Freud, Adorno & Trump

23.07.2017 Haimo L. Handl
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Viele führen die Ausfälle Donald Trumps auf seine Person zurück und sind versucht, das Phänomen weniger politisch, gesellschaftlich zu deuten, sondern eher personenbezogen, psychologisch. Eine völlig falsche Einschätzung. In Trump zeigt sich das System ohne Maske, entblößt sich der faschistische Kern des Ausbeutesystems, das Zusammenwirken der Institutionen in diesem Prozess, gestützt von einer Mehrheit, die weder demokratisch noch gebildet ist. All dies psychologisch abtun zu wollen, kommt einer fatalen Verniedlichung gleich, die eigentlich eine Kollaboration mit den primitiven faschistischen Kräften und Strömungen darstellt.


Interessant scheint mir in diesem Zusammenhang eine Arbeit von Theodor W. Adorno (1903-1969), der als Emigrant von 1938 bis 1953 in den USA weilte, dort eine seiner intensivsten Arbeitsphasen erlebte, und als sensibler Beobachter und Kritiker sich nicht blenden ließ, nämlich sein Aufsatz „Freudian Theory and the Pattern of Fascist Propaganda“, der 1951 in den USA publiziert wurde, in den Gesammelten Schriften von Adorno im Band 8 zu finden ist; eine deutsche Übersetzung liegt in der Publikation „Kritik. Kleine Schriften zur Gesellschaft“ vor, die 1971 bei Suhrkamp erschien (es 469).

Adorno, der Freud (1856-1939) und der Psychoanalyse sehr kritisch gegenüberstand, lobte dennoch den Weitblick des Psychologen, den er vor allem in seiner „Massenpsychologie und Ich-Analyse“ (1921) und „Das Unbehagen in der Kultur“ (1930) ausmachte. (Beide Schriften als Einzelpublikationen erhältlich bzw. im Band 9 der Studienausgabe der Werke Freuds im Fischer Verlag bzw. online im Projekt Gutenberg.)

Adorno war nicht borniert, wie viele seiner Zeitgenossen, die das Übel besonders oder nur im Faschismus des Nationalsozialismus erkannten. Er nahm auch sein Gastland, die USA, von der Kritik nicht aus, ein Umstand, den später die meisten unter dem Diktat der von der westlichen Leitmacht vorgegebenen Politik folgsamen oder kuschenden Intellektuellen nicht (mehr) wagten. Auch seine prononcierte Kritik am realen Sozialismus bzw. Kommunismus gehört in diesen Zusammenhang. Weiters wären jene Stimmen zu beachten, die wohl die USA kritisierten, aber dem Mythos Mao, des damals für Linke vielversprechenden Vorsitzenden und Führers , kritiklos sich unterwarfen, so dass die Millionen von Opfern, die aus seinen menschenverachtenden Maßnahmen resultierten, einfach weggezählt oder übersehen wurden in einer selbst verächtlichen Pseudorationalisierung.

Es mag viele, die Freud lesen oder wieder lesen, also einer Relektüre unterziehen, überraschen, wie plausibel er die Entindividualisierung jener erfasste und beschrieb, die sich einem Führer unterwerfen, sich ihm anvertrauen und ihm willig folgen. Was nicht nur für die totalitären Gesellschaften von damals galt, sondern sich eben auch in so hochentwickelten Gesellschaften wie den USA zeigte und zeigt, was wir im sogenannten Mutterland der Demokratie, Großbritannien mit Schrecken feststellen müssen, was die meisten moslemischen Gesellschaften traurig unter Beweis stellen: ohne den Futterstoff der Depravierten oder Degenerierten (bzw., um korrekt zu sein, jenen, die sich nie zu Persönlichkeiten zu generieren vermochten, denn De-Generation setzt ja Generation voraus!), der willigen Mitläufer, der fanatischen Aktionisten, könnte kein Regime sich durchsetzen, wie es tatsächlich erfolgt. Freuds Schlüsse und Erklärungen können auch gegenwärtig viel aufhellen und klären. Einen solchen Aufhellungsversuch unternahm eben Adorno.

