Die Army und die Islamisten

20.11.2017 Kurt Bracharz

Am 12. Oktober soll ein sechs bis sieben Kilometer langer Konvoi von Lastwagen und Bussen aus einem kleinen Ort nahe Rakka aufgebrochen sein, der etwa 4000 Personen in Richtung Südosten in vom «Islamischen Staat» besetztes syrisches Gebiet gebracht habe. Das Bemerkenswerte daran: Die Nutzer dieses Konvois waren Sprengstoffgürtel tragende IS-Kämpfer mit Frauen und Kindern, und ihre Flucht konnte nur nach einem Deal mit den von Kurden geführten «Syrisch Demokratischen Kräften» (SDF) und dem hinter den SDF stehenden US-Militär so problemlos erfolgt sein. Der Transportunternehmer erhielt den Auftrag (ohne Hinweis auf den IS) von den SDF.


Das alles geschah eine Woche vor der in allen Medien gezeigten triumphalen endgültigen «Einnahme» von Rakka durch die SDF. Als schon Mitte Oktober IS-Kämpfer die da doch schon längst eingeschlossene Stadt unbehelligt verlassen konnten, beeilte sich die US-geführte Koalition zu versichern, dass keine ausländischen Kämpfer darunter gewesen seien. Am 12. Oktober wollen Zeugen aber Türken, Franzosen und Jemeniten unter den aus Rakka Flüchtenden gesehen haben.

In Afghanistan hat die CIA lokale Milizen angeworben, die sie für dortige Verhältnisse sehr großzügig bezahlt und denen sie bei ihren Aktionen mehr oder minder freie Hand lässt. Die Khost Protection Force (KPF) in der im östlichen Afghanistan gelegenen Provinz Khost besteht aus dort heimischen Paschtunen, die in der terrorisierten Bevölkerung vermutlich nicht zu Unrecht als eine Truppe von Ex-Kriminellen gilt, weshalb befürchtet wird, dass sie nach einem irgendwann erfolgenden Abzug der Amerikaner wie bis dahin weitermachen wird, also Journalisten und andere Zivilisten festsetzt, foltert und tötet.

Was ist der gemeinsame Nenner solcher Geschehnisse, dass also das US-Militär in Syrien den angeblichen Hauptfeind einfach abziehen lässt, während es in Afghanistan eine eigene Mördertruppe gegen die Taliban finanziert? Vermutlich doch die totale Unfähigkeit Donald Trumps, zumindest was amerikanische Außenpolitik anlangt. Der US-Verteidigungsminister James Mattis hatte im Mai dieses Jahres vermutlich als Sprachrohr seines Präsidenten gesagt: «Unsere Taktik ist mittlerweile die Auslöschung. Wir wollen, dass alle ausländischen IS-Kämpfer nicht überleben und in ihre Heimatländer zurückkehren können. Wir werden ihnen das nicht erlauben.»

Trump hat seither mehrmals gesagt, dass er den Generälen der US-Armee in Syrien mehr freie Hand geben werde, und dass er in Afghanistan die Befugnisse der CIA ausweiten möchte. Der Abzug der Islamisten aus Rakka kann nur vom regionalen US-Oberkommando genehmigt worden sein, und die Kriegs- und Zivilverbrechen der KPF müssen von der CIA gedeckt werden, anders ist es nicht denkbar. In den USA weiß offenbar die Rechte nicht, was die Ultra-Rechte tut. Oder will es nicht wissen.


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