The Wicker Man

24.08.2017 Walter Gasperi

Ein streng katholischer britischer Polizeibeamter soll auf einer schottischen Insel im Fall eines vermissten Mädchens ermitteln. Robin Hardys 1973 gedrehter und Kultstatus genießender kühner Mix aus Krimi, Horrorfilm und Musical ist bei Studiocanal auf DVD und Blu-ray erschienen.


Genau datiert wird die Handlung am Beginn auf Sonntag, den 29. April 1973, doch dies wird das einzige Insert bleiben. Mit seinem Besuch bei der Messe und der Kommunion wird der Polizist Neil Howie (Edward Woodward) als gläubiger Katholik vorgestellt, erst danach setzen die Vorspanntitel ein.

Aufgrund eines anonymen Briefs, in dem vom Verschwinden eines Mädchens berichtet wird, begibt sich Howie per Wasserflugzeug auf die abgelegene schottische Insel Summerisle. Dort will aber niemand etwas von dem Mädchen wissen, Howie stößt dafür auf der Insel, die ganz unter dem Einfluss des von «Dracula»-Star Christopher Lee gespielten Lord Summerisle steht, überall auf heidnische Fruchtbarkeitsrituale und Opferkulte. Als er dann doch noch die Gesuchte findet, muss er erkennen, dass er einer großen, von langer Hand geplanten Täuschung aufgesessen ist...

Aus jedem Rahmen fällt Robin Hardys 1973 entstandener Kultfilm. Kühn baut er in die Krimi- und Horrorhandlung immer wieder im Stil eines Musicals Songs mit zweideutig-obszönen Texten ein. Statt über christliche Werte werden die Kinder schon in der Volksschule über Phallussymbole und Kopulation belehrt, ausgelassen wird um den Maibaum, der ein Fruchtbarkeitssymbol darstellt, getanzt, auf Feldern und auf dem Friedhof versammeln sich nackte junge Frauen und im Finale trifft sich die ganze Gemeinschaft mit Tierköpfen als Gesichtsmasken zu einer großen Prozession.

Nicht in der Dunkelheit und im Geheimen entwickelt sich hier der Horror, sondern der Schrecken entfaltet sich für Howie und den Zuschauer bei hellem Tag und in der Öffentlichkeit. Auf Gewaltakte kann Hardy dabei getrost verzichten, denn er löst Verstörung allein durch diese Welt aus, die in völligem Gegensatz zu Howies christlichen Vorstellungen steht.

Konsequent mit seinen Augen taucht man in dieses heidnische Treiben ein, das auch von der sexuellen Revolution der späten 1960er Jahre beeinflusst ist. Doch ist dieser Ermittler zunächst ein Sympathieträger, so beginnt man mit Fortdauer auch auf ihn kritisch zu blicken und seine religiösen Überzeugungen in Frage zu stellen.

Sukzessive steigert sich bei dem im Grunde bewusst einfach gemachten und geradlinig erzählten Film so die Handlung, entwickelt sich auf die große Prozession hin, an deren Ende der gewaltige Wicker Man angezündet und ein Opfer für den Sonnengott dargebracht wird, um nach einer Missernte im Vorjahr nun eine gute Ernte zu sichern.

Die bei Studiocanal erschienenen DVD und Blu-ray verfügen über die englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Neben der 88-minütigen Kinofassung wird auch der fünf Minuten längere Final Cut sowie der 100-minütige Director´s Cut angeboten. Die Extras umfassen neben dem Trailer Features zur Wertschätzung und Bedeutung dieses Kultfilms, zur Restaurierung und zur Filmmusik sowie ein rund 20-minütiges Interview mit Regisseur Robin Hardy.

Trailer zu «The Wicker Man»

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