    Even if one were to assume that archaic, pre-individual instincts survive, one could not simply point to this inheritance but would have to explain why modern men revert to patterns of behavior which flagrantly contradict their own rational level and the present stage of enlightened technological civilization. This is precisely what Freud wants to do. He tries to find out which psychological forces result in the transformation of individuals into a mass. «If the individuals in the group are combined into a unity, there must surely be something to unite them, and this bond might be precisely the thing that is characteristic of a group.» This quest, however, is tantamount to an exposition of the fundamental issue of fascist manipulation. For the fascist demagogue, who has to win the support of millions of people for aims largely incompatible with their own rational self-interest, can do so only by artificially creating the bond Freud is looking for. If the demagogues' approach is at all realistic – and their popular success leaves no doubt that it is – it might be hypothesized that the bond in question is the very same the demagogue tries to produce synthetically; in fact, that it is the unifying principle behind his various devices.
    Adorno: Freudian Theory and the Pattern of Fascist Propaganda. In: GS 8, S. 412

    Was hier massenpsychologisch und soziologisch dargelegt wird, spricht ein zentrales Problem an: wie kommen Leute dazu Ziele zu verfolgen, die ihren eigenen Interessen zuwider handeln, die sich schlussendlich schädigen und schwächen? Die kapitalistische Produktionsweise, das instrumentalisierte Konsumverhalten, die perpetuierte Unmündigkeit sind nicht nur Begleiterscheinungen, sondern Bedingungen für den Vollzug solch paradoxen, unvernünftigen Verhaltens. Eine Art von Egoismus, eine falsch verstandene Freiheit aus dem Erlebnis der Pseudofreiheit des schier unumschränkten Konsums unterstützt diese Haltung der willigen Ausrichtung und gesellschaftlichen Affirmation.

    Es gab Revolutionen und Revolten. Es gab und gibt Aufstände. Der Faschismus war in einigen Aspekten antikapitalistisch. Aber er war nie revolutionär. (Wobei man mit dem Begriff der Revolution oder revolutionär vorsichtig sein sollte, da der größte Verrat an der Emanzipation gerade durch jene erfolgte, die dieses Programm auf ihre Fahnen hefteten, die Bolschewiki und später die Gefolgsleute von Mao Tse Dung.)

      As a rebellion against civilization fascism is not simply the reoccurrence of the archaic but its reproduction in and by civilization itself. It is hardly adequate to define the forces of fascist rebellion simply as powerful id energies which throw off the pressure of the existing social order. Rather, this rebellion borrows its energies partly from other psychological agencies which are pressed into the service of the unconscious.
      Adorno: Freudian Theory and the Pattern of Fascist Propaganda. In: GS 8, S. 414

    Adorno schält langsam, aber konsequent, die Linie heraus, wie er Freuds Theorie versteht und sie gegenüber Vulgärformen und psychologistische Erklärung abgrenzt. Das politische Phänomen ist keine Sache des ES und seiner Energien, keine bloß psychologisch zu erklärende Verhaltensweise Einzelner, die massiert, in großer Menge, auftreten. Adorno will, mit Hilfe Freuds, die gesellschaftlichen Bedingungen erkunden, die eben zu diesen Phänomenen führen.

      Freud dwells on the fact that in organized groups such as the Army or the Church there is either no mention of love whatsoever between the members, or it is expressed only in a sublimated and indirect way, through the mediation of some religious image in the love of whom the members unite and whose all-embracing love they are supposed to imitate in their attitude towards each other. It seems significant that in today's society with its artificially integrated fascist masses reference to love is almost completely excluded.(10) Hitler shunned the traditional role of the loving father and replaced it entirely by the negative one of threatening authority.
      Adorno: Freudian Theory and the Pattern of Fascist Propaganda. In: GS 8, S. 414-415
      Fußnote 10)

      Perhaps one of the reasons for this striking phenomenon is the fact that the masses whom the fascist agitator – prior to seizing power – has to face, are primarily not organized ones but the accidental crowds of the big city. The loosely knit character of such motley crowds makes it imperative that discipline and coherence be stressed at the expense of the centrifugal uncanalized urge to love. Part of the agitator's task consists in making the crowd believe that it is organized like the Army or the Church. Hence the tendency towards over-organization. A fetish is made of organization as such; it becomes an end instead of a means and this tendency prevails throughout the agitator's speeches.

