Die rote Schlinge - The Big Steal

08.06.2017 Walter Gasperi

Ein Buchhalter jagt einen Dieb wird aber gleichzeitig von seinem Vorgesetzen gejagt. – Don Siegels 1949 entstandener Film besteht im Grunde aus einer einzigen langen Verfolgungsjagd durch Mexiko. Bei Koch Media ist dieser Mix aus romantischer Komödie und Film noir als 25. Titel in der Film noir Collection erschienen.


Auf eine Karte von Mexiko folgen Ansichten von Schiffen in einem Hafen und schon folgt die Kamera einem Mann durch eines dieser Schiffe. Captain Blake (William Bendix) ist auf der Suche nach dem Buchhalter Duke Halliday (Robert Mitchum), der 300.000 Dollar gestohlen haben soll. In Wirklichkeit wurde das Geld Halliday aber vom Betrüger Jim Fiske (Patrick Knowles) abgenommen, den Halliday nun verfolgt.

Das Verbrechen ist also schon geschehen, wenn der Film beginnt. Was genau passiert ist, wird nie so richtig klar, einzig um das Spiel mit der Bewegung und um den Aufbau stets neuer, variierter Konfrontationen zwischen den Kontrahenten scheint es Don Siegel bei seinem dritten Spielfilm zu gehen.

So kann Blake Halliday zwar in einer Schiffskabine stellen, doch dieser überwältigt seinen Verfolger, flüchtet vom Schiff und trifft alsbald auf Joan (Jane Greer), die ebenfalls hinter Fiske her ist. Sie war zwar seine Geliebte, aber er hat auch ihr 2000 Dollar gestohlen. So verbünden sich Halliday und Joan bei ihrer Jagd auf Fiske, während wiederum Blake hinter ihnen her ist. Vorhersehbar ist, dass am Ende ein Showdown stehen wird, bei dem alle Protagonisten aufeinandertreffen, Siegel wartet dabei aber auch mit einer überraschenden Wende auf.

Faustkämpfe gibt es zwar mehrere, doch unblutig bleibt «Die rote Schlinge» – unsinnig ist der deutsche Titel, denn völlig offen bleibt, was mit der «roten Schlinge» gemeint sein soll – bis kurz vor Ende. Im Zentrum stehen dagegen wilde Autojagden durch das provinzielle und staubige Mexiko, bei dem die Verfolger ebenso durch Ziegenherden wie durch verstellte Umleitungsschilder gebremst oder in die Irre geführt werden.

Genug Raum bieten diese Fahrten, in deren Zentrum immer der Wagen von Halliday und Joan steht, die sich als starke und unabhängige Frau erweist, auch für einen rasanten verbalen Schlagabtausch, der «Die rote Schlinge» mehr zu einer romantischen Komödie als zu einem Krimi macht.

Das liegt freilich auch daran, dass Robert Mitchum und Jane Greer, die schon für Jacques Tourneurs Meisterwerk «Out of the Past» gemeinsam vor der Kamera standen, hervorragend harmonieren, die Chemie zwischen ihnen spürbar stimmt. Reiben sie sich zunächst aneinander und bestimmt Misstrauen ihre Beziehung, so kommen sie sich während der Fahrt selbstverständlich doch langsam näher.

Kein großer Film ist das somit, aber ein ebenso rasantes wie unterhaltsames Vergnügen. Auf Nebengeschichten verzichtet Siegel, fokussiert ganz auf der Verfolgungsjagd und lässt dieses Divertimento nach knackigen 70 Minuten enden.

An Sprachversionen bietet die bei Koch Media als 25. Titel in der Film noir Collection erschienene DVD die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie englische Untertitel. Die Extras umfassen neben einem 12-seitigen Booklet von Frank Arnold vor allem einen Audiokommentar des US-Filmhistorikers Richard B. Jewell, ein knapp fünfminütiges Making of sowie eine Bildergalerie und den englischen Trailer. Dazu gibt es noch eine später und ohne Mitwirkung des Regisseurs erstellte Farbversion des Films, dessen Bildqualität aber nicht ganz überzeugt.

Trailer zu «Die rote Schlinge»

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