Wie die Nachtkerzen Licht in die Sache und die Kunst bringen

02.09.2017

«Nachtkerzen» nennt Christian Ruschitzka sein neuestes künstlerisches Projekt im burgenländischen Oberdrosen. Die Idee dazu entstand auf einer seiner zahlreichen forschenden Entdeckungsreisen in Palermo in der furchterregenden Finsternis der Nacht, dort wo gezahlt wird, wenn man keine Angst haben will. In Oberdrosen – der Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens – gehen, wie auch in anderen Städten und Gemeinden in der Nacht die Lichter aus. Die Straßenlaternen werden um 23.00 Uhr abgedreht, wiewohl es in Oberdosen eine der wenigen Elektrizitätsgenossenschaften gibt. Nur dann, wenn der Mond bei klarem Himmel scheint, findet man seinen Weg im Dunkeln, aber das ist einfach zu selten.


«Nachtkerzen» soll hier Abhilfe schaffen: An vier Stellen, der in Oberdrosen bestehenden Ortsbeleuchtung, werden Münzautomaten, die gleich einer Samenkapsel der Nachtkerze ist, montiert. Gegen ein geringes Entgelt etwa 50 Cent oder 1 EUR kann man auf dem Weg nach Hause, bei dem kleinen Geschäft, beim Kühlhaus, bei der Feuerwehr oder beim Atelier von Christian Ruschitzka für einige Minuten be- und erleuchtet werden. Wie bei den «Nachtkerzen», bei denen sich die Blüten innerhalb weniger Minuten in einer fließenden Bewegung öffnen, erhellen die Nachtkerzen für kurze Zeit die Umgebung und gegen einen kleinen Obulus lässt sich die Angst vor dem Dunklen beenden.

Christian Ruschitzka ist bekannt für ortsbezogene Installationen und Objekte, die mit intellektuellem Witz und Ironie künstlerisch umgesetzt werden. Die Verdichtung und die Reduktion sind seine Leitprinzipien, die seine zahlreichen Arbeiten bestimmen. Durch seine künstlerischen Interventionen im öffentlichen Raum, wie Ruschitzka es hier wieder mit Nachtkerzen zeigt, erlangen somit unmittelbar integrative Bedeutung. Der Raum der Kunst ist ein Raum des Alltags, ein Ort in dem rund 220 Menschen leben und auch Gäste und Interessierte vorbeikommen.

Der Zugang der Ortsbevölkerung zur Kunst ist durch die Mitarbeit beim Projekt ohne Befremdung einem anderen Denken gegenüber möglich.
Integration nicht Ausschluss, lautet die Devise. Die Arbeit wird mitten im Ort und nicht in einem «white cube» gezeig und bleibt auch in der Gemeinschaft.

Intervention und Irritation bzw. Manipulation, wie es bei den mechnanischen Landschaften ideal ist. «Bagniusi u pizzu» ist im süditalienischen für Schutzgeld der Mafia und es bezeichnet bildlich ironisch soetwas wie den Schnabel eintauchen, (ein bisschen mitschneiden).

Christian Ruschitzka: Nachtkerzen
Oberdrosen (Burgenland)
2. September, 20-23 Uhr

artCore

Verein zur Förderung von
Online-Kulturberichterstattung
und Kunstpräsentationen im Internet

Kontakt

Schendlinger Straße 2, A-6900 Bregenz
T +43 (0)5574 85362
info@kultur-online.net

Kultur-Online Schweiz
T +41 (0)79 437 79 33
kapi@kultur-online.net

©artCore 2001-2016. Alle Rechte vorbehalten. Nutzung ausschließlich für den privaten Eigenbedarf. Eine Weiterverwendung und Reproduktion über den persönlichen Gebrauch hinaus ist nicht gestattet.