    Väterchen Stalin, der unberechenbare Tyrann und Massenmörder, war da facettenreicher in seiner Erscheinung. Er wurde nicht nur gefürchtet und verehrt, sondern auch geliebt. Interessant auch die Rolle vom Führer und Vorsitzenden Mao Tse Dung, der noch mehr Tote auf dem Gewissen hat (was völlig irrelevant ist, weil er, wie die anderen Diktatoren, kein Gewissen hatte, das ihn gemildert hätte, sondern eines, das ihn im Bösen bestärkte, wie auch Trump in den USA von seiner Korrektheit und seinem «Auftrag» unkritisch überzeugt ist – wie das wohlwollende Mitwirkern eines Teils der Massenmedien und die Mehrheit in Repräsentantenhaus bzw. Senat (mit ganz wenigen Ausnahmen und Abweichungen) unter Beweis stellt.

      It is one of the basic tenets of fascist leadership to keep primary libidinal energy on an unconscious level so as to divert its manifestations in a way suitable to political ends. The less an objective idea such as religious salvation plays a role in mass formation, and the more mass manipulation becomes the sole aim, the more thoroughly uninhibited love has to be repressed and moulded into obedience. There is too little in the content of fascist ideology that could be loved.
      Adorno: Freudian Theory and the Pattern of Fascist Propaganda. In: GS 8, S. 415
      Die Verwandlung der Liebe, die Kanalisierung und Instrumentalisierung libidinöser Objektbesetzung in Gehorsam als Form von unterwerfender Folgschaft, Gefolgschaft, zeigt schon die Problematik des Begriffs Verantwortung und Pflicht, des Wechselbezugs von Pflichterfüllung einerseits (man denke an Hannah Arendts Deutung von Eichmanns Verhalten als typisch Banalem (Bösen), und dem Umerziehen des Subjekts, die re-education, wie sie George Orwell (1903-1950) ein seiner Dystopie „1984“ schildert, wo Winston lernt, den Großen Bruder, den Führer, bedingungslos zu lieben.

        By the measures that he takes, the hypnotist awakens in the subject a portion of his archaic inheritance which had also made him compliant towards his parents and which had experienced an individual re-animation in his relation to his father: what is thus awakened is the idea of a paramount and dangerous personality, towards whom only a passive-masochistic attitude is possible, to whom one's will has to be surrendered, – while to be alone with him, ›to look him in the face‹, appears a hazardous enterprise. It is only in some such way as this that we can picture the relation of the individual member of the primal horde to the primal father ... (…)

        The primal father is the group ideal, which governs the ego in the place of the ego ideal. Hypnosis has a good claim to being described as a group of two; there remains as a definition for suggestion – a conviction which is not based upon perception and reasoning but upon an erotic tie. This actually defines the nature and content of fascist propaganda.
        Adorno: Freudian Theory and the Pattern of Fascist Propaganda. In: GS 8, S. 415

      Jeder große Führer erscheint als omnipotenter Übervater. Er kann sich auf die lange Gewöhnung an dieses Hoffnungsbild halten, welches die Religionen seit je installiert und gepflegt haben und weiter aufrecht halten.

