Weltpremieren und Erstaufführungen moderner und zeitgenössischer Musik beim Lucerne Festival

11.08.2017

11.08.2017 bis 10.09.2017  

Die diesjährige Ausgabe des Lucerne Festival ist dem Thema Identität gewidmet, leidet und dauert vom 11. August bis zum 10. September. Unter den 30 Sinfoniekonzerten dürften jene mit den Berliner und Wiener Philharmonikern, dem Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam, dem West-Eastern Divan Orchestra, dem Chamber Orchestra of Europe, dem Pittsburgh Symphony Orchestra und dem Mariinsky Orchestra mit Programmen mehrheitlich aus dem klassischen, romantischen und spätromantischen Repertoire qualititativ herausragen.


Auch die drei, konzertant aufgeführten Barockopern «Orfeo», «L’incoronazione di Poppea» und «Il ritorno d’Ulisse in patria» von Claudio Monteverdi mit den English Baroque Soloists und des Monteverdi Choir unter der Leitung und der Regie von Sir John Eliot Gardiner dürften festspielwürdig sein. Daneben pflegt das grösste europäische Konzertfestival erneut auch moderne und zeitgenössische Musik in zum Teil dedizierten Aufführungen, Gesprächen und Seminaren, wenn gleich auch in etwas reduzierter Form. Wie immer in den letzten Jahren werden auch heuer zentrale Werke moderner und zeitgenössischer Komposistionsgrössen wie die beiden Österreicher Friedrich Cerha und Georg Friedrich Haas sowie György Kurtág, György Ligeti und Bernd-Alois Zimmermann gespielt. Daneben kommen auch aktuelle Kompositionen zu Ur- oder Schweizer Erstaufführungen wie etwa vom Holländer Michel van der Aa, vom Italiener Luca Francesconi und der Schweizerin Helena Winkelman. Als Resultat eines zweiwöchigen, zum Teil öffentlichen Seminars mit den Komponisten Wolfgang Rihm und Dieter Ammann werden dabei erarbeitete Stücke von zehn, international eingeladenen Kompositionsschülern aufgeführt.

Dabei findet die Lucerne Festival Academy dieses Jahr erneut ihre Fortsetzung. Sie wurde 2003 von der französischen musikalischen Jahrhunderterscheinung Pierre Boulez angeregt und bis zu seinem Tod vorletztes Jahr auch geleitet. Die Academy ist ein weltweit einzigartiger Ausbildungscampus, der exklusiv der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts gewidmet ist. Jährlich studieren und musizieren rund 120 hochbegabte, junge Instrumentalisten aus über 20 Nationen unter der gruppenweisen Anleitung von Mitgliedern des weltweit führenden und ebenfalls von Boulez gegründeten Solistenensembles Ensemble Intercontemporain aus Paris. Dessen Chefdirgigent Matthias Pintscher gestaltet mit dem Orchester der Lucerne Festival Academy drei Auftritte. Unter seiner Leitung wird unter anderem das epochale Werk Spiegel I-VII des 1929 in Wien geborenen Friedrich Cerha aufgeführt. Zwei Werke der jungen Komponisten Lisa Streich und Matthew Kaner kommen unter der Leitung der Jungdirigenten Gregor Mayrhofer und Jeffrey Means zur Uraufführung.

Im zweiten Jahr verantwortet die künstlerische Leitung der Lucerne Festival Academy der deutsche Komponist Wolfgang Rihm. Er bietet zusammen mit dem Schweizer Komponisten Dieter Ammann auch in diesem Jahr im Composer Seminar zehn jungen Komponisten eine Plattform, um ihre Werke zu diskutieren, weiterzuentwickeln und sie einem Konzert am 26. August von Mitgliedern der Academy konzertant spielen zu lassen. Pintscher dirigiert im gleichen Konzert die Uraufführung eines neuen Cellokonzerts des Italieners Luca Francesconi. Die diesjährige Artiste étoile Patricia Kopatchinskaja interpretiert zusammen mit dem Orchester der Lucerne Festival Academy das Violinkonzert Heinz Holligers, das der Schweizer Komponist selber dirigiert. Kopatchinskaja übernimmt ausserdem den Solopart im Geigenkonzert von György Ligeti des Akademie-Orchesters unter der Leitung von Pintscher.

