung eines verwundeten Indianers durch zwei Soldaten, die in Aldrichs Fassung auf den Bericht eines der beiden Soldaten reduziert ist.

Trailer zu «Keine Gnade für Ulzana - Ulzana´s Raid»

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