Infraschall oder Santería?

21.08.2017 Kurt Bracharz

Einige Mitarbeiter der US-Botschaft in Havanna mussten zur medizinischen Behandlung nach Miami geflogen werden, weil sie unter Kopfschmerzen, Benommenheit und Gehörverlust litten. Da die amerikanischen Behörden annahmen, dass es sich um die Folgen eines gezielten Einsatzes einer Art Schallkanone («Sonic Wave Machine») durch das kubanische Militär oder den Geheimdienst handelte, wiesen die USA als Vergeltungsmaßnahme zwei in Washington akkreditierte kubanische Diplomaten aus.


Wann war das? Im Kalten Krieg? In den 1980er-Jahren? Um die Jahrtausendwende? Nein, das ereignete sich im Mai dieses Jahres und wurde jetzt von den Amerikanern bekannt gegeben.

Es gibt verschiedene Typen von Schallwaffen. Am häufigsten eingesetzt wird LRAD (Long Range Acoustic Device), womit man normale Lautsprecherdurchsagen ebenso machen kann wie schmerzhaft laute, das Gehör dauerhaft schädigende Töne erzeugen. Das Produkt der American Technology Corporation wurde seit seiner Marktreife sowohl im zweiten Irakkrieg als auch gegen somalische Piraten sowie in Pittsburgh 2009 zur Auflösung einer Demonstration eingesetzt. Dieses Gerät ist einfach nur laut (146 dB), wirkt auf maximal einen Kilometer und seine Emission wird naturgemäß von den Betroffenen deutlich als Schall und Schmerz wahrgenommen.

Die Angestellten der US-Botschaft in Havanna haben aber offenbar nichts bemerkt, bis die genannten Symptome auftraten. Das lässt an tieffrequenten Infraschall denken, von dem aber in der neueren Literatur behauptet wird, dass er keine körperlichen Symptome auslösen kann. US-Air Force und NASA haben schon in den 1960er-Jahren diesbezügliche Untersuchungen angestellt, weil sie feststellen wollten, ob Astronauten durch den sehr energiereichen Infraschall der Raketentriebwerke gefährdet seien. Keiner der Versuchspersonen wurde auch nur übel. Das hat in den nächsten Jahrzehnten verschiedene US-Militärzeitschriften nicht daran gehindert, niederfrequenten Schall erzeugende tragbare Geräte als nützliches Hilfsmittel für Armee und Polizei herbeizureden.

Da wollten die Russen nicht nachstehen: Auf der Webseite psychophysischer-terror.com versichern sich als «Experten» ausgebende Trolle: «Infraschall (Wellenlänge 17 m, Frequenz tiefer als 17 Hz ): Wird nicht gefühlt. Brechreiz, Übelkeit, Töne in den Ohren, schreckliche Angstzustände, bei stärkerem Infraschall Herzstillstand.» Trotzdem hatte die amerikanische Militärorganisation Joint Non Lethal Weapons ihre Finanzierung von Experimenten mit niederfrequenten Wellen schon im Jahre 1999 wegen Erfolglosigkeit eingestellt. (Geübte Verschwörungstheoretiker erkennen natürlich sofort, dass Letzteres ein Fake ist, der die rasante Weiterentwicklung und Verbreitung der Infraschallwaffen verschleiern soll.)

Was Kuba betrifft, wäre noch eine ganz andere Möglichkeit der Beeinflussung in Betracht zu ziehen: Hier ist die Hauptreligion die Santería, eine Mixtur aus afrikanischen Kulten und christlichen Heiligen, und im Osten der Insel gibt es noch ihre finsterste Form, Palo Mayombe. Auch ist der Cuban Vodú verbreitet, La Regla de Arará, die kubanische Version des Vodoun (der bei uns immer noch gerne als «Voodoo» geschrieben wird). Vielleicht haben ja Hexer dieser alten Kulte im Regierungsauftrag auf die US-Botschaft eingewirkt? Das wäre sicher ähnlich effektiv wie Infraschallkanonen.


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