God´s Own Country

07.11.2017 Walter Gasperi

Francis Lee erzählt in seinem Spielfilmdebüt nicht nur von einer schwulen Liebe auf einem abgelegenen Bauernhof im nordenglischen Yorkshire, sondern auch von einer Selbstfindung und der Härte der Landarbeit. Das leise Drama besticht durch sein sorgfältig aufgebautes Drehbuch, zurückhaltende Inszenierung, natürliche Schauspieler und hervorragende Kameraarbeit.


Seit sein Vater (Ian Hart) einen Schlaganfall hatte, muss der junge Johnny (Josh O’Connor) beinahe alle Arbeiten auf dem Bauernhof alleine verrichten. Die Mutter ist schon vor Jahren aus der rauen Gegend in die Stadt geflohen, allein mit der Großmutter (Gemma Jones) leben Vater und Sohn auf dem Hof.

Wie und was jeweils zu tun ist, gibt aber immer noch der Vater vor. Zutiefst unglücklich ist Johnny mit seiner Situation, denn erstens würde er gerne viele Dinge anders machen und seinen eigenen Weg gehen und zweitens kann er auch seine homosexuelle Neigung nur heimlich in kurzen Abenteuern in der nahen Stadt ausleben.

So rau wie die von Joshua James Richards Kamera in kalte Blau- und Grautöne getauchte kahle spätwinterliche Landschaft ist, so verschlossen, wortkarg und unfähig ihre Gefühle auszudrücken sind hier auch die Menschen. Wie sehr John in seinem Denken gefangen ist, machen auch die nahen Einstellungen deutlich, die ein Gefühl der Beklemmung erzeugen, gleichzeitig entwickelt «God´s Own Country» in den Blicken, im langsamen Streichen einer Hand über den Rücken einer Kuh oder im insistierenden Fokussieren auf Johnnys nacktem Oberkörper auch große Sinnlichkeit, lässt die Sehnsucht nach Berührung und Nähe spüren.

Zu Johnnys Entlastung stellt der Vater – selbstverständlich ohne seinen Sohn zu fragen - einen rumänischen Saisonarbeiter (Alec Secareanu) ein. Reagiert Johnny auf diesen zunächst sehr ablehnend, so merkt Georghe doch bald, dass sein Gegenüber mit seinem rassistischen und homophoben Verhalten nur über seine eigentliche Neigung hinwegtäuschen will.

Zwei von Josh O´Connor und Alec Secareanu einfühlsam gespielte gegensätzliche Männer treffen hier aufeinander. Denn während Johnny roh und impulsiv agiert, auch kein Gefühl für die Tiere kennt, zeigt sich Georghe einfühlsam und kümmert sich liebevoll um die Schafe.

Als sie einige Tage auf abgelegenen Feldern Zäune errichten und sich um die Schafe kümmern müssen, bricht bald ein heftiger Kampf aus und sie wühlen sich im Dreck. Langsam geht aber das Ringen in Umarmungen über, entwickelt sich aus dem Kampf ein Liebesspiel.

Beim schnellen Sex bleibt es nun nicht, sondern es entwickelt sich eine innige Beziehung. Deshalb ist Georghe auch bereit länger als ursprünglich geplant zu bleiben, als Johnnys Vater einen zweiten Schlaganfall erleidet. Doch Johnny setzt dieses Glück wenig später aufs Spiel.

Zurückhaltend inszeniert Francis Lee, der selbst auf einem Bauernhof in Yorkshire aufgewachsen ist, diese schwule Liebesgeschichte, die durch Landschaft und bäuerliches Milieu an Ang Lees «Brokeback Mountain» erinnert. Viel Zeit lässt er sich für die Schilderung der alltäglichen Arbeit auf dem Bauernhof. Sparsam, aber umso wirkungsvoller setzt er Musik ein, schafft mit Naturgeräuschen wie dem Heulen des Winds eine dichte Atmosphäre und kann auf ein sorgfältig aufgebautes Drehbuch, das nur gegen Ende hin zu kurzatmig wird, und die vier ungemein natürlich agierenden Hauptdarsteller vertrauen.

Entscheidend zum Gelingen dieses herben, in der realistischen Schilderung der bäuerlichen Welt geerdeten Dramas trägt aber auch die großartige Kameraarbeit von Joshua James Richards bei. Meisterhaft überträgt er die innere Befreiung Johns auf die visuelle Ebene, wenn er mit Beginn der Liebesgeschichte auch vermehrt weitere Einstellungen verwendet, auch den Zuschauer bei Totalen durchatmen lässt. Im Kontrast zum kalten Licht des Beginns taucht er auch die unverkrampft inszenierten Liebesszenen in warmes goldenes Licht und langsam auch die Vegetation zum Blühen kommt.

Dabei wird nicht nur eine Liebesgeschichte, sondern auch eine Entwicklungsgeschichte erzählt, wenn John mit der Liebe auch wächst, und nicht nur Verantwortung zu übernehmen und eine neue Beziehung zu seinem behinderten Vater zu entwickeln, sondern auch seinen eigenen Weg zu gehen lernt.

Und beiläufig ist das auch ein Kommentar zur Krise der Landwirtschaft in Europa, spricht Landflucht an und macht im Finale mit der Kontrastierung mit einem industriellen landwirtschaftlichen Großbetrieb in Rumänien auch die Qualität eines eigenes Hofes sichtbar, auf dem man kein von der Arbeit entfremdeter Lohnarbeiter ist, sondern noch einen Bezug zu seiner Arbeit und seinen Tieren hat.

Spielboden Dornbirn: Fr 10.11. + Sa 18.11. - jeweils 19.30 Uhr (engl. O.m.U.)
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Do 23.11., 20 Uhr + Sa 25.11., 22 Uhr (engl. O.m.U.)
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Trailer zu «God´s Own Country»

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