Planet der Affen: Survival

15.08.2017 Walter Gasperi

Matt Reeves nützt in seinem Blockbuster die Affen als Folie, um in menschliche Abgründe zu blicken und der Barbarei Menschlichkeit gegenüberzustellen. - Ein düsterer, visuell brillanter Film, der sich weniger fürs große Spektakel als vielmehr für seine starken Figuren und philosophische Fragen interessiert.


Im Rücken folgt die Kamera von Michael Seresin einem kleinen Trupp von Soldaten durch dichten Dschungel. An Vietnamkriegsfilme erinnern die ersten Einstellungen, bald folgt freilich eine Schlacht mit den Affen, die unter der Führung Caesars (Andy Serkis) ihr Rückzugsgebiet verteidigen.

So wechselt Matt Reeves in dieser Fortsetzung von «Planet der Affen: Prevolution» (2011) und «Planet der Affen: Revolution» (2014) auch sogleich seine Perspektive, wird bis zum Ende aus der Sicht der Primaten erzählen und den Zuschauer so auf deren Seiten ziehen. Während diese friedliche Koexistenz anstreben, sind die Menschen auf ihre völlige Vernichtung aus.

Als freilich der Colonel (Woody Harrelson) Caesars Frau und Sohn tötet, kennt dessen Hass keine Grenzen mehr und mit wenigen Begleitern bricht er auf, um sich zu rächen. Die anderen Affen beauftragt er dagegen, in ein neues und sicheres Siedlungsgebiet jenseits der Wüste zu ziehen.

Erst am Ende von «Planet der Affen: Survival» wird wieder ein großes Feuergefecht folgen und auch dieses wird im Vergleich zu anderen Blockbustern mit kaum mehr als 10 Minuten erstaunlich kurz ausfallen. Im Zentrum steht zunächst die Reise der kleinen Gruppe durch eine von den Menschen verlassene Schneeeinöde, in der ein Skilift noch an die Zerstörung der Natur erinnert.

Wie in Joseph Conrads «Das Herz der Finsternis» oder in dessen Nachfolge Francis Ford Coppolas «Apocalypse Now» stellt sich dieser Trip als Reise ins Zentrum der menschlichen Finsternis und Barbarei dar. Denn am Ende wird Caesar dabei auf ein Camp stoßen, in dem der namenlos bleibende Colonel wie Kurtz in Coppolas Klassiker eine Gewaltherrschaft errichtet hat, bei der die Affen wie KZ-Häftlinge gehalten und eine gewaltige Mauer errichten müssen und bei Vergehen brutal gekreuzigt werden.

Nicht nötig wäre hier das Graffiti «Ape-ocalypse Now» gewesen, um die Verbindung zu «Apocalypse Now» herzustellen, denn unübersehbar an die Rolle Marlon Brandos ist Woody Harrelsons Verkörperung des Colonels angelehnt. Enorme Spannung entwickelt der Film in seinem Monolog, in dem er seine Vorstellungen von der erbarmungslosen Ausrottung von Menschen, die aufgrund einer Seuche die Sprache – das für ihn markanteste Zeichen der Überlegenheit des Menschen über das Tier – darlegt. Selbst vor dem Mord an seinem Sohn schreckte er dabei nicht zurück.

Nicht nur an Kurtz lässt diese Figur aber denken, sondern auch an den KZ-Kommandanten Amon Göth in Steven Spielbergs «Schindlers Liste», wenn er von seinem Quartier aus auf das Lager hinunter blickt und die Soldaten die US-Hymne singen und gleichzeitig faschistische Parolen wiederholen lässt.

Konzentriert entwickelt Matt Reeves die Handlung, setzt Musik für einmal erfreulich reduziert ein, evoziert durch dunkle Farben und kalte Winterstimmung eine dichte und düstere Atmosphäre und kommt über weite Strecken auch ohne gesprochenen Dialog und nur mit untertitelter Zeichensprache aus.

Nicht die Effekte, sondern die Figuren tragen den Film. Einen starken Gegensatz baut Reeves dabei mit dem von Andy Serkis mittels Motion- oder Performance-Capture-Verfahren bewegend gespielten Caesar und Woody Harrelsons brutalem Colonel. In diesen beiden Figuren verhandelt der Film exemplarisch die Frage nach Menschlichkeit und menschlicher Barbarei. Zwar lässt der Mord an seiner Familie auch bei Caesar düstere Seiten zutage treten, doch ungleich stärker ist sein Mitgefühl, sein Einsatz für seine Gemeinschaft, während das fanatische Handeln des Colonels nur von Hass geleitet ist.

Die besseren Menschen sind hier unbestritten die Affen und keine Hoffnung scheint es zu geben, dass sich die Menschheit ändert. Denn nicht nur gegen Affen geht sie erbarmungslos vor, sondern zerfleischt sich auch gegenseitig. Einzig ein Strafgericht im Stil der biblischen Sintflut kann hier eine Lösung bringen. Hinweggeschwemmt werden muss diese Spezies, damit für die Affen ein friedlicher Neubeginn in einem «Gelobten Land» möglich ist.

Läuft derzeit in den Kinos

Trailer zu «Planet der Affen: Survival»

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