Thief - Der Einzelgänger

16.11.2017 Walter Gasperi

Michael Mann folgt in seinem 1981 entstandenen ersten Kinofilm den Wegen eines perfekt organisierten Tresorknackers. Der schlackenlose, visuell brillante Neo-Noir ist bei Koch Media in digital restaurierter Fassung einerseits auf einer einzelnen Blu-ray, andererseits in einer Ultimate Edition auf zwei Blu-rays und drei DVDs mit zahlreichen Extras erschienen.


Michael Mann, der zumindest mit «Heat» und «Insider» zwei große Filme des US-Kinos der 1990er und 2000er Jahre schuf und mit «Miami Vice» in den 1980er Jahren eine stilbildende Krimiserie produzierte, bewies schon in seinem ersten, kommerziell wenig erfolgreichen Kinofilm, welch großer Stilist er ist.

Furios ist schon der Auftakt mit einer Autofahrt durch eine verregnete nächtliche Stadt und einem minutiös geschilderten Einbruch, bei dessen Inszenierung sich Mann auf Informationen von realen Einbrechern stützte. Sieben Minuten fällt kaum ein Wort, zum treibenden Elektro-Score von Tangerine Dream lässt Mann das Publikum einem Profi bei der Arbeit zuschauen und präsentiert sich dabei freilich gleichzeitig selbst auch als Profi.

Nach elfjähriger Gefängnisstrafe führt Frank (James Caan) – einen Nachnamen wird er nie bekommen – nach außen hin ein bürgerliches Leben als Gebrauchtwagenhändler, lebt in Wahrheit aber von seinen perfekt geplanten und mit höchster Professionalität ausgeführten Einbrüchen. Nur Rohdiamanten und Bargeld nimmt er dabei mit, lässt Schmuck und geschliffene Steine ebenso zurück wie Wertpapiere.

Unterstützt wird er von zwei Kumpeln, die Ware verkauft wird über einen Hehler. Unabhängig will er arbeiten, will nicht im Dienste eines großen Gangsters stehen, geht dann aber doch auf ein Angebot ein. Als väterlicher Freund gibt sich dieser Gangsterboss zunächst, kümmert sich um Frank und seine Wünsche, doch kommt es zum Konflikt, als er sich nicht mehr an die von Frank diktierten Vereinbarungen halten will.

Erst nach rund 100 Minuten wird so Blut fließen, wird es zu einem Showdown kommen, bei dem Mann auch die Zeitlupe im Stil eines Sam Peckinpah einsetzt. Bis dahin verzichtet der 1943 geborene Regisseur aber auf jede Gewalt, beschränkt sich darauf dem von James Caan wunderbar kühl gespielten Profi-Einbrecher zu folgen.

Ein meisterhaftes Spiel mit Licht und Farben entwickelt Mann dabei bei diesem dunklen Nacht-Film, zeigt Frank nicht nur als Profi, sondern auch als einen Mann, der einerseits alles tut, um das zu bekommen, was er will, wenn er recht rüde das Herz der Bedienung Jessie (Tuesday Weld) erobert, andererseits auch alles gibt, um einem langjährigen Gefängnisfreund (Willie Nelson) den letzten Wunsch zu erfüllen.

Dünn ist im Grunde die Handlung, doch die visuelle und musikalische Brillanz, das Charisma von James Caan, und die schlackenlose Inszenierung halten die Spannung hoch. Nach dem ersten Coup kommt es erst nach knapp 90 Minuten zu einem zweiten Einbruch, der wiederum nahezu wortlos abläuft und bei dem sich wiederum die perfekte Planung und die Professionalität Franks zeigen, wenn nun anstelle eines Bohrers Schweißgeräte eingesetzt werden, um ans Ziel zu kommen.

An Sprachversionen bietet die bei Koch Media erschienene Blu-ray die englische Originalfassung, zu der deutsche Untertitel zugeschaltet werden können, sowie die deutsche Synchronfassung. Die Extras umfassen sehr informative Audiokommentare des deutschen Filmwissenschaftlers Marcus Stiglegger sowie von Michael Mann und James Caan sowie ein Interview mit James Caan und den Trailer zum Film.

Bei der Ultimate Edition kommen dazu noch der Hauptfilm in drei verschiedenen Versionen (originale Kinofassung, überarbeiteter Director´s Cut sowie «Special Dicrector´s Edition») sowie die isolierte Musik- und Effektspur der Kinofassung, eine Dokumenation über Michael Mann, ein Featurette über James Caan, eine ausführliche Analyse des Films durch den Schriftsteller und Kritiker F. X. Feeney und ein Booklet mit einem Essay von Marcus Stiglegger.

Trailer zu «Thief - Der Einzelgänger»

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