Vorschau auf die 53. Solothurner Filmtage

20.12.2017 Walter Gasperi

25.01.2018 bis 01.02.2018  Solothurner Filmtage

Unter dem Motto «Originalität und Innovation» bieten die Solothurner Filmtage vom 25. Januar bis zum 1. Februar 2018 mit 159 kurzen und langen Filmen wiederum einen Überblick über das aktuelle Schweizer Filmschaffen.


Eröffnet werden die 53. Solothurner Filmtage mit Fernard Meldars neuem Dokumentariflm «À l´école des philosophes». Nach Filmen über die Schweizer Flüchtlingspolitik («La forteresse» und «Vol spécial») und Obdachlose («L´abri») widmet sich der Westschweizer nun dem Alltag in einer Tagesschule für Kinder mit Behinderung.

«À l´école des philosophes» konkurriert neben sechs weiteren Dokumentarfilmen und zwei Spielfilmen auch um den mit 60.000 Schweizer Franken dotierten «Prix Soleure». In diesem Wettbewerb, der den Menschen und gesellschaftliche Fragen um das Zusammenleben in den Mittelpunkt stellt, läuft mit «Chris the Swiss» auch ein animierter Dokumentarfilm, in dem Anja Kofmel die Geschichte ihres Bruders nachzeichnet, der während des Jugoslawienkriegs als Journalist in Kroatien arbeitete und unter ungeklärten Umständen ums Leben kam.

Eine persönliche Perspektive bestimmt auch «Das Leben vor dem Tod», in dem Gregor Frei seinem Vater und dessen Nachbarn Fragen zu Tod und Sterben stellt. Luc Schaedler erkundet dagegen in «A Long Way Home» am Beispiel von fünf chinesischen Kulturschaffenden das Spannungsfeld von autoritärer chinesischer Politik und der Rolle der Kunst.

Während Karim Sayad in seinem Debüt «Des moutons et des hommes» am Beispiel zweier Algerier, die von ganz unterschiedlichen Arbeiten mit Schafen leben, Einblick in die Sozialstrukturen in diesem nordafrikanischen Land bietet, setzt sich Dieter Fahrer in «Die vierte Gewalt» mit den Veränderungen des Schweizer Mediensystems auseinander.

Die Spielfilme steuern Marcel Gisler bei, der in «Mario» von einem schwulen Fußballer erzählt, und Christine Repold, die in «Vakuum» hinter die Fassade einer Ehe blickt, die durch die Diagnose HIV-positiv erschüttert wird.

Im Wettbewerb um den mit 20.000 Franken dotierten «Prix du public» konkurrieren elf Filme, darunter drei Debüts. Wilfried Meichtry zeichnet hier in seiner Dokufiktion «Bis ans Ende der Träume» nach seinem eigenen Buch «Die Welt ist verkehrt – nicht wir» das Leben der Schweizer Reiserjournalistin Katharina von Arx und des französischen Fotografen Freddy Drilhon nach.

Die Bandbreite spannt sich hier von Nicole Borgeats doppelbödiger Komödie «Boomerang» und Bindu de Stoppanis Roadmovie «Cercando Camille» über Oliver Paulus und Stefan Hillebrands spöttischen Blick auf die moderne Arbeitswelt in «Level up Your Life» bis zum neuen Film von Silvio Soldini, der nach «Agata und der Sturm» und «Was will ich mehr» mit «Emma – Il colore nascosto delle cose» ein weiteres Frauenporträt vorlegt.

In die Mongolei – und dort von der Steppe in die Stadt - entführt Bathayar Chogsom mit «Out of Paradise», während Thomas Hämmerli in seinem autobiographischen Essay «Die Gentrifizierung bin ich – Beichte eines Finsterlings» der Geschichte von Hausbesetzern und Hausbesitzern nachspürt.

Auch Entdeckungsreisen durch die Welt der Sinne fehlen nicht. So porträtiert Bernhard Weber in «Der Klang der Stimme» vier Menschen, die die Grenzen der menschlichen Stimme ausloten, und Manuel von Stürler setzt sich in «La fureur de voir» angesichts der Gefahr des eigenen Erblindens mit der Bedeutung des Sehens auseinander.

In der Programmschiene «Upcoming» werden herausragende Kurzfilme von Filmstudenten und Autodidakten vorgestellt, während die heurige «Rencontre» auf das Werk Christoph Schaubs blickt, der einerseits erfolgreiche Komödien wie «Sternenberg» oder «Giulias Verschwinden», andererseits aber auch Dokumentarfilme über große Architekten gedreht hat.

Filmgeschichtlich widmen sich die 53. Solothurner Filmtage dem Welterfolg der Bolex-Kamera, deren erste Modelle in den 1920er Jahren vom Tüftler und Amateurfilmer Jacques Boolsky entwickelt wurden.

Unter dem Titel «Hauptsache Drehbuch!» werden internationale Produktionen wie Barbara Alberts «Licht» präsentiert, die durch ihre Drehbücher bestechen, und die neue Sektion «Future Lab» widmet sich neuen visuellen Technologien wie Virtual und Augmented Reality und soll deren Bandbreite und Potenzial demonstrieren.

Zum 13. Mal wird heuer auch im Rahmen der Filmtage der «Prix Pathé» für herausragende filmjournalistische Arbeiten vergeben. Der mit 10.000 Franken dotierte Preis in der Kategorie «Grand Prix» wird dabei an Antoine Duplan, Stéphane Gobbo und Sylvie Bonier von der Tageszeitung «Le Temps» für ihr Dossier zum Jean-Stéphane Brons Dokumentarfilm «L’Opéra de Paris» verliehen.

In der Kategorie «Tout court» geht der Preis an Hans Jürg Zinsli, der die Jury mit seinem Kurztext auf Facebook (13.6. 2017) zum Erscheinen der Xavier-Koller-Collection und den Verweis auf seine Besprechung der DVD-Box in der Berner Zeitung durch sein freies und treffsicheres Assoziieren überzeugte.

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  • À l`école des philosophes (Fernand Melgar)
  • A Long Way Home (Luc Schaedler)
  • Das Leben vor dem Tod (Gregor Frei)
  • Mario (Marcel Gisler)
  • Bis ans Ende der Träume (Wilfried Meichtry)
  • Emma - Il colore nascoto delle cose (Silvio Soldini)
  • Der Klang der Simme (Bernhard Weber)
  • 'Rencontre' mit Christoph Schaub; (c) Peter Hauser
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