A Tale of Two worlds

12.11.2017

25.11.2017 bis 02.04.2018  Museum für Moderne Kunst

Für eine der größten Ausstellungen in seiner Geschichte kooperiert das MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main mit dem Museo de Arte Moderno de Buenos Aires (MAMBA) in Argentinien. Die Ausstellung «A Tale of Two Worlds. Experimentelle Kunst Lateinamerikas der 1940er-bis 80er- Jahre im Dialog mit der Sammlung des MMK» findet zunächst vom 23. November 2017 bis zum 2. April 2018 im MMK 1 in Frankfurt und anschließend vom 7. Juli bis zum 14. Oktober 2018 im MAMBA in Buenos Aires statt.


Die Ausstellung – gemeinsam kuratiert von Victoria Noorthoorn und Javier Villa, der Direktorin und dem Seniorkurator des Museo de Arte Moderno de Buenos Aires, und MMK-Kurator Klaus Görner – bringt wichtige Arbeiten der Sammlung des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main in einen intensiven und fruchtbaren Dialog mit Schlüsselwerken lateinamerikanischer Kunst. Die Präsentation umfasst 500 Werke aus privaten und öffentlichen Sammlungen von über 100 Künstlern aus Lateinamerika, den USA und Europa und erstreckt sich in Frankfurt am Main über alle Ausstellungsebenen des MMK 1.

Die Ausstellung widmet sich dem Dialog zweier grundverschiedener künstlerischer Strömungen aus fünf Jahrzehnten von den 1940er- bis 80er-Jahren: dem europäisch-nordamerikanischen Kanon – wie in der Sammlung des MMK repräsentiert – und der experimentellen Kunst Lateinamerikas. Der Fokus des Ausstellungskonzeptes liegt dabei auf dem wechselseitigen Austausch. Konzipiert wurde das Projekt, das vor allem einen lateinamerikanischen Blick auf die Kunst wirft, über die letzten eineinhalb Jahre hinweg in enger Zusammenarbeit der Museen aus Buenos Aires und Frankfurt. Noch nie zuvor wurden Kuratoren lateinamerikanischer Kunst in einem solchen Umfang dazu eingeladen, die Sammlung eines europäischen Museums zu hinterfragen und neu zu bewerten. Mit dem Projekt folgt das MMK der Initiative der Kulturstiftung des Bundes, die bedeutende Museen Deutschlands einlädt, ihre Sammlungen in eine globale Perspektive zu rücken.

Bereits seit mehreren Jahren öffnet sich das MMK in seinem Ausstellungsprogramm und seiner Sammlungspolitik nicht-westlichen Perspektiven der internationalen Gegenwartskunst und untersucht kritisch die veränderten sozio-politischen Bedingungen unter denen Kunst in einer globalisierten Welt entsteht. Das Schwerpunktthema der Kulturstiftung des Bundes trifft somit die Vision des Museums. Die miteinander verwobenen Perspektiven zweier Kontinente und Kulturen, die in «A Tale of Two Worlds» deutlich werden, geben dem MMK die Möglichkeit, die eigene Sammlung in einem völlig neuen Licht zu sehen. Obwohl die ausgestellten Werke unter unterschiedlichsten politischen, wirtschaftlichen und historischen Bedingungen entstanden sind, offenbart die Ausstellung beachtliche Parallelen in den Entwicklungen, Kreuzungspunkten und inneren Widersprüchen.

Während die europäischen und nordamerikanischen Arbeiten aus der Sammlung des MMK den 1960er- und 70er-Jahren entstammen, umfasst die in «A Tale of Two Worlds» präsentierte Kunst Lateinamerikas einen längeren Zeitraum: die ältesten Werke entstanden 1944, in jenem Jahr, in dem Anhänger der Konkreten Kunst in Argentinien erstmals eine Ausstellung organisierten; die jüngsten Werke stammen aus den späten 1980er-Jahren, die das Ende der letzten Militärdiktaturen Lateinamerikas markierten. Mit der Gegenüberstellung zahlreicher Avantgarde-Werke lateinamerikanischer, europäischer und US-amerikanischer Künstler wird der Versuch unternommen, den Wendepunkt zwischen moderner und zeitgenössischer Kunst festzumachen. In den Fokus rücken dabei vor allem die treibenden Kräfte hinter diesem Wandel, welcher das Ende der Ära der Moderne einläutete.

Gegenseitige Sympathien, gemeinsame Interessen und intellektuelle Verbindungen unter Künstlern aus verschiedenen Teilen der Welt werden ebenso beleuchtet wie Herausforderungen und Spannungen, die der kulturelle Austausch zwischen Regionen mit unterschiedlichsten geschichtlichen Hintergründen mit sich bringt. Von entscheidender Bedeutung für das Projekt ist die enge Zusammenarbeit zwischen den Kuratoren des MAMBA und des MMK: beide Einrichtungen lassen es zu, dass ihre bisherige Kunstanschauung neu bewertet wird und ihre Sammlungen dadurch noch nie gehörte Geschichten erzählen. Dieser Prozess ermöglicht es den Museen, ihre inhaltliche Positionierung und Sammlungstraditionen sowie die jüngere Kunstgeschichte selbst neu zu überdenken.

