dis/order. Kunst und Aktivismus in Russland seit 2000

13.11.2017

17.11.2017 bis 18.02.2018  Ludwig Forum für Internationale Kunst

2018 sind Präsidentschaftswahlen in Russland. Wladimir Putin wird dann mit hoher Wahrscheinlichkeit seine vierte Amtszeit als Anführer einer «gelenkten Demokratie» – so nennt es die russische Präsidialadministration – antreten. Wie hat sich die Kunst, insbesondere die sozial und politisch engagierte Kunst, seit Putin entwickelt? Welchen Einfluss nimmt die «gelenkte Demokratie» auf die Künstler*innen? Mit diesen Fragen setzt sich das Ludwig Forum für Internationale Kunst in der Ausstellung «dis/order. Kunst und Aktivismus in Russland seit 2000» auseinander.


Zeitlich eingerahmt vom hundertsten Jahrestag der Oktoberrevolution und den Präsidentschaftswahlen in Russland im März 2018 blickt das Ludwig Forum für Internationale Kunst auf Situationen und Formen des Politischen in der zeitgenössischen Kunst Russlands. Im Gegensatz zu den 1990er-Jahren ist die Zeit seit dem ersten Amtsantritt Wladimir Putins im Jahr 2000 durch einen wachsenden staatlichen Druck auf sozial und politisch engagierte Kunst geprägt. Viele der zumeist in den 1980er-Jahren geborenen KünstlerInnen der Post-Perestroika-Generation entwickelten unterschiedliche Strategien des künstlerischen Widerstandes gegen die Repressionen der «gelenkten Demokratie». Ihre Handlungsfelder sind hierbei insbesondere der öffentliche Raum und das Internet. Die Bandbreite der künstlerischen Aktivitäten reicht von kritischen Gesellschaftsanalysen über politische Aktionen, die in einer evidenten Nähe zum politischen Aktivismus oppositioneller Bewegungen stehen, bis hin zu gesellschaftspolitischen Utopien, die zum Beispiel eine Aktualisierung kommunistischer Ideen diskutieren.

Die Ausstellung ist einerseits chronologisch und andererseits nach Aspekten aufgebaut, die bestimmte künstlerische Arbeiten und Aktivitäten kontextualisieren. Stichwortgebend sind zum Beispiel das Erbe des Kommunismus, Anarchismus und Punk-Kultur, Feminismus und Stereotypen sowie die Unterstützung von Migranten und Minderheiten in Russland. Hierbei stellt sich stets die Frage nach den Grenzen zwischen Kunst und Aktivismus – nach ihren Strategien und Bewegungen. Die Präsentation der künstlerischen und aktivistischen Positionen wird durch Zeitdokumente ergänzt, die beispielsweise die Geschichte der zensierten Ausstellungen «Achtung, Religion!» (2003) und «Verbotene Kunst» (2007) nacherzählen. Daneben veranschaulicht ein Zeitstrahl die wichtigen politischen und künstlerisch-aktivistischen Ereignisse von 2000 bis heute veranschaulicht.

Künstler*innen der Ausstellung: Blue Noses, Bombily, Chto Delat, FFC (The Factory of Found Clothes), Gluklya (Natalia Perschina-Jakimanskaja), Gogol’s Wives, Olga Jitlina, Alisa Joffe, Alexej Jorsch, Maria Kiseljewa, Viktoria Lomasko, Artjom Loskutow, MediaImpact, Denis Mustafin/Wlad Tschischenkow/Georgi Dorochow, Nadenka Creative Association, Katrin Nenaschewa, Anatoli Osmolowski/Nongovernmental Control Commission, Partizaning, PG Group, Pussy Riot, Queer-Feminist Affinity Art Group „Unwanted Organisation“, #quietprotest, Radek Community, Timofei Radia, Polina Rodrigues, Sweta Shuwajewa, Shvemy Sewing Cooperative, The Trade Union of the Street Artists, Tsvetafor, Urbanfeminism, Woina/Moskau, ZIP Group.


Zur Ausstellung erscheint eine Publikation (ca. 320 Seiten, dt./engl./russ.) mit zahlreichen Abbildungen und Beiträgen von Ilmira Bolotyan (Künstlerin, Kuratorin und Autorin aus Moskau), Lena Jonson (Professorin für Politologie an der Universität Göteborg und Senior Associate Research Fellow und Vorsitzende des Russland-Programms am Swedish Institute of International Affairs in Stockholm), Anna Zaitseva (Soziologin an der Sorbonne in Paris), Yevgenia Zubchenko (Journalistin aus Moskau) und Tatiana Volkova und Holger Otten (KuratorInnen der Ausstellung aus Moskau und Aachen), die im Frühjahr 2018 im Goethe-Institut St. Petersburg präsentiert wird.

dis/order. Kunst und Aktivismus in Russland seit 2000
17. November 2017 bis 18. Februar 2018
Eröffnung: Do 16. November 2017, 19 Uhr

Ludwig Forum für Internationale Kunst
Jülicher Straße 97-109
D-52070 Aachen
T: 0049 (0)241 1807-104
F: 0049 (0)241 1807-101
E: info@ludwigforum.de
W: http://www.ludwigforum.de


Öffnungszeiten

Di bis So & Fe 10 - 17 Uhr
Donnerstag 10 - 20 Uhr
Mo geschlossen

 


  • Katrin Nenasheva: Zwischen hier und dort, Performance, Moskau, Juli 2017; courtesy the artist, Foto: Natalya Budantseva. Text: '#Russland'
  • Artem Loskutov / Maria Kiselyeva: Die wunderbare Entdeckung der Pussy Riot Ikone. C-print (120 x 180 cm) in Leuchtkästen in Novosibirsk, 1. März 2012; © courtesy the artists, Foto: courtesy the artists
  • Blue Noses: Küssende Ballerinen, (aus der Serie Eine Epoche der Gnade), 2005. C-print; Foto: courtesy the artist
  • Blue Noses: Küssende Polizisten, (aus der Serie Eine Epoche der Gnade), 2005. C-print; Foto: courtesy the artist
  • Katrin Nenasheva: Zwischen hier und dort, Performance, Moskau, Juli 2017; courtesy the artist, Foto: Natalya Budantseva
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