Die Meisterkurse im Dirigieren mit Heinz Holliger und Matthias Pintscher sowie Orchester der Lucerne Festival Academy sind für das Publikum öffentlich. Das im Herbst 2015 lancierte Netzwerk früherer Mitglieder der Lucerne Festival Academy, die Lucerne Festival Alumni, will die Boulez'schen Grundgedanken der Akademie in Form eigener Konzerte und anderer Plattformen in die Zukunft führen. Nach dem Gedenkkonzert für Pierre Boulez beim letztjährigen Oster-Festival in Luzern kommen sie heuer in Michel van der Aas Kammeropern Buch der Unruhe und Up-close sowie im inszenierten Konzert von Patricia Kopatchinskaja, «Dies irae», zum Zug.

Der diesjährige Composer-in-residence ist der Holländer Michel van der Aa. Er ist Komponist, Regisseur und obendrein ein Gesamtkunstwerker. Am nächsten Sonntag werden von ihm gleich zwei Musiktheaterstücke aufgeführt. Im Zentrum beider Werke steht die Identitätsfrage. In «The Book of Disquiet» nach dem Buch der Unruhe des portugiesischen Schriftstellers Fernando Pessoa spürt van der Aa den vielen Identitäten dieses epochalen Dichters nach, der sich in über siebzig Alter-Ego-Figuren immer wieder neu erfunden hat. In der zusammen mit der Niederländischen Nationaloper Amsterdam und dem Teatro dell’Opera di Roma koproduzierten Kammeroper für Sopran und 3D-Film «Blank Out» wiederum geht es um eine Mutter, die den tragischen Badeunfall ihres Sohnes zu rekonstruieren versucht. Die Zuschauer bekommen in dieser High-Tech-Kammeroper eine 3D-Brille, denn als Bühnenbild dient ein dreidimensionaler Film. Und auch der männliche Protagonist ist als singendes Hologramm ausschliesslich auf der Leinwand präsent.

Was den meisten Orchester recht ist, ist nun auch dem Lucerne Festival billig: die Pflege jüngster und jüngerer Hörer. Unter dem Label Lucerne Festival Young gestaltet Artiste étoile Patricia Kopatchinskaja ein Sitzkissenkonzert mit Musik von Heinrich Ignaz Franz Biber, John Cage und Heinz Holliger. Die Geschichte vom «Kleinen Irgendwas» hat sich Kopatchinskajas Tochter Alice ausgedacht und damit Heinz Holliger zu einem Stück für eine singende Geigerin inspiriert, das hier uraufgeführt wird. (Peter Révai)

Aufführungen mit moderner und zeitgenössischer Musik:

13. August | 11.00 Uhr | Luzerner Theater | Michel van der Aa: The Book of Disquiet (Das Buch der Unruhe) | Musiktheater für Schauspieler, Ensemble und Film nach Fernando Pessoa | Schweizer Erstaufführung | Ensemble der Lucerne Festival Alumni | Duncan Ward, Dirigent | Walter Sigi Arnold, Schauspieler

13. August | 16.00 Uhr | KKL Luzerner Saal | Michel van der Aa: Blank Out | Kammeroper für Sopran und 3D-Film | Schweizer Erstaufführung | eine Kooperation der Niederländischen Nationaloper Amsterdam mit Lucerne Festival und dem Teatro dell’Opera di Roma | Miah Persson, Sopran | Michel van der Aa, Regie

14. bis 26. August | 10.00 bis 11.30 und 12.00 bis 13.30 Uhr | KKL | Composer Seminar mit Wolfgang Rihm und Dieter Ammann | 14. bis 19. August öffentlich
17. August | 18.20 Uhr | KKL Luzerner Saal | Michel van der Aa: Up-close für für Violoncello, Streicher und Film | Schweizer Erstaufführung | Ensemble der Lucerne Festival Alumni | Jay Campbell, Cello | Michel van der Aa, Leitung 

19. August | 11.00 Uhr | Identitäten 1 | Lukaskirche | Helena Winkelman | Uraufführung | Auftragswerk von Lucerne Festival und vom Festival Alpentöne | sCHpillit | Geisterchor (Peter Siegwart, Leitung) | Dani Mangisch, Sprecher | Silvia Nopper, Gesang

20. August | 10.30 Uhr | Sinfoniekonzert 9 | KKL Luzern, Konzertsaal | Orchester der Lucerne Festival Academy | Heinz Holliger, Dirigent | Patricia Kopatchinskaja, Violine | Claude Debussy: Khamma | Charles Koechlin: Les Bandar-log | Heinz Holliger: Hommage à Louis Soutter Violinkonzert

