Der Pakt mit dem Teufel

22.06.2017 Walter Gasperi

René Clairs 1950 entstandene Verfilmung der Geschichte von Doktor Faust, der Mephisto seine Seele verkauft, gehört zu den besten Adaptionen des klassischen Stoffs. Bei Studiocanal ist der stimmungsvoll inszenierte und von den beiden lustvoll aufspielenden Hauptdarstellern Gérard Philipe und Michel Simon getragene Film auf DVD erschienen.


Von F.W. Murnaus spektakulärem und bildmächtigem Stummfilm «Faust» (1926) bis zu Alexander Sokurovs höchst eigenwilliger Adaption im Jahre 2011 spannt sich der Bogen der Adaptionen des legendären Faust-Stoffs. Im Gegensatz zu Gustav Gründgens/Peter Gorskis berühmter Verfilmung einer Theaterinszenierung von Goethes Tragödie (1960)orientiert sich René Clair an der Legende und befreit seinen Film damit auch von allem Theaterhaften.

In einer langen Plansequenz gleitet die Kamera durch die Studierstube des Doktor Heinrich Faust (Michel Simon), um dann mit dem Diener des Gelehrten auf den Marktplatz zu blicken, auf dem eine Gruppe von Schaustellern halt macht. Dem Leben für die Wissenschaft, das sich in einer Kammer abspielt, wird so schon in den ersten Einstellungen ein bewegtes und freies Leben, in dessen Mittelpunkt Genuss und Spiel stehen, gegenübergestellt.

Der alte Gelehrte will sich nun von seiner Tätigkeit an der Universität zurückziehen, sich ganz dem Studium widmen, doch immer wieder läuft ihm Mephisto in Gestalt seines jungen Alter egos (Gérard Philipe) über den Weg. Mephisto zeigt Faust die Schönheit der Jugend und des ausgelassenen Lebens, macht ihm bewusst, was er mit seinem Gelehrtenleben, bei dem er doch nie ans Ziel seines Strebens gekommen ist, verpasst hat.

Nicht nur Jugend und die leiblichen Genüsse macht Mephisto Faust aber schmackhaft, sondern verschafft ihm auch Reichtum und Macht und vermittelt ihm den Reiz der Liebe. Er will ihn damit freilich nur dazu bringen, mit seiner Unterschrift dem Teufel seine Seele zu vermachen.

Geschickt führt der ebenso charmante wie durchtriebene Mephisto den Erdenbürger dazu zunächst in Momente größten Glücks, um ihn dann unvermittelt ins Elend zu stürzen. Um sich davon zu befreien, ist Faust schließlich bereit, alles zu geben und den Pakt mit seinem Blut zu unterschreiben.

Mit Geschmack ist das inszeniert, changiert leichthändig zwischen satirischem Blick auf das menschliche Streben und romantischem Liebesfilm, lässt die philosophischen Aspekte ebenso wenig zu kurz kommen wie die Unterhaltung. Perfekt ist «Der Pakt mit dem Teufel» ausgestattet, großartig evoziert Kameramann Michael Kelber mit seinen Schwarzweißbildern Atmosphäre.

Gleichzeitig ist das aber auch ein typischer Film für das so genannte «Cinéma de qualité» der französischen Nachkriegszeit, das zwar mit handwerklicher Perfektion punktete, es aber an persönlichem Ausdruck vermissen ließ.

Darüber helfen hier aber zumindest teilweise die bestens aufgelegten und hervorragend harmonierenden Hauptdarsteller Gérard Philipe und Michel Simon hinweg. Souverän tauschen sie auch ihre Rollen, denn mal ist Simon der alte Faust, dann wieder Mephisto in der Gestalt Fausts und Philipe bald der verführerische Mephisto, dann wieder der junge Faust. Prägnant lässt René Clair in diesen beiden Schauspielern auch jugendliche Lebensfreude und Charme und missmutiges Alter aufeinanderprallen.

Unübersehbar fließen aber auch die Schrecken des Zweiten Weltkriegs und die menschliche Zerstörungskraft in diesen Film ein. Denn Mephisto führt mit der Erfindungskraft des Menschen Faust immer auch die Zerstörungen vor Augen, zu denen diese Erfindungen die Tür öffnen und führt den Gelehrten durch Gebiete, die durch sein Werk in Schutt und Asche gelegt wurden.

An Sprachversionen bietet die bei Studiocanal erschienene DVD die französische Originalversion, zu der deutsche Untertitel zugeschaltet werden können, sowie die deutsche Synchronfassung. Die Extras beschränken sich auf Hinweise auf weitere Titel dieses Labels.

Trailer zu «Der Pakt mit dem Teufel»

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