Two-Lane Blacktop - Asphaltrennen

07.09.2017 Walter Gasperi

Von einem illegalen nächtlichen Autorennen zum nächsten fahren drei Männer mit ihren auffrisierten Wagen ziellos durch die ländlichen USA. – Monte Hellmans 1971 entstandener Klassiker des New Hollywood ist bei Koch Media mit umfangreichem Bonusmaterial in einem Mediabook auf DVD und Blu-ray erschienen.


Aus dem Nichts beginnt dieses Gegenstück zum ungleich erfolgreicheren und berühmteren «Easy Rider». Am Boden eines nächtlichen Highways ist die Kamera positioniert, blickt der weißen Mittellinie des Asphaltbands entlang in die Ferne, während man von den Menschen nur Beine sieht. Bald weitet sich mit Totalen der Blick, man bekommt einen Eindruck von diesem illegalen Treiben, bis nahende Polizeisirenen Zuschauer und Akteure zur Flucht veranlassen.

Wie der erste Blick der Kamera ins Leere geht, läuft freilich auch die Fahrt der beiden jungen Männer in ihrem frisierten 55er Chevy ins Nichts. Namenlos bleiben sie, werden nur «The Driver» und «The Mechanic» genannt. Gezielt wurden sie mit den Musikern James Taylor («The Driver») und Dennis Wilson («The Mechanic») besetzt, denn sie sollten nicht spielen, sondern einfach nur sein.

Vom Westen nach Osten sind sie unterwegs, womit auch eine Gegenposition Hellmans zur Eroberung des amerikanischen Westens im 19. Jahrhundert zu sehen ist. Denn war diese Bewegung zielgerichtet und motiviert von der Hoffnung auf eine neue Heimat in einem «gelobten Land», so driften Hellmans Protagonisten ziellos durch die USA.

Dokumentarisch fängt Jack Deersons Kamera die weiten Landschaften und wechselnden Witterungsbedingungen ebenso ein wie die Tankstellen, Diners und Coffee-Shops, an denen die Fahrer Halt machen. Aber nichts wird hier verklärt oder beschönigt. Unaufgeregt folgt Hellman in langen, ruhigen Einstellungen dem Weg seiner Protagonisten, erklärt nichts, sondern zeigt nur.

Kein Wort verlieren «The Driver» und «The Mechanic» darüber, als eine junge Frau mit ihrer Reisetasche in ihren Wagen klettert, während sie in einem Coffee-Shop sitzen. Man nimmt die ebenfalls nur «The Girl» genannte Anhalterin einfach mit, so wie sie später, während die beiden Männer wieder in einem Coffee-Shop sitzen, ohne ein Wort zu sagen, ihre Habseligkeiten wieder aus dem Wagen nehmen und mit einem Motorradfahrer weiterreisen wird.

Unterwegs begegnete das Trio zuvor aber noch mehrmals einem Fahrer mit einem gelben Pontiac G.T.O., den sie zu einem Rennen quer durch die USA bis Washington herausfordern. Am Ende wird sich aber nicht nur dieses Rennen im Nichts verlieren, sondern der Film selbst wird sich auslöschen, wird während «The Driver» bei einem Rennen aufs Gas steigt, tonlos werden und zu Zeitlupe übergehen, schließlich im Projektor stecken bleiben und in Flammen aufgehen.

Wie Hellmans Anti-Western «The Shooting» und «Ride in the Whirlwind» ist auch «Two-Lane Blacktop» eine an die Werke Samuel Becketts und Albert Camus´ erinnernde Evokation der Sinnlosigkeit und Leere. Nichts wird hier dramatisiert, ruhig reiht Hellman Szenen aneinander, die sich nicht auf einen Höhepunkt hin entwickeln. Auch der Zuschauer wird nicht mit Schnittfolgen und Großaufnahmen emotional involviert, sondern bleibt in distanzierter Beobachterposition.

So sehr die Protagonisten immer in Bewegung sein mögen, so wenig führt diese sie zu etwas. Nur um sich selbst drehen sie sich, sind unfähig mit den anderen zu kommunizieren, reden nur mit sich, wenn «The Mechanic» ständig über seinen Wagen spricht und der G.T.O. genannte Fahrer des Pontiacs über sein Leben Wahres oder Erfundenes erzählt und stets neue Ziele formuliert.

An Sprachversionen werden die englische Originalfassung und die deutsche Synchronfassung sowie englische und deutsche Untertitel angeboten. Die Extras umfassen neben dem englischen Trailer Audiokommentare von Monte Hellman und dem Filmhistoriker Mike Siegel, von dem auch der Text des Booklets stammt, sowie auf einer zusätzlichen DVD ein Feature, in dem Monte Hellman 37 Jahre später auf den Film und seine Entstehung zurückblickt («On the Road again: ‘Two Lane Blacktop‘ revisited»), ein Gespräch zwischen Kris Kristofferson und Hellman speziell über den Hauptdarsteller und Musiker James Taylor («Somewhere near Salinas»), sowie ein Gespräch des Produzenten Michael Laughlin und der Produktionsmanager Walter Coblenz und Jared Hellman mit dem Variety-Journalisten Steven Gaydos und dem Filmemacher Dennis Bartok. Dazu kommen Screentests mit den Darstellern James Taylor und Laurie Bird.

Trailer zu «Two-Lane Blacktop - Asphaltrennen»

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