Der Garten des Bösen - Garden of Evil

02.11.2017 Walter Gasperi

Vier Abenteurer brechen mit einer Frau auf, um ihren Mann zu retten, der in einer abgelegenen Gegend in einer Goldmine verschüttet wurde. – Henry Hathaways 1954 gedrehter Western, bei dem statt Action gruppendynamische Prozesse und das Spannungsfeld von Goldgier und Einsatz für den Mitmenschen im Mittelpunkt stehen, ist bei Koch Media als 50. Titel der Edition Western-Legenden auf DVD und Blu-ray erschienen.


Am Beginn des in prächtigen Farben und Cinemascope-Format präsentierten Western steht ein Sonnenuntergang vor weiter Landschaft. Am Ende wird «Der Garten des Bösen» zu diesem Bild zurückkehren, wird es auch zur Metapher fürs tägliche Sterben von Menschen machen.

Ungewöhnlich für einen Western setzt die Handlung aber mit der Landung eines Schiffes an einem mexikanischen Strand ein. Wegen Maschinenschadens sind die Abenteurer Hooker (Gary Cooper), Fiske (Richard Widmark) und Luke Daly (Cameron Mitchell) auf ihrem Weg nach Kalifornien, wohin sie der Goldrausch lockt, zu diesem Zwischenstopp gezwungen.

Im Kaff an der Küste wollen sie sich in einer Bar die Zeit vertreiben, doch bald betritt die Amerikanerin Leah (Susan Hayward) die Bühne und bietet eine stolze Summe für die, die sie in eine abgelegene Region begleiten, wo ihr Mann in einer Goldmine verschüttet wurde. Von den Mexikanern, die sich vor den Indianern in diesem Gebiet fürchten, will nur einer mitkommen, dagegen nehmen die drei US-Amerikaner kurz entschlossen das Angebot an.

Praktisch nur aus dem Ritt über einen schmalen Felspfad und durch weite Prärie zu der zwischen der Lava eines Vulkanausbruchs gelegenen Goldmine, der Befreiung des Mannes und dem von Indianerangriffen bedrohten Rückweg besteht der Film.

Viel Zeit lässt sich Hathaway schon für den Hinweg, lässt Action außen vor, blickt dafür auf die gruppendynamischen Prozesse, auf das gegenseitige Misstrauen und die unterschiedlichen Charaktere von der schwer durchschaubaren Frau über den stoischen und wortkargen Westerner Hooker und den Glücksritter Fiske bis zum unbesonnenen und hitzköpfigen jungen Luke.

Auf zunächst fünf und mit der Rettung von Leahs Mann auf sechs Figuren konzentriert sich Hathaway somit. Beinahe nichts erfährt man aber über ihre Vorgeschichte, einzig Hooker erwähnt beiläufig, dass er einmal Sheriff war. Ganz im Hier und Jetzt spielt der Film.

Sukzessive deckt Hathaway zunächst die Gier nach Gold als Triebfeder menschlichen Handels auf, um dann angesichts der äußeren Bedrohung durch die Indianer hinter diesem Egoismus doch den Einsatz für den Mitmenschen und geradezu obsessive Lust sich für den anderen zu opfern in den Mittelpunkt zu rücken.

Souverän erzählt der Hollywood-Routinier, unterstützt von einem hervorragenden Ensemble, diese Geschichte, packt unaufdringlich in die schnörkellos und stringent erzählte konkrete äußere Handlung die Erkundung der menschlichen Psyche. Perfekt eingebettet ist der fast zur Gänze in offener Landschaft spielende Film dabei auch in die von Milton Krasners Kamera prächtig eingefangene Landschaft.

Auch der starke Soundtrack von Bernard Herrmann trägt zur Spannung und atmosphärischen Dichte bei. Einzig der Ton schwächelt bei dieser DVD-Edition bei einigen Dialogen etwas und trübt den starken Gesamteindruck des doch schon 63 Jahre alten Films geringfügig.

An Sprachversionen bieten die bei Koch Media als 50. Titel der Edition Western-Legenden erschienene DVD und Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie englische Untertitel. Erfreulich umfangreich sind die Extras, zu denen neben dem Trailer Featurettes zu Henry Hathaways Karriere und zu Susan Hayward, sowie einem Making of und dem Musiktrack vor allem der Audiokommentar gehört.

Trailer zu «Der Garten des Bösen»

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