Russen

05.09.2017

05.09.2017 bis 04.03.2018  Kunstmuseum Basel

Die Ausstellung russischer Künstler stellt einen wichtigen Schwerpunkt der Sammlung Im Obersteg vor, deren Höhepunkte zweifellos die Werkgruppen von Marc Chagall (zurzeit mehrheitlich in der Ausstellung «Chagall - Die Jahre des Durchbruchs 1911-1919» im Neubau zu sehen), von Alexej von Jawlensky und von Chaïm Soutine bilden. Diese Künstler zählen zu den bedeutendsten und weltweit bekanntesten Malern des russischen Raums. Der Titel «Russen» bezieht sich auch auf eine 1932/33 für die Basler Kunsthalle geplante Ausstellung. Karl Im Obersteg, unter anderem Sammler russischer Kunst, war von 1932 bis 1937 Mitglied der Kommission des Kunstvereins Basel, die das Ausstellungsprogramm der Basler Kunsthalle verantwortete.


Als Kenner der Materie wurde er mit Recherchen zum Thema beauftragt. Im August 1932 informierte er sich bei Alexej von Jawlensky nach bedeutenden russischen Malern, die vor dem 1. Weltkrieg bekannt waren. Im Bereich der «alten» Russen kenne er sich nicht aus und sei auf Künstlernamen und Hinweise angewiesen, wo Werke dieser Maler zu finden seien. In der Kategorie der lebenden Künstler gedenke man Werke von Jawlensky selbst und seinem Sohn Andrej zu zeigen, sowie Arbeiten von Wassily Kandinsky, Marc Chagall, Robert Genin und Chaïm Soutine, also mehrheitlich Künstler, die Im Obersteg bereits sammelte und die er direkt kontaktieren wollte.

Jawlensky nannte einige bedeutende russische Vor-Kriegs-Künstler wie Ilya Repin, Walentin Serow, Wiktor Wasnetsow, Iwan Schischkin und Wassili Surikow, deren Werke sich mehrheitlich in der Tretjakow Galerie in Moskau befinden würden, doch von denen es vermutlich schwierig bis unmöglich sei, Werke für eine Ausstellung im Westen zu bekommen. Unter den in Paris lebenden Künstlern schätze er besonders Chagall, aber auch Alexander Benois, Natalia Gontscharowa, Michail Larionow, Boris Grigoriew und Konstantin Korowin erwähnte er lobend. Er selbst und sein Sohn hätten grosses Interesse, an der Ausstellung mit besten Werken mitzuwirken. Warnend äusserte sich Jawlensky zur aktuellen «bolschewistischen» Kunst, sie sei schrecklich.

Ein Jahr nach dieser ersten Kontaktaufnahme geriet das Projekt ins Stocken. Chagall lehnte eine Teilnahme an der Gruppenausstellung ab und machte in einem Schreiben an Karl Im Obersteg dem Basler Kunstverein das verlockende Angebot einer Einzelausstellung mit ca. 120 bis 150 Werken. Wilhelm Barth, Direktor der Basler Kunsthalle, antwortete Im Obersteg begeistert: «Eine grosse Ausstellung Chagall wäre ja grossartig und ganz erwünscht. Es fehlt mir nun nur eine Kunde. Sie sagten mir vorher, wir müssten im Herbst Raum schaffen für die Russen. Ist nicht gerade dieser Russe vielfach umworben, so dass man sein Angebot von 120-150 Bildern, wie Sie schreiben, für möglichst sofort annehmen und realisieren sollte?»

Eine Chagall-Ausstellung kam Barth höchst gelegen, da sich kurz zuvor in Basel die Übernahmepläne einer grossen Picasso-Ausstellung aus dem Kunsthaus Zürich aus terminlichen Gründen zerschlagen hatten. Eine Chagall-Retrospektive – die erste Retrospektive des Künstlers überhaupt – war ein willkommener, kulturpolitisch brisanter Ersatz, zumal sie in einer Zeit stattfand, als in Deutschland unter den Nationalsozialisten die Diffamierung der modernen Kunst begann und anlässlich der Mannheimer Ausstellung «Kulturbolschewistische Bilder» Chagalls Gemälde «Die Prise» auf einem Wagen durch die Strassen gefahren und verhöhnt wurde.

Im Vorwort des Katalogs der Basler Ausstellung, die von 4. November bis 3. Dezember 1933 stattfand, dankte Wilhelm Barth allen Leihgebern und wohl in Anspielung auf Karl Im Obersteg «am meisten dem einen, dessen Freundschaftsbeziehungen zu dem Künstler die Ausstellung möglich gemacht haben». Somit ist eine der wichtigsten Ausstellungen Chagalls wesentlich auf die Vermittlung Karl Im Oberstegs zurückzuführen. Dass der Basler bereits in dieser Zeit freundschaftlich mit dem Künstler verbunden war, zeigt auch ein «Bettelbrief» für einen geplanten Werkankauf aus der Ausstellung, wo Karl Im Obersteg als «Chagall-Spezialfreund» bezeichnet wird.

Die ursprünglich geplante «Russen-Ausstellung» wurde in der Basler Kunsthalle nie realisiert. Ein Teil der Künstler, die für die Ausstellung vorgesehen waren, sind jedoch noch heute in der Sammlung Im Obersteg vereint.


Russen
Hauptbau Zwischengeschoss
5. September 2017 bis 4. März 2018

Kunstmuseum Basel
St. Alban-Graben 16
CH-4010 Basel
T: 0041 (0)61 20662-62
F: 0041 (0)61 20662-52
W: http://www.kunstmuseumbasel.ch


Öffnungszeiten

Di bis So 10 - 17 Uhr

 


  • Wassily Kandinsky: Studie zu Murnau - Landschaft mit Kirche, 1909. Öl auf Karton, 33 x 45 cm; Kunstmuseum Basel- Stiftung Im Obersteg, Depositum im Kunstmuseum Basel. Photocredit: Kunstmuseum Basel - Martin P. Bühler
  • Chaïm Soutine: Nature morte au violon, pain et poisson, um 1922. Öl auf Leinwand, 65 x 54 cm; Kunstmuseum Basel- Stiftung Im Obersteg, Depositum im Kunstmuseum Basel. Photocredit: Kunstmuseum Basel - Martin P. Bühler
  • Marianne von Werefkin: Witwe auf der Bank, 1907. Kreide, Bleistift und Gouache auf Papier, 37 x 50 cm; Kunstmuseum Basel- Stiftung Im Obersteg, Depositum im Kunstmuseum Basel. Photocredit: Kunstmuseum Basel, Martin P. Bühler
  • Robert Genin: Balinesin (I), um 1926. Öl auf Leinwand, 68 x 54 cm; Kunstmuseum Basel- Stiftung Im Obersteg, Depositum im Kunstmuseum Basel. Photocredit: Kunstmuseum Basel - Martin P. Bühler
  • Alexej von Jawlensky: Selbstbildnis, 1911. Öl auf leinenstrukturiertem Malkarton, 54 x 51 cm; Kunstmuseum Basel- Stiftung Im Obersteg, Depositum im Kunstmuseum Basel. Photocredit: Kunstmuseum Basel - Martin P. Bühler
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