Karl Kunz. Einzelgänger der Moderne

09.09.2017

08.09.2017 bis 03.12.2017  Kunsthaus Kaufbeuren

Karl Kunz kann mit Recht als Ausnahmeerscheinung unter den Künstlern gelten, die nach dem Zweiten Weltkrieg und in den darauffolgenden Jahrzehnten entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der bildenden Kunst in Deutschland hatten. Dennoch ist Kunz zeitlebens ein Einzelgänger geblieben und verfolgte als künstlerischer Individualist stets einen Sonderweg.


Wie viele andere seiner Künstlerzeitgenossen, die sich den grundlegenden Neuerungen der Avantgarden zu Beginn des 20. Jahrhunderts verbunden fühlten, galt auch Karl Kunz während des Dritten Reichs als «entarteter» Künstler. Anders als für die meisten seiner Künstlerkollegen waren nach den erschütternden Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges und nach dem Ende der nationalsozialistischen Kunstdoktrin Figuration und Abstraktion für Karl Kunz nicht zu sich ausschließenden Gegensätzen geworden. Kunz, der in seinen Gemälden und Zeichnungen Gegenständliches und Abstraktes gleichrangig behandelte, grenzte sich daher innerhalb der deutschen Kunstszene der 1950er und 1960er Jahre ab und wurde von einer politisch gefärbten Kunstkritik häufig geschmäht oder absichtlich übersehen.

So blieb selbst eine Einladung zur Biennale in Venedig 1954 in Deutschland kaum beachtet, und auch für die beiden ersten documenten in Kassel 1955 und 1959 wurden ausschließlich Vertreter der abstrakten Stilrichtungen favorisiert: Vom Westen in Zeiten des Kalten Krieges massiv gefördert, galt im Bereich der Malerei das Informelle als adäquater Ausdruck einer freien demokratischen Gesellschaft, wurde nobilitiert und protegiert. Gleichwohl pflegte kaum ein anderer deutscher Maler einen vergleichbaren Umgang mit den Errungenschaften der Moderne wie Karl Kunz: Als existentialistischer Sucher gilt sein Interesse von Beginn seines künstlerischen Schaffens an der Erforschung des Unbewussten, dem er als Maler und Zeichner auf ebenso eigenwillige wie spielerisch-experimentelle Weise nachspürt.

Eros, Gewalt und Morbidität verbindet Kunz zu in mehrfachem Sinne vielschichtigen Kompositionen, die häufig den gesamten Bildraum ausfüllen. Mittels seines koloristischen wie auch zeichnerischen Gespürs und der biomorph-abstrakten Formensprache seiner Figurationen verbildlicht Kunz wirkungsvoll den Übergang aus der Realität in die surrealen Bildwelten der Vision. Der planvolle Einsatz eines motivischen Arsenals aus verhüllten Gestalten, Gliederpuppen, Jahrmarktgestalten, Muskelmenschen, schwebenden Paaren, schwarzen Messen, bizarr anmutenden Kreuzigungsszenen und der Darstellung schamloser Nacktheit bis an die Grenzen zur Pornografie ist dabei häufig auch Spiegel von Kunz’ eigenen psychischen und physischen Befindlichkeiten.

In den 1950er und 1960er Jahren setzt Kunz noch intensiver als in den Jahrzehnten zuvor das zwanghafte Streben der Moderne nach dem Neuen für sich außer Kraft: Auf der Suche nach Stil- und Bildrelikten schweift er durch Kunstgeschichte und Medien, um über eine bloße Stiladaption hinaus die Errungenschaften der Moderne für seine eigenen Bildideen nutzbar zu machen. Antike Mythen, kunsthistorische Zitate und Traumbilder dienen Kunz in diesem Zusammenhang als anspielungsreiche Quellen für den verschlüsselten Ausdruck seiner Obsessionen, Ängste, Begierden und Visionen. So entsteht in über vier Jahrzehnten intensiver künstlerischer Produktion ein umfangreiches Oeuvre an Gemälden und Zeichnungen, das sich durch besondere Originalität und großen Fantasiereichtum auszeichnet.

Mit der Ausstellung möchte das Kunsthaus Kaufbeuren dazu beitragen, diesem künstlerischen Individualisten, der zu Lebzeiten nicht die verdiente Anerkennung erhielt und nach seinem Tode zu Unrecht weitgehend in Vergessenheit geriet, zu dem ihm gebührenden Platz in der Kunstgeschichte der deutschen Nachkriegskunst zu verhelfen.


Karl Kunz. Einzelgänger der Moderne
8. September bis 3. Dezember 2017

Kunsthaus Kaufbeuren
Spitaltor 2
D-87600 Kaufbeuren
T: 0049 (0)8341 8644
F: 0049 (0)8341 8655
E: mail@kunsthaus-kaufbeuren.de
W: http://www.kunsthaus-kaufbeuren.de


Öffnungszeiten

Di bis Fr 11 – 18 Uhr
Donnerstag 10 – 20 Uhr
Sa/So/Feiertage 11 – 18 Uhr
Montag geschlossen

 


  • Karl Kunz: Die lustigen Weiber, 1961. Öl auf Hartfaser, 130 x 160 cm; © Wolfgang Kunz
  • Karl Kunz: Parade der Irrtümer, 1953. Öl auf Hartfaser, 130 x 156 cm; © Wolfgang Kunz
  • Karl Kunz: Can-Can, 1964. Öl auf Hartfaser, 130,5 x 180 cm; © Wolfgang Kunz
  • Karl Kunz: Am Meer, 1968; © Wolfgang Kunz
Kunsthaus Kaufbeuren
Spitaltor 2
D-87600 Kaufbeuren
T: 0049 (0)8341 8644
F: 0049 (0)8341 8655
E: mail@kunsthaus-kaufbeuren.de
W: http://www.kunsthaus-kaufbeuren.de


Öffnungszeiten

Di bis Fr 11 – 18 Uhr
Donnerstag 10 – 20 Uhr
Sa/So/Feiertage 11 – 18 Uhr
Montag geschlossen

 


artCore

Verein zur Förderung von
Online-Kulturberichterstattung
und Kunstpräsentationen im Internet

Kontakt

Schendlinger Straße 2, A-6900 Bregenz
T +43 (0)5574 85362
info@kultur-online.net

Kultur-Online Schweiz
T +41 (0)79 437 79 33
kapi@kultur-online.net

©artCore 2001-2016. Alle Rechte vorbehalten. Nutzung ausschließlich für den privaten Eigenbedarf. Eine Weiterverwendung und Reproduktion über den persönlichen Gebrauch hinaus ist nicht gestattet.