Stern des Gesetzes - The Tin Star

03.08.2017 Walter Gasperi

Ein abgebrühter Kopfgeldjäger und ein junger, unerfahrener Sheriff, ein feiges Kleinbürgertum, das unter Führung eines Revolverhelden schnell zum lynchwütigen Mob wird. – Pointierte Gegensätze, vielschichtige Charaktere, treffliche Besetzung und konzentrierte Inszenierung machen Anthonys Manns 1957 entstandenen Western zu einem immer noch starken Filmerlebnis. Bei Schröder Media ist der Klassiker auf DVD erschienen.


Obwohl 1957 gedreht, ist «The Tin Star» schwarzweiß. Der raue und ungeschönte Look, den dieser Western dadurch erhält, passt gut zum pessimistischen Blick Anthony Manns auf die menschliche Gesellschaft.

Klassisch ist der Beginn mit der Ankunft eines Fremden in einer Westernstadt. Ohne Worte kommt Mann dabei aus, beschränkt sich darauf die Reaktionen der misstrauischen Bürger auf die Ankunft des Reiters, der auf seinem Packpferd einen Toten mit sich führt, zu zeigen.

Wenn dieser Morgan Hickman (Henry Fonda) im Büro des Sheriffs ankommt, trifft nicht nur ein erfahrener älterer Mann, der aus Verbitterung zum Kopfgeldjäger wurde, auf einen noch recht hilflosen jungen Vertreter des Gesetzes (Anthony Perkins), sondern damit werden auch die beiden Protagonisten vorgestellt. Trefflich besetzt sind sie mit Henry Fonda und dem etwas linkischen Anthony Perkins.

Wie hilflos dieser Ben Owens ist, wird bald deutlich, als ihn der machtgierige Bart Bogardus, der gern selbst Sheriff wäre und die Stadt kontrollieren will, nach einem Mord an einem Halbblut provoziert und Owens nur dank des Eingreifens Hickmans dem Tod entgeht. Doch der Kopfgeldjäger ist in der Kleinstadt nicht gern gesehen, bekommt weder ein Hotelzimmer noch lässt Bogardus ihn sein Pferd in seinem Mietstall einstellen.

Aufnahme findet er nur bei einer verwitweten jungen Frau und ihrem Sohn, die ebenfalls Ausgestoßene sind, da sie die Frau eines Indianers war und der Junge ein Halbblut ist. Der in seinem Job als Sheriff völlig überforderte Owens bittet dennoch Hickmann um Hilfe.

Im Zentrum steht so eine Lehrer-Schüler-Geschichte, aber Anthony Mann erzählt auch, wie der Kopfgeldjäger zurück in eine bürgerliche Existenz findet, und reflektiert beiläufig über das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft.

Manns Blick auf die Gesellschaft ist dabei die des verbitterten Hickmann, der erkannt hat, dass die Bürger zwar dem Sheriff schmeicheln, solange sie ihn brauchen, ihn aber nicht unterstützen, wenn er selbst Hilfe braucht. Wie Will Kane in Fred Zinnemanns «High Noon» ist auch hier der Sheriff in Notsituationen auf sich gestellt, muss erkennen, dass ihn die Honoratioren der Stadt im Stich lassen, wenn die Masse dem Aufruf des gewalttätigen Bogardus zu Lynchjustiz folgt.

Spiegelbildlich wiederholt sich dabei am Ende das Duell vom Anfang, der Ausgang wird freilich ein anderer sein. Mit Genugtuung kann so auch Hickman schließlich die Stadt wieder verlassen – nun freilich nicht mehr allein.

Wunderbar stringent aufgebaut ist das Drehbuch von Dudley Nichols, prägnant sind die Dialoge, in denen auch trockener Humor nicht fehlt, und variantenreich ist die Filmmusik von Elmer Bernstein. Wie präzise und konzentriert Inszenierung und Bildsprache (Kamera: Loyal Griggs) sind, zeigt sich schon in der Eröffnungsszene, in der innerhalb von wenigen Minuten trefflich die Charaktere und ihre Beziehungen vorgestellt werden.

Zum Meisterwerk wird «The Tin Star» aber vor allem auch dadurch, wie Mann hier einerseits eine ganz einfache Geschichte erzählt, andererseits in dieser ganz selbstverständlich und nie aufgesetzt, aber prägnant und schlüssig grundsätzliche und zeitlose gesellschaftliche Fragen verhandelt.

So geht es um Lernprozesse und das Wachsen eines Mannes, um Ausgrenzung und die Nähe, die sich unter den Ausgegrenzten entwickelt, um die Verführbarkeit der Masse und schließlich um die Heuchelei eines Bürgertums, das Ämter mit dem Nimbus einer großen Ehre versieht, um leichter jemanden für einen ungeliebten und vor allem gefährlichen Job zu finden.

An Sprachversionen verfügt die bei Schröder Media erschienene DVD über die englische Original- und die deutsche Synchronfassung, aber über keine Untertitel. Extras gibt es keine.

Trailer zu «Stern des Gesetzes - The Tin Star»

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