20. August | 16.00 Uhr | Identitäten 3 | Kirchensaal MaiHof | Leoš Janáček Auf verwachsenem Pfade, bearbeitet für Streichorchester von Daniel Rumler | Texte von Maïa Brami | Uraufführung der Streicherfassung und des Textes | Camerata Zürich | Thomas Demenga, Violoncello und Musikalische Leitung | Thomas Sarbacher, Sprecher

24. August | 16.00 Uhr |18.20 Uhr | Musikalisches Welttheater | KKL Luzern | Luzerner Saal | Orchester der LUCERNE FESTIVAL ACADEMY | Matthias Pintscher | | Friedrich Cerha: Spiegel | zwanzigminütige moderierte Einführung mit freiem Eintritt

26. August | 11.00 Uhr | Identitäten 4 | KKL Luzern | Luzerner Saal | Ensemble der Lucerne Festival Academy | Heinz Holliger | Natalia Zagorinskaya, Sopran | Ivan Ludlow, Bariton | Bernd Alois Zimmermann: Kontraste | György Kurtág: Die Botschaften des verstorbenen Fräuleins R.V. Troussova | Heinz Holliger: Lunea

26. August | 15.00 Uhr | KKL Luzern | Luzerner Saal | Ensemble der LUCERNE FESTIVAL ALUMNI| Werkschau des Composer Seminar: zehn Uraufführungen von zehn Teilnehmern

26. August | 22.00 Uhr | | KKL Luzern | Luzerner Saal | Ensemble der LUCERNE FESTIVAL ALUMNI | Matthias Pintscher, Dirigent | David Kadouch, Klavier | Martin Adámek, Klarinette | Patricia Kopatchinskaja, Violine | György Ligeti: Konzert für Klavier und Orchester | György Ligeti: Konzert für Violine und Orchester | Michel van der Aa, Hysteresis für Klarinette, Ensemble und Tonspur 

27. August | 09:45 Uhr | Erlebnistag – Opening | Europaplatz | Orchester der Lucerne Festival Academy | John Luther Adams: Sila. The Breath of the World  | Europäische Erstaufführung Solisten

27. August | 15.00 Uhr | Kunstmuseum Luzern | Frédérik Cambreling, Harfe | Heinz Holliger: Partita für Harfe | Uraufführung |

28. August | 19.30 Uhr | KKL Luzern, Konzertsaal | Friedrich Cerha Spiegel I-VII | Schweizer Erstaufführung der Gesamtfassung | Orchester der Lucerne Festival Academy | Matthias Pintscher, Dirigent

30. August | 19.30 Uhr | KKL Luzern, Konzertsaal | Georg Friedrich Haas ein kleines symphonisches Gedicht für Orchester | Schweizer Erstaufführung | Joseph Haydn Die Schöpfung | Berliner Philharmoniker | Rundfunkchor Berlin | Sir Simon Rattle, Dirigent | 

2. September | 14.30 Uhr | KKL Luzern, Konzertsaal | Lisa Streich Orchester | Uraufführung | Matthew Kaner | Uraufführung | Luca Francesconi Werk für Violoncello und Orchester | Uraufführung | Orchester der Lucerne Festival Academy | Matthias Pintscher (Franchesconi), Gregor Mayrhofer (Streich) und Jeffrey Means (Kaner), Dirigenten | Jay Campbell, Cello

2. September | 22.00 Uhr | Dies irae | KKL Luzern, Luzerner Saal | inszeniertes Konzert mit musikalischen Untergangsszenarien von Heinrich Ignaz Franz Biber, George Crump, Hersch, Lotti, Sánchez- Chiong, Scelsi und Galina Ustwolskaja | Patricia Kopatchinskaja, Violine, Konzept und Künstlerische Leitung | JACK Quartet | Ensemble der Lucerne Festival Alumni | Studierende der Hochschule Luzern | Lani Tran-Duc, Visuelle Gestaltung | Jonas Link, Video | Jorge Sánchez-Chiong, Sound Design

weiterführende Links:

Lucerne Festival

  • Riccardo Chailly; (c) Marco Borggreve
  • Camerata Zürich
  • English Baroques Solists; (c) Massimo Giannelli
  • Mahler Chamber Orchestra; (c ) Molina Visuals
  • Monteverdi Choir; (c) Chris Christodoulou
  • Royal Philharmonic Orchestra
  • Wiener Philharmoniker; (c) Richard Schuster

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