Ein archetypischer Geschäftsmann

25.12.2017 Kurt Bracharz

Die Weihnachtsnummer von «Newsweek International» hat Trump auf dem Cover – nicht als «Mann des Jahres», sondern als einen in misslicher Lage: Er steckt in einem Waschautomaten der Marke «Deutsche Bank» fest, der Titel des Leitartikels von Luke Harding ist «Dirty Laundry» und (immer noch) auf dem Cover steht auch, worum sich die Story dreht: «If Donald Trump has a dark Russian secret, Deutsche Bank may know what it is.» («Wenn Donald Trump ein dunkles russisches Geheimnis hat, könnte die Deutsche Bank wissen, worum es sich handelt.»)


Um es vorwegzunehmen: Der 14 Seiten des Magazins einnehmende Text von Harding enthält keinen hieb- und stichfesten Beweis für seine Kernthese eines unmittelbaren, nachweislichen Zusammenhangs von Trumps merkwürdigen Geschäftsbeziehungen zur Deutschen Bank mit der gleichzeitigen Verwicklung dieses Instituts in die Geldwäsche russischer Milliarden aus Politiker-, Oligarchen- und Geheimdienstkreisen. Beides ist gut belegt und nachweisbar, nicht aber eine Verknüpfung, nach der ja auch offiziell der Sonderermittler und Ex-FBI-Chef Robert Swan Mueller III. sucht, so lange Trump und Fox News ihn das noch tun lassen.

Luke Hardings Artikel beginnt mit einem Brief eines Anwalts der Deutschen Bank an den Supreme Court of New York vom November 2008, der berichtet, dass einer der schwierigsten Bankkunden im Jahre 2005 für den Bau eines Hotels in Chicago 640 Millionen Dollar geliehen und die Rückzahlung persönlich garantiert habe, sie aber nach der Finanzkrise von 2008 mit der Begründung verweigere, der Börsencrash sei Höhere Gewalt, an der auch die Strategie der Deutsche Bank eine Mitschuld treffe, weshalb er seinerseits jetzt eine Forderung in Höhe von 3 Milliarden Dollar für seine Folgeschäden einklagen werde.

Dieser Kunde war natürlich Donald Trump, der sich bei der Kreditvergabe zum «archetypical business man, a deal-maker without peer» erklärt und in seinem Buch «Think Big and Kick Ass in Business» davon geschwärmt hatte, wie viel Spaß es ihm mache, «to crush the other side and to take the benefits.» Trump hatte in den Jahren davor von keiner amerikanischen Bank mehr Kredit bekommen, und nun hatte er es sich auch mit der Deutschen Bank verdorben – jedenfalls dachte man das, bis Trump 2010 ein bemerkenswerter Deal gelang: Er wechselte mit seinen Kreditansuchen vom Real Estate Team der Deutschen Bank in New York zu ihrer Private Wealth Division. Und so schichtete die Bank um: die Private Wealth Divison lieh Trump nicht nur das Geld zur Abdeckung seiner Schulden bei der anderen Abteilung derselben Bank, sondern gab ihm darüber hinaus noch mindestens 25 Millionen als weiteren Kredit. Als Elect President schuldete Trump der Deutschen Bank in New York 300 Millionen Dollar.

Das New York State Department of Financial Services sagt, dass diese großzügige Kreditvergabe an Trump mit einem Milliarden-Geldwäschegeschäft der Bank für Russland zusammenfiel. Trump hatte schon lange Geschäfte mit russischen und postsowjetischen Oligarchen gemacht, die er mittlerweile bei seiner Twitterei einfach leugnet. Der «Newsweek»-Artikel schildert ausführlich, wie die Deutsche Bank mit ihren späteren CEO Anshu Jain durch den Kauf der Moskauer UFG-Bank 2005 ins Russland-Geschäft einstieg und welche Banken direkt oder indirekt mit dem russischen Geheimdienst FSB verbunden sind. Die mögliche Verbindung mit Trump sah der ehemalige Chef des britischen Geheimdienstes MI6, Richard Dearlove, in einem Interview mit dem Magazin «Prospect» so: «What lingers for Trump may be what deals – on what terms – he did after the financial crisis of 2008 to borrow Russian money when others in the West would not lend to him.» («Was Trump nicht los wird, ist die Frage, was für Deals zu welchen Bedingungen er nach der Finanzkrise 2008 eingegangen ist, um an russisches Geld zu kommen, als ihm im Westen niemand mehr welches leihen wollte.»)

Werden wir es je erfahren? Ich würde nicht darauf wetten wollen.


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