Cantastorie. Ritter, Räuber, Zauberinnen – Volkskunst aus Süditalien

03.10.2017

25.08.2017 bis 08.10.2017  Kunsthaus Zürich

Vom 25. August bis 8. Oktober präsentiert das Kunsthaus Zürich grossformatige Bildergeschichten aus Süditalien. Die rund 70 farbenprächtigen Tafeln, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden, illustrieren die grossen Themen der Kultur: Mythologie, Schöpfung, Heldentum und Kampf – nicht nur zwischen den Geschlechtern. Diese Meisterwerke der Volkskunst, die zwei Puppenspieler-Familien als Kulisse für ihre Darbietungen und als Werbeplakate dienten, sind erstmals in der Schweiz zu sehen.


Die «Cantastorie» sind eine faszinierende Ansammlung von Bildern und Bildzyklen der süditalienischen Volkskunst. Lange Zeit waren sie im Besitz zweier Bänkellieder- und Puppenspielerfamilien in Foggia und Neapel. Achille Parisi, sein Sohn Rinaldo und zwei weitere Söhne haben die Szenerien mit Leimfarbe auf Papier gemalt. Entstanden in den ersten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts, vom Gebrauch abgerieben, gefaltet und zerschlissen, gerieten die Arbeiten, nachdem Kino und Fernsehen die Puppenspieltradition verdrängt hatten, in Vergessenheit. Das Kunsthaus Zürich widmet diesen bis zu 1,5 Meter hohen und 3 Meter breiten Werken die erste museale Ausstellung in der Schweiz.

Schöne Prinzessinnen, heldenhafte Ritter, wildes Schlachtengetümmel, Fabeltiere und übernatürliche Erscheinungen feiern ein fröhlich-makabres Stelldichein. Kenner der italienischen Literatur mögen mit Orlando, Guido, Dolores, Martuffo, Fioravante, Palmerino, Erminia della Stella, Gattamugliera, Gennaro Sorrentino und den Fischern von Pusillico bekannte Personen und Geschichten assoziieren. Doch den Puppenspielern von damals ging es um Unterhaltung. Marionettentheater war wie grosses Kino, der Bänkelliedergesang gleichsam eine Schlagerparade. Es reichte, wenn die Zuschauer eine Ahnung von den existenziellen Begebenheiten erhaschten – Ähnlichkeiten mit lebenden und historischen Persönlichkeiten waren dennoch (nicht) rein zufällig.

Gastkuratorin Daniela Hardmeier und Kunsthaus-Direktor Christoph Becker arrangieren diese frühen «Comics» als ein sinnliches, humorvolles und lehrreiches Sehvergnügen. Der grosse Ausstellungssaal des Kunsthauses wird zu einem Marktplatz, auf dem die rund 70 grossformatigen Leihgaben der Sammlung Würth den Besuchern feilgeboten werden. Eine mächtige, farbenfrohe und ziemlich laute historische Jahrmarktorgel spielt jeden Nachmittag um 15 Uhr. Mit einer grossen Bühne für Theater- und Konzertaufführungen entsteht ein Ort des lebhaften Austauschs mit Auftritten so unterschiedlicher Formationen wie La Lupa, Lotte Reiniger, dem Marcel Oetiker Trio, Theater Sgaramusch, Töbi Tobler, Etta Scollo, Theater Gustavs Schwestern, Mitgliedern des Tonhalle-Orchesters und vielen anderen Künstlerinnen und Künstlern.


Cantastorie
25. August bis 8. Oktober 2017

Kunsthaus Zürich
Heimplatz 1
CH-8001 Zürich
T: 0041 (0)44 25384-84
F: 0041 (0)44 25384-33
E: info@kunsthaus.ch
W: http://www.kunsthaus.ch


Öffnungszeiten

Sa/So/Di 10 – 18 Uhr
Mi bis Fr 10 – 20 Uhr
Montag geschlossen

 


  • Tafel zu «Guido Santo», erste Hälfte 20. Jh. Leimfarbe auf Papier, 149 x 292 cm; Sammlung Würth, Künzelsau
  • Tafel zu «Palmerino», erste Hälfte 20. Jh. Leimfarbe auf Papier, 149 x 292 cm; Sammlung Würth, Künzelsau
  • Tafel zu «Orlando», erste Hälfte 20. Jh. Leimfarbe auf Papier, 149 x 292 cm; Sammlung Würth, Künzelsau
  • Tafel zu «Storie di Napoli», erste Hälfte 20. Jh. Leimfarbe auf Papier, 149 x 292 cm; Sammlung Würth, Künzelsau
  • Tafel zu «Orlando», erste Hälfte 20. Jh. Leimfarbe auf Papier, 149 x 130 cm; Sammlung Würth, Künzelsau
Kunsthaus Zürich
Heimplatz 1
CH-8001 Zürich
T: 0041 (0)44 25384-84
F: 0041 (0)44 25384-33
E: info@kunsthaus.ch
W: http://www.kunsthaus.ch


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Mi bis Fr 10 – 20 Uhr
Montag geschlossen

 


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