        Fascist agitation is centered in the idea of the leader, no matter whether he actually leads or is only the mandatary of group interests, because only the psychological image of the leader is apt to reanimate the idea of the all-powerful and threatening primal father. This is the ultimate root of the otherwise enigmatic personalization of fascist propaganda, its incessant plugging of names and supposedly great men, instead of discussing objective causes.
        Adorno: Freudian Theory and the Pattern of Fascist Propaganda. In: GS 8, S. 417

      Das Moment der Personalisierung, penetrant von Hitler und Stalin, bald darauf von Mao gepflegt, wird heute in modernisierter Form generell angewandt: es gelten immer weniger Sachverhalte, sondern Personen, Persönlichkeiten und Kontakte (Beziehungen, Bezüge). In dem Maße, wie diese Personalisierung voranschreitet, fortschreitet, schwächt sie das kritische Denkvermögen, verblendet in einem Falschverständnis von Beziehungen („likes“, Liebe, Anerkenntnis, Bedeutung) Qualität und Quantität von Sozialem, Gesellschaftlichem und Individuellem.

      Es werden ja nicht nur Namen genannt, es wird nicht nur auf anerkannte Persönlichkeiten fokussiert, sondern auf nationale Leistungen, auf hohe Standards und die Gefahr wegen ausländischer Einmischung, wegen Feinden im Äußeren und Inneren, das nationale Wohl zu gefährden, zu schmälern oder gar zu verlieren («America first!»). Jeder Erfolg, Industrialisierung, Produktivität, Profite, dient als Ausweis und Legitimation für den eingeschlagenen Weg, das galt für Hitler und Stalin und Mao, der aber nicht nur wie Stalin oder Hitler jede Kritik verhinderte, sein eigenes Land nachhaltig schwächte. Das Resultat war zwar nicht die völlige Zerstörung, wie das Hitler für Deutschland schaffte, von dessen Regime nur die bedingungslose Kapitulation übrig blieb, der aber unfreiwillig die Grundlagen für den ungezügelten, ausbeuterischen Kapitalismus schuf, der die Eliten enorm reich machte und jede Kritik von außen, z. B. an den notorischen Menschenrechtsverletzungen, effektiv eliminierte bzw. zu leeren Worten gerinnen ließ.). Ähnliches gilt auch für eine kleine Figur wie den Pascha vom Bosporus, Erdogan, es gilt vollinhaltlich für den Rülpel, Rassisten und Frauenfeind Trump.

        Moreover, the primitively narcissistic aspect of identification as an act of devouring, of making the beloved object part of oneself, may provide us with a clue to the fact that the modern leader image sometimes seems to be the enlargement of the subject's own personality, a collective projection of himself, rather than the image of the father whose role during the later phases of the subject's infancy may well have decreased in present- day society. All these facets call for further clarification. The essential role of narcissism in regard to the identifications which are at play in the formation of fascist groups, is recognized in Freud's theory of idealization.
        Adorno: Freudian Theory and the Pattern of Fascist Propaganda. In: GS 8, S. 418
        Dass die Einverleibung, das Auffressen, nicht nur für Märchengestalten gilt, sondern konkreter Teil gewisser religiöser Ansichten und Übungen ist, beweist der heilige Akt der Kommunikation, in welchem Gläubige, ähnlich wie Kannibalen, den Leib ihres Gottes essen, also sich einverleiben.

          This, again, falls in line with the semblance of the leader image to an enlargement of the subject: by making the leader his ideal he loves himself, as it were, but gets rid of the stains of frustration and discontent which mar his picture of his own empirical self. This pattern of identification through idealization, the caricature of true, conscious solidarity, is, however, a collective one. It is effective in vast numbers of people with similar characterological dispositions and libidinal leanings. The fascist community of the people corresponds exactly to Freud's definition of a group as being «a number of individuals who have substituted one and the same object for their ego ideal and have consequently identified themselves with one another in their ego.» The leader image, in turn, borrows as it were its primal father-like omnipotence from collective strength.
          Adorno: Freudian Theory and the Pattern of Fascist Propaganda. In: GS 8, S. 419

        Die Massenmenschen lieben weniger den Führter, den Übervater, als sich selbst über die Projektionsfigur, die der Führer vermittelt. Das könnte erklären, weshalb so viele Frauen den Frauenfeind Trump «lieben» und verehren, ähnlich jenen Frauen, die einem inneren Strafbedürfnis folgend die Nähe oder Gemeinschaft mit Männern suchen, die sie erniedrigen, schlagen oder missbrauchen.

