Der wunderbare Garten der Bella Brown - This Beautiful Fantastic

04.07.2017 Walter Gasperi

Eine junge Zwangsneurotikerin entdeckt die Schönheiten des Lebens. – Das Vorbild von «Die fantastische Welt der Amélie» ist unübersehbar und die Geschichte ist vorhersehbar, dennoch bezaubert Simon Abouds Komödie mit ihrer ebenso verspielt märchenhaften wie warmherzigen Inszenierung, schrullig-sympathischen Figuren und einem vorzüglich harmonierenden Cast.


Es hätte nicht des deutschen Titels «Der wunderbare Garten der Bella Brown» bedurft, um Assoziationen an Jean-Pierre Jeunets Welterfolg «Die fabelhafte Welt der Amélie» zu wecken. Schon das Plakat mit einer jungen Frau (Jessica Brown Findlay) mit Pagenschnitt und großen runden Augen orientiert sich unübersehbar an der Rolle, mit der Audrey Tautou 2001 den internationalen Durchbruch schaffte.

Hier wie dort steht auch eine junge Zwangsneurotikerin im Mittelpunkt, doch im Gegensatz zum Franzosen will der Brite Simon Aboud kein vor Einfällen sprühendes inszenatorisches Feuerwerk abbrennen, sondern konzentriert sich ganz auf die Figuren, ihre Gefühle und Interaktionen.

Gemeinsam ist den Filmen aber ein verspielt-märchenhafter Erzählton. Dieser setzt schon mit der Exposition ein, in der ein Off-Erzähler über die wunderbare Rettung des Babys Bella Brown erzählt, das im Winter, in einem Karton ausgesetzt, von Enten gewärmt und schließlich von einem alten Mann entdeckt und in ein Waisenhaus gebracht wurde.

Das Voice-over lässt die Entwicklung bis zum Erwachsenenalter in wenigen Minuten zusammenfassen, ihre im Heim entwickelte Zwangsneurose, bei der sie Bohnen und Karotten beim Essen sorgfältig ordnet, rasch skizzieren. Rasch gibt sich dann auch der Nachbar als Erzähler zu erkennen, wenn «Der wunderbare Garten der Bella Brown» in der Gegenwart ankommt.

Noch verstärkt hat sich inzwischen Bellas Neurose, Ordnung bestimmt ihr Leben, von den im Küchenschrank aufgestellten Dosen bis zu den zahlreichen Zahnbürsten im Bad. Diese Ordnung findet Bella auch in ihrem Beruf in einer Bibliothek, während ihr der wild wuchernde Garten hinter ihrem Haus ein Graus ist. Lebensfreude scheint sie nicht zu kennen, schwarz ist ihre Lieblingsfarbe.

Als ihr aber der Vermieter mit der Kündigung droht, falls sie den Garten nicht innerhalb eines Monats in Ordnung bringt, muss Bella aktiv werden. Einen überraschenden Helfer findet sie dabei in ihrem alten Nachbarn Alfie (Tom Wilkinson), der sich zwar so missmutig und tyrannisch gibt, dass dessen verwitweter Koch Vernon (Andrew Scott) mit seinen zwei Töchtern kündigt und zu Bella überläuft, sich aber als Gartenexperte entpuppt.

Vorhersehbar ist, dass hinter der rauen Schale ein warmer Kern schlummert, der letztlich nur Bella aus ihrem Dornröschenschlaf wecken und ihr die Schönheiten des Lebens bewusst machen will. In Gang gebracht wird diese Entwicklung zudem durch die Begegnung mit dem chaotischen Billy (Jeremy Irvine), der das völlige Gegenteil der Ordnungsfanatikerin ist.

Allzu aufdringlich mögen immer wieder Bezüge zwischen Garten und Leben hergestellt werden, mag die bunte Vielfalt der Pflanzen, die immer auch etwas Chaotisches an sich hat, für die Vielfalt des Lebens herhalten müssen. Etwas aufgesetzt wirkt auch die Liebesgeschichte, die nicht wirklich entwickelt wird, und die Missverständnisse und Wendungen im Finale kommen auch sehr abrupt.

Auch kann man das Fehlen von Ecken und Kanten bedauern, beklagen, dass sich hier Probleme allzu schnell und leicht auflösen, doch in seiner liebevoll-verspielten Inszenierung, im Gespür für den richtigen Ton und der menschlichen Wärme entwickelt Abouds Komödie einen verträumt-märchenhaften Charme, dem man sich nur schwer entziehen kann.

Wie der Brite davon erzählt, dass man im Leben auf Kleinigkeiten achten soll, lebt auch sein Film von kleinen Momenten und dem Blick für Details von der strengen Bibliothekarin und den rigorosen Regeln in der Bibliothek bis zu Billys Metallvogel Luna.
Und wieder verweist natürlich auch dieser Vogel auf das Fliegen, das Bella erst lernen muss. Gleichzeitig beschwört Aboud aber auch die Kraft der Fantasie, wenn er seine Protagonistin für den Vogel eine Geschichte erfinden und ihren Nachbarn aus seinem Leben und von seinen Reisen erzählen lässt.

Im Zentrum stehen aber immer die prägnant gezeichneten, etwas schrulligen, aber immer liebenswürdigen Figuren. Mit viel Herzblut und sichtlichem Vergnügen spielen Jessica Brown Findlay (Bella), Tom Wilkinson (Alfie) und Jeremy Irvine (Billy) ihre Rollen und lassen sie einem rasch ans Herz wachsen.

Läuft derzeit im Metrokino Bregenz (Deutsche Fassung) und im Rahmen des TaSKino Feldkirch im Kino Rio (engl. O.m.U.)

Trailer zu «Der wunderbare Garten der Bella Brown»

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