74. Filmfestival von Venedig: Genrekino, Autorenfilmer, aufstrebende Talente - Eine Vorschau

28.07.2017 Walter Gasperi

30.08.2017 bis 09.09.2017  La Biennale di Venezia

Das 74. Filmfestival von Venedig (30.8. – 9.9. 2017) setzt im Wettbewerb vor allem auf Filme aus den USA und Italien. Mit den Filmen sollen auch ihre Stars an den Lido kommen, doch mit Abdellatif Kechiche und Hirokazu Kore-eda fehlen auch renommierte Autorenfilmer aus Frankreich und Japan im Line-up nicht. Gespannt sein darf man auch auf «Human Flow», den neuen Dokumentarfilm des chinesischen Künstlers Ai Weiwei.


Schon länger bekannt ist, dass das 74. Filmfestival von Venedig mit Alexander Paynes «Downsizing» eröffnet wird. Einiges erwarten darf man von dieser Science-Fiction-Tragikomödie über einen Mann, der beschließt mit wissenschaftlichen Mitteln seine Körpergröße verkleinern zu lassen, nicht nur aufgrund seines Regisseurs, sondern auch weil sich in den letzten mehrfach Venedig-Eröffnungsfilme wie «Gravity», «Birdman» oder «La La Land» zu gefeierten Oscar-Anwärtern und –Gewinnern entwickelten.

Starke Konkurrenz im Rennen um den Goldenen Löwen gibt es freilich für Payne allein schon von seinen Landsleuten. Der frühere Venedig-Sieger Darren Aronofsky («The Wrestler», «Black Swan») schickt mit «Mother» einen mit Jennifer Lawrence, Javier Bardem und Ed Harris hochkarätig besetzen Psycho-Horrorthriller ins Rennen, während George Clooney nach einem Drehbuch, an dem auch die Coen-Brüder mitschrieben, mit «Suburbicon» ein in einer scheinbar idyllischen amerikanischen Vorstadt der 1950er Jahre spielendes dunkles Drama vorlegt. Auch hier kann sich die Besetzung mit Matt Damon, Woody Harrelson und Julianne Moore sehen lassen.

Mit Paul Schraders Thriller «First Reformed», Guillermo del Toros Fantasyfilm «The Shape of Water» und «Ex Libris – New York Public Library», dem neuen Dokumentarfilm der auf die Durchleuchtung von Institutionen spezialisierten Direct-Cinema-Legende Frederick Wiseman, sind drei weitere US-Filme in dem 21 Filme umfassenden Wettbewerb vertreten. Diese dürften ebenso wie der Thriller «Three Billboards Outside Ebbing, Missouri», den der Brite Martin McDonagh mit US-Stars und in den USA inszenierte, auch einen starken Akzent in Richtung Genrekino, aber kaum filmisch Innovatives oder Überraschendes bringen.

Gewohnt stark präsent ist am Lido aber natürlich auch Italien. Eine fixe Größe im italienischen Kino ist inzwischen Paolo Virzi, der mit «The Leisure Seeker» seinen ersten englischsprachigen - und zur Gänze in den USA gedrehten - Film vorlegt, während die Brüder Manetti, die «Amore e Malavita» vorstellen und Sebastiano Riso, der mit «Una famiglia» eingeladen wurde, zumindest international noch wenig bekannt sind. Zu den aufstrebenden italienischen Talenten zählt auch der 35jährige Andrea Pallaoro, der mit «Hannah» seinen zweiten Spielfilm zeigt.

Mit insgesamt zehn Produktionen bestreiten die USA und Italien allein schon fast den halben Wettbewerb, dazu kommen als Schwergewichte noch drei französische Filme. Cannes-Sieger Abdellatif Kechiche meldet sich mit dem ersten Teil des auf zwei Teile angelegten «Mektoub, My Love» zurück, Robert Guediguian zeigt «La villa» und der Schauspieler Xavier Legrand mit «Jusqu´á la garde» sein Langfilmdebüt als Regisseur.

Auf einen Mix aus bekannten Regisseuren und jüngeren Talenten scheint die Auswahl insgesamt abzuzielen. Zu letzteren ist der Australier Warwick Thornton zu rechnen, der mit «Sweet Country» einen im australischen Northern Territory spielenden «Western» präsentiert, während mit Hirokazu Kore-eda, der bislang Stammgast in Cannes war, auch ein erfahrener Meister aus Japan eingeladen wurde («The Third Murder»).

Gespannt sein darf man auch, was der Brite Andrew Haigh, dessen Stern vor zwei Jahren bei der Berlinale mit «45 Years» aufging, mit «Lean on Pete» seinem meisterlichen Ehedrama folgen lässt, und was der Israeli Samuel Maoz acht Jahre nach seinem Venedig-Sieger «Lebanon» mit «Foxtrot» präsentiert.

Nicht übersehen sollte man freilich auch die außer Konkurrenz präsentierten Filme, unter denen sich unter anderem neue Werke des Briten Stephen Frears («Victoria and Abdul»), der Argentinierin Lucrecia Martel («Zama»), des amerikanischen Dokumentarfilmers Errol Morris («Wormwood»), des Spaniers Fernando León de Aranoa («Loving Pablo») oder des Schweiz-Italieners Silvio Soldini («Il colore nascosto delle cose») finden.

Dazu kommen mit «Orizzonti» und «Venice Days» weitere Programmschienen, in denen oft interessantere Entdeckungen gemacht werden können als im Hauptprogramm. Spannend freilich auch zu sehen, welche Filme Venedig nicht bekam oder nicht wollte und nun in Toronto ihre Premiere feiern werden. Der Bogen spannt sich hier von Joe Wrights Churchill-Film «The Darkest Hour» über Scott Coopers Western «Hostiles» und Joachim Triers «Thelma» bis zu Wim Wenders` «Submergence». Die Premieren von Richard Linklaters «Last Flag Flying», einer Fortsetzung von Hal Ashbys 1973 entstandenem «Das letzte Kommando» und Woody Allens «Wonder Wheel» hat sich dagegen das im Oktober stattfindende New York Filmfestival als Eröffnungs- bzw. Abschlussfilme gesichert.

La Biennale di Venezia
Lungomare Marconi
I-30126 Lido di Venezia
T: +39 41 5218878
F: +39 41 5227539
E: cinema@labiennale.org
W: http://www.labiennale.org
  • Downsizing (Alexander Payne)
  • Suburbicon (George Clooney)
  • First Reformed (Paul Schrader)
  • The Shape of Water (Guillermo del Toro)
  • The Leisure Seeker (Paolo Virzi)
  • Lean on Pete (Andrew Haigh)
  • Victoria and Abdul (Stephen Frears)
La Biennale di Venezia
Lungomare Marconi
I-30126 Lido di Venezia
T: +39 41 5218878
F: +39 41 5227539
E: cinema@labiennale.org
W: http://www.labiennale.org

artCore

Verein zur Förderung von
Online-Kulturberichterstattung
und Kunstpräsentationen im Internet

Kontakt

Schendlinger Straße 2, A-6900 Bregenz
T +43 (0)5574 85362
info@kultur-online.net

Kultur-Online Schweiz
T +41 (0)79 437 79 33
kapi@kultur-online.net

©artCore 2001-2016. Alle Rechte vorbehalten. Nutzung ausschließlich für den privaten Eigenbedarf. Eine Weiterverwendung und Reproduktion über den persönlichen Gebrauch hinaus ist nicht gestattet.