Wonder Woman

27.06.2017 Walter Gasperi

Patty Jenkins mixt in ihrer Comic-Verfilmung leichthändig spektakuläres Action-Kino mit starker feministischer Note und Diskurs über das ambivalente Wesen des Menschen. – Das ergibt nicht zuletzt dank einer physisch sehr präsenten und ausdrucksstarken Hauptdarstellerin starkes Blockbuster-Kino, das nicht nur viel Augenfutter bietet, sondern auch inhaltlich zu überzeugen weiß.


Rund 20 Jahre hat es gebraucht, bis die 1941 vom Psychologen und Feministen William Moulton Marston geschaffene DC-Comicfigur Wonder Woman einen eigenen Film bekam. Nie wird die Titelfigur freilich so genannt, sondern heißt immer nur Diana. Ist sie zunächst auf dem idyllischen Inselkönigreich Themyscira noch Prinzessin, wird aus dem Titel in der bürgerlichen Welt des Englands des Ersten Weltkriegs zudem der Nachname Prince. - Ein Glücksgriff ist die Besetzung dieser Heldin mit Gal Gadot. Die in Israel geborene Wahl-Londonerin überzeugt mit enormer physischer Präsenz und Charisma.

Nur unter Frauen wächst Diana im Amazonenreich auf. Begleitet vom Voice-over der Amazonenkönigin Hippolyta (Connie Nielson) wird in imposanten Bildern, die stilistisch klassische Gemälde kopieren, die Vorgeschichte vom Kampf zwischen dem Göttervater Zeus und seinem kriegerischen Sohn Ares, der die Vernichtung der Menschheit anstrebt, erzählt.

Rasant wird auch die Entwicklung Dianas vom kampfbegeisterten Mädchen zur Kriegerin zusammengefasst. Klassisches Abenteuerkino wird hier geboten, allerdings mit dem kleinen Unterschied, dass man ausschließlich Frauen reiten, kämpfen und mit dem Bogen schießen sieht. Entschieden sagt hier Jenkins ihren Geschlechtsgenossen: Seht her, ihr könnt das auch!

Abrupt bricht in diese utopische – scheinbar außerhalb von Raum und Zeit liegende - Frauengesellschaft mit dem Absturz einer britischen Militärmaschine der Erste Weltkrieg ein. Diana kann den Piloten Steve Trevor (Chris Pine) retten, doch dicht auf den Fersen sind ihm deutsche Soldaten, die in einer blutigen Schlacht von den Amazonen mit ihren Pfeilen besiegt werden.

Wie in dieser Kampfszene Mythos und Geschichte aufeinandertreffen, so wird auch später der Mythos in der historischen Ebene präsent bleiben. Denn Diana verlässt mit Steve die Insel, um den Ersten Weltkrieg zu beenden und Kriegsgott Ares, den sie für den Urheber des Krieges hält zu töten.

Leichthändig verknüpft Patty Jenkins, die seit ihrem großartigen Spielfilmdebüt «Monster» (2003) nur noch fürs Fernsehen gearbeitet hat, aber nicht nur diese Ebene, sondern stellt geschickt auch der ganz den Frauen gehörenden, friedlichen und sommerlich lichtdurchfluteten Insel Themyscira das in kaltes Blau und Grau getauchte London der Kriegszeit und später die matschigen Schlachtfelder der Westfront gegenüber.

Die weibliche Note zeigt sich freilich auch, wenn Diana in London vielfältige Formen der Unterdrückung der Frau entdeckt und diese in Frage stellt, den Job der Sekretärin beispielsweise mit Sklaverei vergleicht, über die ihre Kampfbewegungen und auch ihre Freiheit einengenden Modevorschriften staunt oder verständnislos auf den Ausschluss von Besprechungen zur militärischen Lage reagiert.

Witz und weibliches Engagement gehen hier Hand in Hand, ehe es in Begleitung von drei schrulligen Kumpanen Steves auf die Schlachtfelder an der Westfront geht. Doch auch hier ist die Hand einer Frau spürbar, wenn dem männlichen Kämpfertum wiederum Dianas Mitgefühl mit den Verletzten und ihr Einsatz für die leidende Zivilbevölkerung gegenübergestellt wird. Um Kriege ein für alle Mal zu beenden, zieht sie dennoch in den Kampf.

Ein wirkungsvoller Kontrast ergibt sich dabei daraus, dass Diana mit Schild, Schwert, Lasso und Armmanschetten, die Kugeln abwehren, gegen Maschinengewehre und Granatwerfer kämpft. Zwiespältig wirkt dieses humanistisch-pazifistische Engagement freilich angesichts der mächtigen Schlachten, die auch in dieser Comicverfilmung nicht fehlen.

Gleichzeitig entwickelt «Wonder Woman» gerade in diesem Finale auch philosophische Tiefe, wenn sich als größter Feind, wahrer Kriegstreiber und eigentlicher Kriegsgott Ares ein scheinbar unbedarfter Beamter entpuppt. Da muss Diana zwar erkennen, dass der Mensch nicht nur gut ist, dass er auch zerstörerisch und gewalttätig ist, dennoch setzt sie sich für die Menschheit ein: Auch in diesem trotz aller negativen Seiten des Menschen trotzigen und entschlossenen Ja zum Menschen ist «Wonder Woman» ein starker Film.

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