        Adorno spricht die Nähe der amerikanischen Faschisten zu den Nationalsozialisten, vor denen er nach Amerika geflohen war, unverhüllt aus. Sie gilt heute unter Trump, nach dem Niedergang des letzten Restes von demokratischer Rechtsstaatlichkeit, mehr als je zuvor.

          Freud's psychological construction of the leader imagery is corroborated by its striking coincidence with the Fascist leader type, at least as far as its public build-up is concerned. His descriptions fit the picture of Hitler no less than idealizations into which the American demagogues try to style themselves.
          Adorno: Freudian Theory and the Pattern of Fascist Propaganda. In: GS 8, S. 419

        Der Führer erscheint “menschlich”, als jemand, der einerseits (schier) allmächtig ist, andererseits menschliche Züge aufweist, gewisse Schwächen hat, also den Folgsamen, den Mitläufern, den Unteren gar nicht so unähnlich. Trump erscheint, obwohl obszön reich, den Bergarbeitern als einer der ihren…

          One of the most conspicuous features of the agitators' speeches, namely the absence of a positive program and of anything they might «give,» as well as the paradoxical prevalence of threat and denial, is thus being accounted for: the leader can be loved only if he himself does not love. Yet, Freud is aware of another aspect of the leader image which apparently contradicts the first one. While appearing as a superman, the leader must at the same time work the miracle of appearing as an average person, just as Hitler posed as a composite of King-Kong and the suburban barber. This, too, Freud explains through his theory of narcissism.
          Adorno: Freudian Theory and the Pattern of Fascist Propaganda. In: GS 8, S. 420

        In den christlichen Religionen stellt Jesus als Mensch gewordener Gottessohn diese normale Menschennatur dar, die menschlich leiden und lieben kann, die als Mittler zwischen dem Vater, dem Herrn, dem Urvater, dient und trotzdem göttlich ist. Er ist übermenschlich und gleichzeitig menschlich. Freuds Erklärung dieses Phänomens mit seinem Narzismusbegriff stieß von Beginn an auf heftige Kritik der Religiösen.

          Even the fascist leader's startling symptoms of inferiority, his resemblance to ham actors and asocial psychopaths, is thus anticipated in Freud's theory.
          Adorno: Freudian Theory and the Pattern of Fascist Propaganda. In: GS 8, S. 421

        Trump tritt auf als ungebildeter Macho, ein wüster Rülpel, erscheint in seiner Körpersprache wie ein fletschender Pavian, während ein Berufsschauspieler wie Reagan freundlich erschien und die Strohmannfunktion des Staatsführers effektiv erfüllte. Reagan trug zur Maskierung des Ausbeutesystems bei, während Trump die Masken fallen ließ bzw. nie auf- und annahm. Wie man Hitlers «Mein Kampf» damals keine entsprechende Beachtung schenkte, wird den Äußerungen Trumps und seinen Verhaltensweisen unkritisch begegnet. Die Kollaboration von damals ähnelt jener von heute. Wer sich wundert, dass oder wie z.B. Bergarbeiter im reichen Trump ein Vorbild, ein positives Versprechen sehen können, sollte folgende Sätze bedenken:

          Accordingly, one of the basic devices of personalized fascist propaganda is the concept of the «great little man,» a person who suggests both omnipotence and the idea that he is just one of the folks, a plain, red-blooded American, untainted by material or spiritual wealth. Psychological ambivalence helps to work a social miracle. The leader image gratifies the follower's twofold wish to submit to authority and to be the authority himself. This fits into a world in which irrational control is exercised though it has lost its inner conviction through universal enlightenment.
          Adorno: Freudian Theory and the Pattern of Fascist Propaganda. In: GS 8, S. 421

        Man kann im Internet die vielen Auftritte und Beschwörungen der kleinen Leute, the great little men, der Unterschichtler, an die Trump sich wie ein Schmierenkomödiant wendet, nachverfolgen. Wenn man sich klar macht, dass diese dummen, verblendeten, ungebildeten Horden einem ebenso ungebildeten, aber smarten Führer zujohlen, ihm bedingungslos folgen, kann einem angst werden vor der Gewalt, die sich da aufbaut. Da ist nichts zufällig oder partikular, da ist System dahinter und darin, da zeigt sich der faschistische Kern Amerikas.

