Manor Kunstpreis Aarau 2018

08.04.2018

27.01.2018 bis 15.04.2018  Aargauer Kunsthaus

Cédric Eisenring (*1983) schafft mit seinen Arbeiten bildliche Erzählungen. Material aus Hoch- und Populärkultur liefert ihm den Stoff. In seinen unverkennbaren Bildwelten begegnen wir aber auch Versatzstücken aus industrieller Produktion und Restposten des städtischen Alltags. Der Künstler mit Aargauer Wurzeln ist Träger des Manor Kunstpreises Aarau 2018, der Anlass bietet für eine Einzelausstellung im Aargauer Kunsthaus.


Im Zentrum von Cédric Eisenrings (*1983) Schaffen steht die Frage nach dem Erzählerischen. In seinen Arbeiten untersucht er das narrative Potenzial bildproduzierender Medien wie Druckgrafik, Zeichnung, Skulptur und Installation. Häufig greift er dabei auf Material aus der Hoch- und Populärkultur zurück und baut es zu neuen visuellen Erzählungen aus. Als Resonanzraum dienen Fantastische Literatur, Science-Fiction und Märchen. Aber auch Versatzstücken aus industrieller Produktion und Restposten des städtischen Alltags begegnen wir in Cédric Eisenrings unverkennbarer Bildwelt.

Die Auseinandersetzung mit klassischen Verfahren der Drucktechnik nimmt in Cédric Eisenrings aktuellem Schaffen einen besonderen Stellenwert ein. In der Ausstellung im Aargauer Kunsthaus zeigt der Künstler gleich mehrere neue druckgrafische Werkserien. Ihr Kennzeichen sind die seriell angeordneten Leerformen, um welche Zeichnungen von Ritterfiguren, Rokoko-Damen, Traumfängern, Goldkäfern sowie von geometrisch-abstrakten Ornamenten wuchern. Für diese feinteiligen Papierarbeiten greift der in Suhr aufgewachsene Künstler auf Techniken wie Heliogravüre, Ätz- oder Kaltnadelradierung zurück. Die Bildvorlagen generiert er meist aus Computerzeichnungen, welche er in einem nächsten Schritt auf die Druckplatten überträgt.

Diese Druckplatten schliesslich stammen aus der Industrie. Namentlich Abfälle und Reststücke aus der Metallproduktion sucht Cédric Eisenring zusammen, um sie sich für seine bildnerische Praxis anzueignen. Typisch für diese Platten sind Leerformen in serieller Anordnung. Diese haben beispielsweise die Form von Glocken, Schlüsseln oder schematisch-technoid anmutenden Wolken. Die dazugehörigen Positivformen sind längst in Folgeverfahren industrieller Herstellung aufgegangen und zu Apparaturen und Bauteilen, zu Kühlschränken, Lüftungsabdeckungen und Fahrscheinautomaten verarbeitet worden. Die Negativformen hingegen bleiben als Abfall zurück – als Überbleibsel industrieller Produktion, die in Cédric Eisenrings Bildern ein Nachleben erhalten. Sie dienen als Grund für Gravuren und Radierungen, die mittels Druckmaschine vor- und rückseitig sowie in unterschiedlichen Variationen auf Papier gebracht und nachträglich mit Farbstift und Aquarell koloriert werden.

Um Rückstände des alltäglichen Warenkonsums handelt es sich auch bei den diversen Verpackungen, die Cédric Eisenring sammelt und in naturalistischer Manier mit Steinstrukturen und Wolkenformationen im Stil des Surrealisten René Magritte bemalt oder bemalen lässt. Die bisweilen komplex aufgebauten Kartonschachteln finden sich durch Eisenrings Hand zu provisorischen Architekturen transformiert; gestapelt und gruppiert erweitern sie sich gar zu kleinen städtischen Gefügen.

Im Aargauer Kunsthaus schafft der Künstler mit gezielten räumlichen Eingriffen eine Gesamtinszenierung, in der jedes Werk über sich selbst hinaus stets auch auf eine übergelagerte Geschichte verweist. Schemenhaft blitzt diese im Beziehungsgeflecht zwischen den Arbeiten hervor: zwischen den Wesen, Phantomformen und Texturen, welche die Papierarbeiten bevölkern ebenso wie zwischen den kleinen Wandmalereien entlang der Lüftungslöcher in den Ausstellungssälen oder den erwähnten Kartonobjekten. Den Übergang in diese als Raumkörper inszenierte Erzählung symbolisieren Türen mit Konturen von Köpfen. Semitransparent und aus Metall und eingefärbtem Epoxidharz gefertigt hängen sie in den Durchgängen zwischen den Ausstellungsräumen und brechen mit der gewohnten Raumwahrnehmung im Museum. Nicht nur bildhaft, sondern auch faktisch markieren sie den Einstieg in die Sphäre der Fiktionalität, die bei Cédric Eisenring kraft der bildnerischen und materiellen Präsenz der Arbeiten auch in höchstem Masse real ist.


Cédric Eisenring
Manor Kunstpreis Aarau 2018
27. Januar bis 15. April 2018

Aargauer Kunsthaus
Aargauerplatz
CH-5001 Aarau
T: 0041 (0)62 83523-30
F: 0041 (0)62 83523-29
W: http://www.aargauerkunsthaus.ch


Öffnungszeiten

Di bis So 10 - 17 Uhr
Donnerstag 10 - 20 Uhr
Montag geschlossen

 


  • Cédric Eisenring: Captive, Green, 2017. Heliogravur auf inkjet gedrucktes Papier, koloriert mit Farbstift, 160 cm x 100 cm (zweiteilig); Foto: Paola Caputo
  • Cédric Eisenring, Captive, Red, 2017. Heliogravur auf inkjet gedrucktes Papier, koloriert mit Farbstift, 160 cm x 100 cm (zweiteilig); Foto: Paola Caputo
  • Cédric Eisenring: Untitled, Green, 2017. Radierung auf Inkjet gedrucktes Papier, 160 cm x 120 cm (zweiteilig); Foto: Paola Caputo
  • Cédric Eisenring: Untitled, Red, 2017. Radierung auf Inkjet gedrucktes Papier, 160 cm x 120 cm (zweiteilig); Foto: Paola Caputo
  • Cédric Eisenring: Industrial Dreamer II (Rubin Red) & Industrial Dreamer I (Rubin Red), 2017. Kaltnadelradierung auf Industrieplatte, Aquarell, Papier; Je 100 x 200 cm
Aargauer Kunsthaus
Aargauerplatz
CH-5001 Aarau
T: 0041 (0)62 83523-30
F: 0041 (0)62 83523-29
W: http://www.aargauerkunsthaus.ch


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