Mitternachtsspitzen

21.12.2017 Walter Gasperi

Einer Frau wird per Telefon ihre Ermordung angekündigt und so sukzessive an den Rand eines Nervenzusammenbruchs getrieben. – Bei Koch Media ist David Millers mit Doris Day und Rex Harrison prominent besetzter und solide inszenierter, aber doch sehr durchsichtige Thriller auf DVD und Blu-ray erschienen.


Ein Ausrufezeichen setzt die Pre-Title-Sequenz des 1960 gedrehten Thrillers, wenn Doris Day als Amerikanerin Kit Preston in London in dichtestem Nebel in einem Park von einer mysteriösen Stimme terrorisiert und ihre Ermordung angekündigt wird. - Von Anfang an ist damit klar, in welche Richtung sich «Mitternachtsspitzen» entwickeln wird.

Auch das Schild «Danger» vor der Baustelle vor ihrer Wohnung weist darauf hin, dass sie in Gefahr ist. Ihr Mann (Rex Harrison), ein britischer Konzernchef, kümmert sich fürsorglich um sie, beruhigt sie, indem er die Einschüchterung im Park als einen dummen Scherz abtut. Rasch erholt sie sich so auch vom Schock, doch sukzessive folgen weitere und heftigere Bedrohungen. Da häufen sich nicht nur die Anrufe, sondern bald steht der geheimnisvolle Fremde auch vor Schlafzimmerfenster oder vor der Wohnungstür.

In gewohnter Manier lenkt David Miller in dieser Verfilmung des Bühnenstücks „Matilda Shouted Fire“ den Verdacht auf verschiedene Figuren. Da gibt es im Konzern einen Mitarbeiter der hohe Wettschulden hat ebenso wie einen arbeitsscheuen Sohn der Putzfrau der Prestons, der stets um Geld bettelt, oder den Chef der Baustelle (John Gavin), der in der nahen Kneipe auch die Rechnung für gewisse Telefonate zahlen muss.

Doch so sehr Miller hier falsche Fährten legt, so ist doch von Anfang an ziemlich vorhersehbar, wer wirklich hinter der Tat steckt. Zu oft hat man diesen Plot schon gesehen, nicht nur bei Hitchcock, auf dessen Spuren Miller hier wandelt, sondern auch im Klassiker «Gaslight». Über gewisse logische Ungereimtheiten kann man hinwegsehen, aber zu statisch und uninspiriert bleibt insgesamt die Inszenierung und dem 1992 verstorbenen Amerikaner, dessen Filmographie zwar recht umfangreich ist, aber kaum große Meisterwerke aufweist, gelingt es auch nicht wirklich starke und ambivalente Charaktere zu schaffen.

Tiefgang und einen doppelten Boden sucht man hier vergebens. Wie freilich Doris Day sukzessive in eine psychische Krise an den Rand eines Nervenzusammenbruchs getrieben wird, wie langsam niemand ihren Erzählungen mehr Glauben schenken will ist dennoch recht spannend anzusehen. Das liegt auch daran, dass Miller konsequent aus der Perspektive der Protagonistin erzählt und den Zuschauer so zwingt sich mit ihr zu identifizieren und ihre Ängste, aber auch die zunehmenden Zweifel an ihrer Zurechnungsfähigkeit hautnah miterleben lässt.

An Sprachversionen bieten die bei Koch Media erschienene DVD und Blu-ray die englische Originalfassung, zu der deutsche Untertitel zugeschaltet werden können, sowie die deutsche Synchronfassung. Die Extras umfassen ein Featurette zu den Kostümen, die Doris Day in diesem Film trägt, dessen Titel sich schon auf eines ihrer Kleider bezieht, eine Bildergalerie sowie den originalen und den deutschen Trailer.

Trailer zu «Mitternachtsspitzen»

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