          All the agitators' standard devices are designed along the line of Freud's exposé of what became later the basic structure of fascist demagoguery, the technique of personalization.
          Adorno: Freudian Theory and the Pattern of Fascist Propaganda. In: GS 8, S. 421

        Die Standardwerkzeuge sind alt und erprobt. Die Wirtschaftswerbung gab die Vorlagen, die politische hat sie in ihrer Propaganda ausgefeilt. Dass in den USA, die für viele immer noch als demokratischer Rechtsstaat gelten, die faschistische Ausrichtung tief verankert ist und heute gestärkt wird, zeigt sich nicht zuletzt im notorischen Rassismus gegen Schwarze und Latinos, sondern auch im inhumanen Umgang mit Minderheiten, im schnöden Verhalten nicht nur depravierter Unterschichtler, sondern typischer Mittelklassevertreter, die ihr früher als paradiesisch gedeutetes Leben gefährdet sehen und ihre Angst typischerweise nicht gegen die Hochfinanz, Großunternehmen, Banken und Versicherer richten, die sie zugrunderichten, sondern an Minderheiten, an Sündenböcken auslassen und dabei das Regime der Kriegstreiber und Ausbeuter absichern und stärken.

          The tendency to tread on those below, which manifests itself so disastrously in the persecution of weak and helpless minorities, is as outspoken as the hatred against those outside. In practice, both tendencies quite frequently fall together. Freud's theory sheds light on the all-pervasive, rigid distinction between the beloved in-group and the rejected out-group.
          Adorno: Freudian Theory and the Pattern of Fascist Propaganda. In: GS 8, S. 422

        Adorno liefert noch eine Beobachtung, die bemerkenswert ist:

          Already in 1921 he [Freud] was therefore able to dispense with the liberalistic illusion that the progress of civilization would automatically bring about an increase of tolerance and a lessening of violence against out-groups.
          Adorno: Freudian Theory and the Pattern of Fascist Propaganda. In: GS 8, S. 422-423

        Das erschüttert die vulgäre Theorie, dass Wohlstand Faschismus verhindere. Wohlstand hat in den USA weder den Ku Klux Klan verhindert, noch die faschistoide Kirche der Scientologen. Und das Phänomen Trump wird ja nicht nur von den Unterschichtlern getragen, sondern zuerst vom Apparat, der weite Teile der Bevölkerung über Jahrzehnte in eine Lage brachte, die die Herausbildung des primitiven Faschisten begünstigt. Wohlstand mindert zwar die akute Gefahr, bedarf aber zusätzlicher Bildungsanstrengungen und einer anderen, menschenwürdigen Politik, um tiefgreifende, nachhaltige Änderungen zu erreichen. Da dies nicht und nirgends geschieht, ist nicht zu erwarten, dass wir bald eine menschenwürdige Gesellschaft haben werden.

          «The leader or the leading idea might also, so to speak, be negative; hatred against a particular person or institution might operate in just the same unifying way, and might call up the same kind of emotional ties as positive attachment.» It goes without saying that this negative integration feeds on the instinct of destructiveness to which Freud does not explicitly refer in his Group Psychology, the decisive role of which he has, however, recognized in his Civilization and Its Discontent. In the present context, Freud explains the hostility against the out-group with narcissism:
          In the undisguised antipathies and aversions which people feel towards strangers with whom they have to do we may recognize the expression of self-love – of narcissism. This self-love works for the self-assertion of the individual, and behaves as though the occurrence of any divergence from his own particular lines of development involved a criticism of them and a demand for their alteration.
          Adorno: Freudian Theory and the Pattern of Fascist Propaganda. In: GS 8, S. 424

        Dem vernünftig Denkenden bzw. dem aufmerksamen Beobachter haben organisierte Religionen immer schon ein Paradebeispiel solchen Verhaltens geliefert. Allein schon die Existenz eines Andersgläubigen oder gar Ungläubigen erzürnt den Gläubigen, rechtfertig sein Mordprogramm, seine Maßnahmen zur Purifikation im Namen Gottes (seines Gottes). Das beschränkt sich nicht nur auf barbarische Islamisten oder fanatische Moslems.

