Sergeant York

26.10.2017 Walter Gasperi

Howard Hawks beschränkt sich in seinem 1941 gedrehten Spielfilm über Alvin C. York, der einer der höchstdekorierten US-Soldaten im Ersten Weltkrieg war, auf die Jahre 1916 bis 1918 und zeichnet die Wandlung des einfachen Bauernburschen aus Tennessee nach. Der trotz Fokussierung auf einem Kriegshelden zwar patriotische, aber pazifistische Film ist bei Schröder Media auf Blu-ray erschienen.


Über 20 Jahre – bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs - wehrte sich Alvin C. York gegen eine Verfilmung seines Lebens, denn er wollte seine Kriegserlebnisse nicht vermarkten, sah sie nicht als Heldentat, sondern nur als Einsatz für seine Kameraden. Dieses Herunterspielen eigener Leistungen hat Howard Hawks sicher gefallen. Auch die Selbstverständlichkeit und die Professionalität, mit der York zumindest im Film mit der Waffe umgeht, ist typisch für die Protagonisten der Filme von Hawks. Um zu dessen Meisterwerken zu zählen ist «Sergeant York» aber doch zu patriotisch, zu verklärend und zu glatt, bietet aber dank des sicheren Aufbaus des unter anderem von Howard Koch und John Huston geschriebenen Drehbuchs, der Oscar gekrönten Leistung von Gary Cooper und markanten Nebenfiguren immer noch solide Unterhaltung.

Nur von 1916 bis 1918 spannt sich die Handlung, die sich in die vier Kapitel «Heimat», «militärische Ausbildung», «Fronterfahrung» und «Heimkehr als Held» gliedern lässt. Gleichzeitig zeichnet Hawks in diesen Abschnitt auch eine innere Entwicklung Yorks (Gary Cooper) nach. Wird er zunächst als Trunkenbold vorgestellt, der zwar über beachtliche Schießkünste verfügt, mit denen er aber den Gottesdienst stört, wandelt er sich bald zum Tag und Nacht arbeitenden Bauern.

Grund für die Wandlung ist die Liebe zur jungen Gracie (Joan Leslie), der er mit dem Kauf eines Grundstücks im fruchtbaren Tal eine sichere gemeinsame Zukunft bieten will. Mit Religion hat der einfache Bauer aber noch nichts am Hut, diese kommt erst während eines Gewitters in einem Saulus-Paulus-Erlebnis ins Spiel.

Aus religiösen Gründen will er, als die USA im April 1917 in den Ersten Weltkrieg eintritt, nicht einrücken, doch sein Ansuchen um Freistellung wird abgelehnt. Beeindruckt von seiner Einstellung und seinen Schießkünsten gewährt sein Vorgesetzter ihm aber eine Nachdenkpause, in der York als Ergänzung zu der ihm bestens bekannten Bibel ein Buch zur Geschichte der Vereinigten Staaten studieren soll. Dem «Du sollst nicht töten» der Bibel wird so der amerikanische Kampf für die Freiheit gegenübergestellt. Wie Jesus in die Wüste zieht sich York auf einen Felsvorsprung zurück und entscheidet sich für die Teilnahme am Kampfgeschehen in Europa.

Eher kurz gehalten ist das Fronterlebnis, vermittelt dennoch, wenn auch bei weitem nicht so intensiv wie der Klassiker «All Quiet on the Western Front» die Gräuel des Stellungskriegs. Mit Bauernschläue vollbringt York hier eine Heldentat, die Hawks wie schon am Beginn des Films eine ständig unterbrochene Predigt und später eine Wirtshausschlägerei durch Übertreibung ins Komödiantische kippen lässt.

Für komische Momente sorgt aber auch York selbst, den Cooper als reichlich naiven, einfachen und weltfremden Bauern spielt. Größe gewinnt dieser Charakter gerade in dieser Einfach- und Unverfälschtheit, im reinen Beharren auf der Bibel, in der Verweigerung der Vermarktung seines Schicksals und in der Rückkehr zum einfachen Leben. Problematisch ist freilich die Botschaft, dass er wenige deutsche Soldaten getötet habe um viele seiner Kameraden zu retten.

Hagiographisch verklärt wird hier zweifellos eine Person, die sich – freilich über 30 Jahre nach den im Film geschilderten Ereignissen - im realen Leben für einen Einsatz der Atombombe im Korea-Krieg und einen atomaren Erstschlag gegen die Sowjetunion aussprach. Der 1941 gedrehte Film aber verherrlicht nicht den Krieg, zielt aber unübersehbar darauf ab, das amerikanische Volk für den bevorstehenden Eintritt in den Zweiten Weltkrieg vorzubereiten. Mit York soll auch die Bevölkerung aufgefordert werden, Bibel und US-Geschichte sich vor Augen zu halten, abzuwägen und zur Einsicht zu gelangen, dass Kriegsdienst in diesem Fall nicht nur vertretbar, sondern notwendig ist.

An Sprachversionen bietet die bei Schröder Media erschienene Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung. Die Extras umfassen den Originaltrailer sowie einen englischsprachigen Audiokommentar der Filmhistorikerin Jeanine Basinger.

Trailer zu «Sergeant York»

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