Unternehmen Capricorn

05.10.2017 Walter Gasperi

Um weiterhin finanziert zu werden, täuscht die NASA einen bemannten Flug zum Mars vor, in Wahrheit spielen die Astronauten die Marslandung aber in einem Filmstudio nach. Als aber die Kapsel beim Rückflug beim Eintritt in die Atmosphäre verglüht, sollen auch die Astronauten beseitigt werden. - Peter Hyams packender Paranoia-Thriller ist bei Koch Media in einem edlen Steelbook auf Blu-ray erschienen.


Zahlreich sind die Verschwörungstheorien, dass die US-Mondlandungen zwischen 1969 und 1972 nie stattgefunden hätten, sondern nur in einem Filmstudio inszeniert worden seien. Peter Hyams bezieht sich in seinem 1977 entstandenen Thriller nicht auf die historischen Ereignisse, meint mit seiner fiktiven Story über eine Marslandung aber selbstverständlich auch den damals acht Jahre zurückliegenden ersten bemannten Flug zum Mond.

Unmittelbar mit dem Countdown setzt «Unternehmen Capricorn» ein. Ein NASA-Kommentator berichtet aus dem Off über die letzten Vorbereitungen, das Publikum versammelt sich auf den Tribünen, die Rakete ist startklar, die drei Astronauten kriechen in die Kapsel. Wenige Minuten vor dem Start wird die Luke aber wieder geöffnet, die Besatzung zum Aussteigen gedrängt, heimlich per Flugzeug zu einem verlassenen Militärstützpunkt in der Wüste geflogen.

Der Leiter der Mars-Mission erklärt den Raumfahrern, dass sie aufgrund eines Sicherheitsrisikos nicht ins Weltall geschossen werden konnten, gleichzeitig aber für die Öffentlichkeit die Mission als erfolgreich durchgeführt wird, da sonst mit drastischer Kürzung der finanziellen Mittel zu rechnen wäre.

Die drei Astronauten sollen nun in einem improvisierten Filmstudio die sich über acht Monate erstreckende Mission Flug zum Mars, Erkundung des Planeten und Rückflug nachspielen. Da im Falle einer Weigerung mit der Ermordung ihrer Familien gedroht wird, spielen sie mit.

Alles läuft zunächst nach Plan, doch beim Wiedereintritt in die Atmosphäre verglüht die Kapsel und die Besatzung kommt somit offiziell ums Leben. Rasch wird freilich auch dem Trio klar, dass ihm damit die Beseitigung droht und sie flüchten durch die Wüste, werden freilich bald von Hubschraubern verfolgt. Inzwischen stößt aber auch ein Journalist (Elliot Gould) auf Unstimmigkeiten und Widersprüche und lässt sich trotz Mordanschlägen von seinen Nachforschungen nicht abhalten.

Peter Hyams bietet klassisches Paranoia-Kino in der Nachfolge von Alan J. Pakulas «The Parallax View» (1974), Francis Ford Coppolas «The Conversation»“ (1974) und Sydney Pollacks «Three Days of the Condor» (1975). Inspirieren ließ sich Hyams dabei auch von seinen eigenen Erfahrungen mit den medialen Täuschungen der US-Regierung, deren Zeuge er als Journalist während des Vietnamkriegs wurde.

Spannung entwickelt sein Film vor allem im ersten Teil durch seine nüchterne Inszenierung und sein hohes Maß an Realismus. Packend demonstriert Hyams die Möglichkeit der Manipulation der Öffentlichkeit, um in der zweiten Hälfte dann stärker Genrekonventionen zu bedienen.

Als typisch amerikanische Figur kommt hier der investigative Journalist ins Spiel, der zunächst nicht genau weiß, wonach er forscht, langsam aber hinter die Täuschung kommt, während auf der anderen Seite die Astronauten in der Wüste, um ihr Leben zu kämpfen beginnen.

Da mag sich dann der Realismus aus dem Film verabschieden, gleichzeitig sorgen dosiert eingesetzte Action-Szenen mit einer furiosen Verfolgung eines Doppeldeckers durch zwei Militärhubschrauber als großes Finale für hochspannende Unterhaltung bis zur letzten Minute. Im Gegensatz zu Pakula, Coppola und Pollack kann hier aber die Täuschung aufgedeckt und die NASA bloßgestellt werden, beim Zuschauer bleibt freilich die Verunsicherung, ob so ein Schwindel in Hinblick auf die Mondlandungen nicht auch möglich gewesen wäre.

An Sprachversionen bietet die bei Koch Media in einem edlen Steelbook erschienene Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung, zu denen Untertitel in diesen beiden Sprachen zugeschaltet werden können. Die Extras umfassen einen – nur englischsprachigen – Audiokommentar von Regisseur Peter Hyams sowie neben Trailer und Bildergalerie Aufnahmen von den Dreharbeiten im Studio und in der Wüste, eine 30-minütige Super-8-Fassung des Films sowie das Featurette «Flights of Fancy», in dem der historische Wettlauf um die Vorherrschaft im All und die Verschwörungstheorien über die Mondlandung als Hintergrund sowie das Paranoia-Kino der 1970er Jahre als Vorbild thematisiert werden.

Trailer zu «Unternehmen Capricorn»

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