          The narcissistic gain provided by fascist propaganda is obvious. It suggests continuously and sometimes in rather devious ways, that the follower, simply through belonging to the in-group, is better, higher and purer than those who are excluded. At the same time, any kind of critique or self-awareness is resented as a narcissistic loss, and elicits rage. It accounts for the violent reaction of all fascists against what they deem zersetzend, ...
          Adorno: Freudian Theory and the Pattern of Fascist Propaganda. In: GS 8, S. 424

        Die Art, wie große Teile der Bevölkerung in Russland unter Putin Homosexuelle jagen und verurteilen, wie in Amerika die Religiösen es vermögen, gegen Künstler und Wissenschaftler vorzugehen, die sich kritisch äußern, wie Bibliotheken «gereinigt» werden, neue Bücherverbrennungen stattfinden, all dies zeigt die nervöse Abwehr, ja den tiefen Hass auf das Andere, das Fremde, das Feindliche. Das funktioniert nicht nur in der Türkei, im Iran oder in China bzw. Russland, sondern auch in den USA, Großbritannien und vielen Mitgliedsstaaten der EU.

        Im Beitrag Adornos zu Freuds Theorie und faschistischer Propaganda finden sich noch viele Stellen, die als Belege anzuführen wären. Es empfiehlt sich die eigene Lektüre.

          Even if one were to assume that archaic, pre-individual instincts survive, one could not simply point to this inheritance but would have to explain why modern men revert to patterns of behavior which flagrantly contradict their own rational level and the present stage of enlightened technological civilization. This is precisely what Freud wants to do. He tries to find out which psychological forces result in the transformation of individuals into a mass. «If the individuals in the group are combined into a unity, there must surely be something to unite them, and this bond might be precisely the thing that is characteristic of a group.» This quest, however, is tantamount to an exposition of the fundamental issue of fascist manipulation. For the fascist demagogue, who has to win the support of millions of people for aims largely incompatible with their own rational self-interest, can do so only by artificially creating the bond Freud is looking for. If the demagogues' approach is at all realistic – and their popular success leaves no doubt that it is – it might be hypothesized that the bond in question is the very same the demagogue tries to produce synthetically; in fact, that it is the unifying principle behind his various devices.
          Adorno: Freudian Theory and the Pattern of Fascist Propaganda. In: GS 8, S. 412

        Was hier massenpsychologisch und soziologisch dargelegt wird, spricht ein zentrales Problem an: wie kommen Leute dazu Ziele zu verfolgen, die ihren eigenen Interessen zuwider handeln, die sich schlussendlich schädigen und schwächen? Die kapitalistische Produktionsweise, das instrumentalisierte Konsumverhalten, die perpetuierte Unmündigkeit sind nicht nur Begleiterscheinungen, sondern Bedingungen für den Vollzug solch paradoxen, unvernünftigen Verhaltens. Eine Art von Egoismus, eine falsch verstandene Freiheit aus dem Erlebnis der Pseudofreiheit des schier unumschränkten Konsums unterstützt diese Haltung der willigen Ausrichtung und gesellschaftlichen Affirmation.

        Es gab Revolutionen und Revolten. Es gab und gibt Aufstände. Der Faschismus war in einigen Aspekten antikapitalistisch. Aber er war nie revolutionär. (Wobei man mit dem Begriff der Revolution oder revolutionär vorsichtig sein sollte, da der größte Verrat an der Emanzipation gerade durch jene erfolgte, die dieses Programm auf ihre Fahnen hefteten, die Bolschewiki und später die Gefolgsleute von Mao Tse Dung.)

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