Alien: Covenant

23.05.2017 Walter Gasperi

Ridley Scott knüpft an seinen 2012 gedrehten «Prometheus» an und liefert gleichzeitig die Vorgeschichte zu seinem eigenen Horrorklassiker «Alien» (1979). Wieder schafft der Brite visuell grandiose Welten und verzichtet auch auf einen philosophischen Unterbau nicht, aber die Handlung verläuft doch recht formelhaft.


Ein Blick in ein Auge in Detailaufnahme eröffnet «Alien: Covenant», um mit einem Gegenschnitt den Blick des dazugehörigen Androiden auf die Welt zu vermitteln. Zentral ist das Sehen in den Filmen des knapp 80-jährigen Ridley Scott, denn immer wieder schafft er fremde Welten, die mit ihrem visuellen Reichtum staunen lassen.

Wie der Android David (Michael Fassbender) im Angesicht seines Schöpfers Peter Weyland (Guy Pearce) die Kunst von einem Gemälde Piero della Francescas bis zur Musik Wagners und Michelangelos David, nach dem er sich benennt, entdeckt, so blickt der Zuschauer fasziniert auf den ganz in Weiß getauchten, klinisch sauberen Raum mit Blick auf eine Seenlandschaft.

Ein grandioses Setting hat Production Designer Chris Seagers für diese Titelsequenz geschaffen und gibt damit auch die Richtung vor, die «Alien: Covenant» einschlagen wird: Mit fantastischen Bildern soll der Zuschauer überwältigt werden. Gleichzeitig werden aber auch schon als philosophischer Unterbau das Verhältnis von Schöpfer und Geschöpf und die Frage nach der Herkunft des Menschen angesprochen.

Abrupt springt Scott von dieser vor «Prometheus» spielenden Szene auf das Raumschiff Covenant, das im Jahr 2104 mit 2000 Kolonisten zu einem fernen bewohnbaren Planeten unterwegs ist. Während sich die Crew im Tiefschlaf befindet, sorgt der Android Walter (Michael Fassbender), ein weiter entwickelter Doppelgänger von David, für einen ungestörten Flug.

Als das Raumschiff durch eine Explosion auf einem nahen Planeten Schaden erleidet, erwacht die Mannschaft und fängt bald auch einen Funkspruch von einem anderen, scheinbar bewohnbaren Planeten auf, den man zu erkunden beschließt.

Viel Zeit lässt sich Scott für die Szenen auf dem Raumschiff, schafft in dem in kaltes Blau und Weiß getauchten Innern durch die klaustrophobische Enge Spannung. Atemberaubend ist auch der an skandinavische Fjordlandschaften erinnernde Planet, dessen Idylle sich freilich bald als Hölle entpuppt. Hier stößt der Erkundungstrupp nicht nur auf Reste der Prometheus, sondern auch auf den Androiden David, der hier in Jahren der Einsamkeit – «Müßiggang ist des Teufels Werkbank» stellt er selbst einmal fest - sein eigenes Spiel zu spielen begonnen hat.

So grandios freilich die düsteren Welten sind, die Scott und Seagers schaffen, und so gekonnt er den Horror langsam steigert, so bekannt ist doch vieles aus anderen Filmen und Mythen. So sah man die Störung des Tiefschlafs durch einen Meteoritenschauer zuletzt in Morten Tyldums «Passengers», dass ein Lied das Raumschiff zum Planeten lockt erinnert an die Geschichte von Odysseus und den Sirenen, während die Idee mit dem Song – in diesem Fall John Denvers «Country Roads» – wiederum Assoziationen an den Einsatz von «Hänschen klein» in Kubricks 2001 weckt.

Auch die Aliens sind durchaus furchteinflößend gestaltet, doch Neues bringt Scott hier kaum. So bleibt abgesehen von der begeisternden visuellen Gestaltung vor allem Michael Fassbenders faszinierende Verkörperung der beiden gegensätzlichen Androiden Walter und David. In ihnen stellt Scott dem mit weniger menschlichen Emotionen, aber mehr Pflichtgefühl ausgestatteten und deshalb brav dienenden Walter den selbstbewussten David gegenüber, der nach Höherem strebt, nicht nur Geschöpf sein will, sondern auch selbst Schöpfer werden will.

So spiegeln sich in den beiden Androiden auch die menschlichen Möglichkeiten, die Fähigkeit zur Güte, die am Ende angesprochen wird, aber auch der Drang zu Herrschaft und Zerstörung. So spannend freilich dieser Diskurs wäre, entschieden geführt wird er in «Alien: Covenant» kaum, sondern wird durch die durchaus spannende, aber auch formelhafte und vorhersehbare Horrorhandlung in den Hintergrund gedrängt.

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