Well done, Well!

18.10.2017 Rosemarie Schmitt

«Die Musik drückt aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.» Dieses Zitat von Victor Hugo haben Sie sicherlich häufig gelesen. Ich auch. Und ich habe es mir angehört. Habe mir angehört, was genau er damit meinte.


Die Sprache der Musik würde auf der ganzen Welt verstanden, so heisst es. Dem stimme ich zu. Doch stellt sich mir, oder stelle ich mir die Frage, weshalb klingt die Musik, die man zu Begräbnissen spielt, mancherlands so fröhlich? Freuen sich die Hinterbliebenen etwa? Nein! Selbstverständlich tun sie das nicht. Im Koran beispielsweise, ist es unerwünscht zu klagen oder zu weinen, da dies als eine Belastung für die Toten empfunden wird. Dies, und wo die Weiber klagen, jammern, tanzen oder singen, können Sie in dem aufschlussreichen, informativen und interessanten Booklet der CD lesen, von der ich Ihnen heute berichte. Ich möchte Ihnen diese Aufnahme an’s Herz legen, im wahren Sinne des Wortes. Und wenn Sie ein Herz haben, wird es sich nicht vermeiden lassen.

Er könnte der alten, von vielen vergessenen, Zunft der Trauergeiger angehören. Dabei ist er ein sehr fröhlicher junger Mann, der 24-jährige Matthias Well. Ganz besonders fröhlich war er sicherlich in Anbetracht der Tatsache, dass ihm in diesem Jahr der Fanny Mendelssohn Förderpreis verliehen wurde!

Es gibt Tausende gute Geiger. Tausende, die technisch brillant die schwierigsten Kompositionen abzuliefern in der Lage sind. Doch nicht jene sind es, die gerne gehört, deren Interpretationen geliebt und ausgezeichnet werden. Es sind Musiker, wie Matthias Weill, die mit Gefühl und Brillanz überzeugen.

Seine Debüt-CD «Funeralissimo» erschien am 1. September auf dem Label Genuin. Die Aufnahme fand unter Mitwirkung seiner Schwester Maria Well am Cello und dem Akkordeonisten Zdravko Živković statt.

Die Geigerin Julia Fischer zollt ihrem musikalischen Patenkind Matthias Well, im Vorwort zu seiner Debüt-CD Tribut: Sie schreibt von seiner Fröhlichkeit, seiner musikalischen Ernsthaftigkeit und seinem Forschergeist. Alles Züge, die Wells CD «Funeralissimo» von der ersten bis zur letzten Minute atmet. Und es ist eine CD, die vom Versiegen des Atems erzählt, versammelt sie doch Trauermusik aller Zeiten und Kontinente. Musik, die sich stets am Rande des Unsagbaren, Unspielbaren, Unbegreiflichen befindet – und deshalb so voller Leben herüberkommt. Eine CD, die sich in jeder Beziehung außerhalb aller Normen dreht – unbedingt hörenswert!

Das sehe, nein, das höre und empfinde ich auch! Well done, Well!! Very Well!

Herzlichst,
Ihre Rosemarie Schmitt

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