Sebastian Jung - Winzerla

02.09.2017

01.09.2017 bis 12.11.2017  Münchner Stadtmuseum

«Forum 043», das Ausstellungsformat für junge Fotografie des Münchner Stadtmuseums, präsentiert die Arbeit «Winzerla - Kunst als Spurensuche im Schatten des NSU» von Sebastian Jung. Winzerla bezeichnet die zu Jena gehörende Plattenbausiedlung, den gemeinsamen Herkunftsort der Mitglieder der rechtsterroristischen Gruppierung NSU (Nationalsozialistischer Untergrund) Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe.


Auch der Künstler Sebastian Jung wohnte die ersten zehn Jahre seines Lebens in dieser thüringischen Neubausiedlung, die noch zu DDR-Zeiten errichtet und nach der Wende fertiggestellt wurde. In den 1990er-Jahren, in denen sich Mundlos, Bönhardt und Zschäpe radikalisierten, war er selbst noch ein kleiner Junge. Die gemeinsame Herkunft bildet den Ausgangspunkt seiner künstlerischen Reflexion über das Winzerla seiner eigenen Kindheit.

Im August 2012, ein gutes halbes Jahr nach Bekanntwerden des NSU als Urheber der rechtsterroristisch motivierten Mordserie an Münchner mit Migrationshintergrund, beginnt Sebastian Jungs Spurensuche nach dem Winzerla seiner Kindheit. Er fertigte die ersten Fotografien an und ergänzte diese im kommenden Jahr um Zeichnungen, für die er sich abermals in die Neubausiedlung begab. Auf diese Weise spürt er jener Zeit nach, die nur noch in seiner Erinnerung existiert, und versucht dabei, diesem kindlichen Zugriff auf künstlerische Weise Ausdruck zu verleihen.

Ergänzend erzählt er in kleinen Texten Anekdoten, die sich vorwiegend aus Erlebnissen seines Schulalltages speisen. Gemeinsam mit den Fotografien und Zeichnungen verdichten sie sich zu einer stakkatoartigen Ästhetik des Augenblicks, die den unvoreingenommenen Blick und die diffusen Erinnerungen eines Kindes zu spiegeln sucht.

Den Sprung in die politische Gegenwart wagte Sebastian Jung, indem er im Herbst 2014 einen Tag lang den NSU-Prozess im Oberlandesgericht München verfolgte. Wiederum reagierte er auf die Ereignisse mit seinem Zeichenstift. Die festgehaltenen Momente wirken dicht und komplex. In ihnen gibt er nicht nur die Protagonistinnen und Protagonisten des Prozesses wider, sondern fängt auch Episoden, wie den immer wieder einnickenden Justizbeamten, ein. Dieser Ansatz zeugt von einer detailverliebten Beobachtungsgabe des Künstlers und entlarvt zugleich den Prozess auf unangenehme Weise als Alltäglichkeit.

Im Dialog mit den zuvor angefertigten Fotografien, Zeichnungen und Beschreibungen skizzieren sie eine Gefühlswelt, die zwischen Unbekümmertheit und Beklemmung zu scheint.


Sebastian Jung - Winzerla
Kabinettausstellung im Münchner Stadtmuseum
1. September bis 12. November 2017

Münchner Stadtmuseum
St.-Jakobs-Platz 1
D-80331 München
T: 0049 (0)89 233 22370
F: 0049 (0)89 233 25033
E: stadtmuseum@muenchen.de
W: http://www.muenchner-stadtmuseum.de


Öffnungszeiten

Di bis So 10 - 18 Uhr
montags geschlossen

 


  • Sebastian Jung, aus der Serie 'Winzerla', 2015; Zeichnung
  • Sebastian Jung, aus der Serie 'Winzerla', 2015; Fotografie
  • Sebastian Jung, aus der Serie 'Winzerla', 2015; Zeichnung
  • Sebastian Jung, aus der Serie 'Winzerla', 2015; Fotografie
  • Sebastian Jung, NSU-Prozess (Beate Zschäpe trinkt ein Glas Wasser), 2015; Zeichnung
Münchner Stadtmuseum
St.-Jakobs-Platz 1
D-80331 München
T: 0049 (0)89 233 22370
F: 0049 (0)89 233 25033
E: stadtmuseum@muenchen.de
W: http://www.muenchner-stadtmuseum.de


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Di bis So 10 - 18 Uhr
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