Nur Glas?

15.07.2017

21.05.2017 bis 23.07.2017  Quadrart Dornbirn

Am 20. Mai 2017 eröffnete das Quadrart Dornbirn eine für Vorarlberg besondere Schau mit internationalen Glaskünstlern. Glaskunst hat hierzulande kaum bis keine Tradition, taucht eventuell bei Messe- oder Kunsthandwerks -Veranstaltungen (z.B. Art Design, Gustav) auf, jedoch meist in Form von Gebrauchsglas. Nun aber geht es um die Zusammenführung und Gegenüberstellung unterschiedlicher künstlerischer Zugänge zum Material Glas, frei vom Designanspruch. Die beteiligten Künstler sind Alois Hechl-Kreuter/Alex Samyi aus Österreich, Till Augustin, Julius Weiland, Nadja Recknagel aus Deutschland und Jeroen Heerwegh aus Belgien.


Das Duo Hechl (*1961) / Samyi (*1958) aus Kärnten befassen sich seit über zehn Jahren mit den Themen Umwelt und Gesellschaft, wobei das Material Glas in direkten Bezug zur Zerbrechlichkeit gegenwärtiger Weltkonzepte gestellt wird. Sie nennen ihre Arbeiten «Fragile Environments» und zeigen in Dornbirn mehrere Installationen aus mundgeblasenen Kugeln, Endlosröhren, hängend, liegend, rollend, gefüllt (mit Öl, Honig, Erde, Samen) oder auch nicht, draußen und drinnen...

Der deutsche Bildhauer Till Augustin (*1951) aus Nürnberg, der auch in Holz, Stahl, Porzellan werkt, stellt hier in einer Gesamtrauminstallation «Glas Hass» das Ergebnis einer Kunstaktion aus, bei der er eine - vorher mit Hammer und Meißel bearbeitete - Industrieglassäule von mehreren Metern Länge zerstört. Die innewohnende Härte und gleichzeitige Brüchigkeit des Glases wird förmlich «körperlich» nachempfunden.

Das pure Gegenteil macht Nadja Recknagel (*1978) aus Bad Homburg. Aus dem an sich harten Material bildet sie weiche, organische, fließende Formen aus Glasdrähten, die sie quasi ineinander verschlingt, verkettet, verknotet. So sind Zerbrechlichkeit und Festigkeit, Fließen und Erstarren, Leichtigkeit und Kraft, Prinzip weiblich und männlich vereint. Sie präsentiert Arbeiten aus der Reihe «Searching for Lightness».

Ebenso «weich» sind die dickwandigen Glaskörper von Jeroen Heerwegh (*1992) aus Gent, die wie natürlich bzw. organisch zu fließen scheinen, daher eine bemerkenswerte Ruhe ausstrahlen. Bei näherer Betrachtung werden mehrere Ebenen, z.B. Schichten, Schnitte, Kanten, Farben, Oberflächenvarianten, sichtbar. Das Glasblasen als archaischer Akt bleibt stets präsent. Dazu kombiniert er gerne andere Utensilien wie Holz in Form von Instrumenten, Möbeln, Latten oder Textilien in Gestalt von Seilen etc. Neue Assoziationen tun sich auf...

Julius Weiland (*1971) aus Berlin verwertet bewusst Industrieglasröhren und -stäbe. Er arrangiert diese zu interessanten Clustern von transparent bis farbig. Ist der Brennprozess in Gang und sind die Röhrenkonstruktionen im Ofen, dann übernehmen Glück und Erfahrung das Ruder. Bei 700 Grad biegen sich die Oberflächen und die Moleküle beginnen sich zu verbinden. Die Belastbarkeit und die Grenzen der Formbarkeit des Materials werden spielerisch ausgelotet. Übrig bleiben zarte Gebilde von unwiderstehlichem Reiz. Uta Belina Waeger


Ansichten XXVIII - Nur Glas?
21. Mai bis 23. Juli 2017

Quadrart Dornbirn
Sebastianstrasse 9
A-6500 Dornbirn
T: 0043 (0)5572 9099 58
F: 0043 (0)5572 27967
E: buero@quadrart-dornbirn.com
W: http://www.quadrart-dornbirn.com


Öffnungszeiten

Do bis Sa 17 - 19 Uhr
bis 2 Wochen nach Eröffnung
danach nach Vereinbarung

 


  • Alois Hechl-Kreuter/ Alex Samyi
  • Jeroen Heerwegh; Alois Hechl-Kreuter/ Alex Samyi
  • Jeroen Heerwegh
  • Julius Weiland
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F: 0043 (0)5572 27967
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