Valerian - Die Stadt der tausend Planeten

25.07.2017 Walter Gasperi

Zwei Spezialagenten sollen im 28. Jahrhundert eine gewaltige Raumstation retten. – Luc Besson bietet in dem mit knapp 200 Milionen Euro Budget teuersten europäischen Film aller Zeiten nach der Science-Fiction-Comic-Serie «Válerian et Laureline» visuell überwältigendes Popcorn-Kino, bei dem die Handlung Nebensache ist.


Schon als Junge war Luc Besson von der seit 1967 erscheinenden Comic-Serie «Válerian et Laureline» (auf Deutsch: «Valerian und Veronique») von Jean-Claude Mézières und Pierre Christin begeistert, doch erst nach seinem Science-Fiction-Film «Das fünfte Element» (1997) begann er mit dem Gedanken einer Verfilmung zu spielen. Ganz heutig wirkt der Film einerseits mit seinen phänomenalen Computertricks, erinnert im unbekümmerten Comic-Stil aber auch an die 1960er Jahre.

Vom Vorspann an entfesselt der 58-jährige Franzose einen Rausch der Bilder und Einfälle der erst gegen Ende an Tempo verliert. Mitreißend spannt er zu David Bowies «Space Oddity» den Bogen der Entwicklung der Raumfahrt und der Begegnungen mit fremden Species von 1975 bis ins 28. Jahrhundert, in dem die Raumstation Alpha in den Weiten des Weltraums kreist.

Doch nicht auf Alpha setzt die Handlung ein, sondern Besson springt auf den paradiesischen Planeten Mül, auf dem die an die Eingeborenen in James Camerons «Avatar» erinnernden Pearls in Einklang mit der Natur leben, bis diese heile Welt durch eine kriegerische Auseinandersetzung zweier Großmachte in Schutt und Asche fällt. – Oder war dies nur ein Traum des Spezialagenten Válerian, der an einem traumhaften Strand erwacht?

Mit seiner Partnerin Laureline soll Valerian jedenfalls auf einem Planeten landen und den entwendeten letzten lebenden Transmutator nach Alpha zurückbringen. Der Coup gelingt, doch auf Alpha warten sogleich weitere gefährliche Aufgaben…

In jeder Szene spürt man das Herzblut, das Luc Besson in dieses Projekt gesteckt hat. Mit Liebe und Lust sind die knallbunten fantastischen Welten und die Fülle an Species (Production-Design: Hugues Tissandier; Kostüme: Olivier Beriot) entworfen. Augenfutter im Übermaß bietet «Valerian - Die Stadt der tausend Planeten» in seiner Fülle und seinem Detailreichtum, lässt den Zuschauer immer wieder staunen und reißt mit seiner visuellen Opulenz mit.

Leicht könnte so ein Film zur sterilen Effekt-Schlacht werden, doch Dane Dehaan als Major Valerian und vor allem das britische Model Cara Delevingne als seine zumindest gleichwertige Partnerin Laureline sorgen dafür, dass der menschliche Aspekt nicht zu kurz kommt. Keine vielschichtigen Charaktere werden hier zwar gezeichnet, doch die Chemie zwischen den lustvoll aufspielenden Hauptdarstellern stimmt und das Geplänkel zwischen dem Frauenheld und der selbstständigen Laureline sorgt für Erdung und Witz.

Stringent wird hier zweifellos nicht erzählt, sondern Besson nützt jeden Moment, um eine neue Species oder einen neuen Schauplatz einzuführen. Schwindelerregend wechselt er zwischen Realität und virtueller Welt, lässt Laureline mit einem U-Boot zwischen Dinosauriern auf Quallen-Jagd gehen und Valerian in ein überbevölkertes Rotlicht-Milieu abtauchen, das an «Blade Runner» erinnert.

Nicht nur der Auftritt Rihannas als Tänzerin, die ihre Gestalt verändern kann, ist reiner Selbstzweck, ohne die Handlung weiterzubringen. Hemmungslos frönt Besson seiner Lust an der visuellen Überwältigung, schreckt im Finale aber auch vor Kitsch und Pathos nicht zurück, wenn plötzlich entschlossen für Pazifismus und Schutz des Universums und der einzelnen Kulturen plädiert wird.

Nicht ganz passen mag dieses ernste Finale zum knallbunten, wunderbar unbeschwerten Popcorn-Abenteuer, das davor geboten wurde, kann aber den Spaß und die Lust an diesen zwei Stunden, die einem die Augen übergehen lassen, aber letztlich freilich auch verpuffen wie eine Seifenblase, nur geringfügig beeinträchtigen.

Läuft derzeit im Cineplexx Hohenems, Cineplexx Lauterach und im Kino Lustenau

Trailer zu «Valerian - Die Stadt der tausend Planeten»

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