In den 1940er-Jahren entwickelte sich die Konkrete Kunst zum zentralen Genre der experimentellen Kunstwelt Lateinamerikas. Künstler in Buenos Aires und Montevideo machten es sich zur Aufgabe, die Grenzen des rein Repräsentativen und der traditionellen Malerei zu überschreiten. Ungewöhnliche Bilderrahmen – Vorboten der sogenannten Shaped Canvas –, welche die Bilder in einen neuen Zusammenhang mit der Umgebung setzten, und Skulpturen, die sich durch eine besondere Dynamik ausgehend vom Blick des Betrachters auszeichneten, sind Meilensteine des Übergangs von moderner zu zeitgenössischer Kunst. Progressives Gedankengut verbreitete sich in zahlreichen Städten des Kontinents und bewirkte in der Kunstwelt einen gewaltigen Umbruch. Dieses avantgardistische Gedankengut bezog sich nicht nur auf die Rolle des Künstlers in der Gesellschaft und das Vermögen der Kunst, diese zu verändern, sondern entsprang den realen gesellschaftlichen Umständen zu Zeiten politischer Spannungen und Konflikte.

Ziel der Ausstellung ist es auch, eine Debatte über die Antworten der Künstler auf verschiedene sozio-politische Verhältnisse in ihren Heimatländern zu eröffnen. Gerade angesichts der turbulenten politischen Vergangenheit Lateinamerikas – mitjahrzehntelangen wirtschaftlichen Krisen, Kolonialismus, Diktaturen, Machtmissbrauch, Zensur und Rassendiskriminierung – sahen sich viele Künstler gezwungen ihre eigene Weltsicht energisch zum Ausdruck zu bringen. An der bewegten Geschichte Lateinamerikas ist auch dessen Kunstwelt gewachsen, die auf eine lange Tradition des Umgangs mit politischen Krisen zurückblicken kann. Das Ergebnis ist eine kluge und sehr reife Kunst, die politisch aufgeladene Statements nicht mit authentischer künstlerischer Arbeit verwechselt.

Über die Jahre hinweg, insbesondere in den fünf in der Ausstellung behandelten Jahrzehnten, hat der wechselseitige Austausch zwischen europäischer und lateinamerikanischer Kunst sich immer wieder stark verändert. Im frühen 20. Jahrhundert, das die Ausstellung nicht abdeckt, entwickelte sich die experimentelle Kunst in Lateinamerika zunächst als Antwort auf die europäische Avantgarde. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges jedoch endeten die Bildungsreisen nach Europa. Stattdessen konzentrierten sich Künstler nun auf ihre eigene Herkunft und entwarfen Utopien, die auf einem geistigen Austausch zwischen den beiden Regionen, vor allem aber auf Recherchen über die intellektuellen Kreise der jeweiligen Kulturzentren beruhten. Während der 1940er- und 50er-Jahre reisten einige wenige europäische Künstler nach Lateinamerika. Dort ließen sie sich von neuen experimentellen Ansätzen inspirieren oder fanden im Süden fruchtbaren Boden für die Neuentdeckung einer Poetik, die in den Schrecken des Krieges verlorengegangen war.

In der Nachkriegszeit, als die experimentelle Kunst in den USA und in Europa an Bedeutung zurückgewann und den Künstlern die Welt wieder offen stand, konnte ein wesentlich reicherer und komplexerer Austausch stattfinden. Die Motivationen für diese Reisen waren dabei verschieden. Manche besuchten fremde Länder, um sich intellektuell zu bereichern, andere aus praktischer Notwendigkeit. Wiederum andere Künstler waren aufgrund der politischen Bedingungen in ihren Heimatländern – der zahlreichen lateinamerikanischen Diktaturen in den 1960er- und 70er-Jahren – zur Flucht ins Ausland gezwungen. «A Tale of Two Worlds» verfolgt keinen enzyklopädischen Ansatz, denn den Übergang von moderner zu zeitgenössischer Kunst Lateinamerikas umfassend zu dokumentieren, wäre nicht möglich. Vielmehr sollen die Fragen, die von ausgewählten Arbeiten aus der Sammlung des MMK ausgehen, einen Dialog eröffnen. Indem die Kunstwerke aus einem ungewohnten Blickwinkel betrachtet werden, kann jedes einzelne Werk die Geschichte einer Kunstform erzählen, deren wahre Komplexität noch immer im Dunkeln liegt.


A Tale of Two worlds
Experimentelle Kunst Lateinamerikas der 1940er- bis
80er-Jahre im Dialog mit der Sammlung des MMK
25. November 2017 bis 2. April 2018
Eröffnung: Fr 24. November 17, 20 Uhr

Museum für Moderne Kunst
Domstraße 10
D-60311 Frankfurt am Main
T: 0049 (0)69 212 304 47
F: 0049 (0)69 212 378 82
E: mmk@stadt-frankfurt.de
W: http://www.mmk-frankfurt.de


Öffnungszeiten

Dienstag 10 – 18 Uhr
Mittwoch 10 – 20 Uhr
Do bis So 10 – 18 Uhr
Montag geschlossen

 


  • Antonio Caro: Colombia, 1976/2010. © The artist, Daros Latinamerica Collection, Zürich; Courtesy: Galeria Casas Riegner, Bogotá
  • Roy Lichtenstein: Yellow and Green Brushstrokes, 1966. © The Estate of Roy Lichtenstein/ VG Bild-Kunst, Bonn 2017; Foto: Axel Schneider
  • Beatriz González: Mutis por el foro (cama), 1973. © The artist, The Museum of Fine Arts, Houston, Texas
  • Cildo Meireles: Coca Cola, 1970. © The artist, Daros Latinamerica Collection, Zürich; Foto: Dominique Uldry, Bern
  • Francis Bacon: Nude, 1960. © The Estate of Francis Bacon; All rights reserved/ VG Bild-Kunst, Bonn 2017. Foto: Axel Schneider
  • Lucio Fontana: Concetto spaziale, Attese, 1958-1960. © Lucio Fontana by SIAE / VG Bild-Kunst, Bonn 2017
  • Adolfo Bernal: Teach Me How, Ed. of 2, 1987. Casas Riegner Gallery, Bogotá, Colombia; Courtesy of the Bernal Henao Family and Casas Riegner
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D-60311 Frankfurt am Main
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