Suspiria (1977)

27.07.2017 Walter Gasperi

Eine junge Frau kommt einer blutigen Mordserie in einer Ballettschule auf die Spur. – Die Handlung ist einfach gestrickt, doch Dario Argento machte daraus 1977 durch kühne Farbdramaturgie und starke Soundkulisse ein Meisterwerk des Horrorfilms. Bei cmv-Laservision ist dieser Klassiker auf DVD und Blu-ray erschienen.


Nicht nur Luca Guadagninos in Postproduktion befindliches Remake von «Suspiria», sondern auch die brillante Bildqualität der bei cmv-Laservision erschienenen DVD und Blu-ray macht eine neue Sichtung von Dario Argentos Klassiker lohnenswert.

Ohne Exposition setzt der Film mit der Ankunft der jungen Amerikanerin Suzy (Jessica Harper) an einem deutschen Flughafen ein. Für Irritation und Beunruhigung kann hier aber schon eine der ersten in rotes Licht getauchten Einstellungen sorgen und auch eine ungewöhnliche Nahaufnahme der automatischen Türen kann einen ersten leichten Schock auslösen.

Einen surrealen Rausch der Farben entfaltet Argento schon, wenn Suzy bei strömendem Regen mit einem Taxi zur Ballettschule fährt, an der sie eine Ausbildung machen soll. Mal ist die nächtliche Straße in Rot, mal in Gelb und mal in Grün getaucht. Leuchtend rot ist die Fassade der Schule. Ihr wird zwar nicht geöffnet, doch begegnet sie einer flüchtenden Schülerin, die noch in dieser Nacht in einem Hotel ums Leben kommen wird.

Ein Fest der filmischen Zeichen entfesselt Argento in dieser Mordszene, in der aus dem dunkelblauen Samt vor dem Fenster plötzlich Augen leuchten, die Schülerin bald von einem Unbekannten an die Fensterscheibe gedrückt, dann brutal abgestochen und schließlich noch erhängt wird. – Zur Künstlichkeit der Bilder passt auch das unübersehbare Kunstblut.

Mehr alptraumhaft als real wirkt die Welt dieses Films nicht nur durch die hochartifizielle Gestaltung, zu der auch die Musik der italienischen Rock-Band Goblin beiträgt, sondern auch durch die Figuren. Klassisch ist zwar die Konstellation mit Mitschülerinnen, strenger Lehrerin und Direktorin, doch der blinde Pianist mit Schäferhund und der geistig behinderte und stumme Diener sorgen schon wieder für Irritation.

Isoliert stehen bleibt eine Szene, in der eine einheimische Gruppe in einem Wirtshaus einen Schuhplattler vorführt, nur kurz treten einmal Polizisten auf, die im Mordfall der Schülerin ermitteln. Vorwerfen kann man Argento zweifellos, dass ihm überzeugende Handlungsführung nicht wichtig ist. Seine Regie zielt einzig darauf ab durch Bild- und Tongestaltung einzelner Szenen Spannung und Horror zu erzeugen, gleichzeitig verstärkt er freilich durch den bewussten Verzicht auf schlüssige Narration den märchen- und alptraumhaften Charakter des Films.

Aus dem Nichts heraus bricht so eine Würmerplage im Internat aus, die aber so plötzlich, wie sie entstanden ist, auch wieder verschwindet. Völlig überdimensioniert wirkt auch ein seltsam menschenleerer Platz in der Stadt, der von zwei griechischen Tempel umgeben ist, die aber sichtlich nur aus der Frontfassade bestehen. Gerade durch diese Künstlichkeit und durch ungewöhnliche und extreme Kameraperspektiven bleibt freilich die zunächst harmlose Szene, die bald in blutigen Schrecken kippt, haften.

Kaum entwickelt ist auch, wie Suzy hinter die mysteriösen Vorgänge im Internat kommt, Horror versteht Argento durch Bild- und Lichtgestaltung aber freilich auch beim Showdown dieses visuell rauschhaften Alptraums, bei dem mit einem Gewitter und strömendem Regen auch wieder der Bogen zum Anfang geschlagen wird, zu entwickeln.

An Sprachversionen verfügen die bei cmv-Laservision erschienene DVD und Blu-ray über die englische, die italienische und die deutsche Fassung, aber über keine Untertitel. Die Extras beschränken sich auf eine Bildergalerie sowie den deutschen, den internationalen und den US-Trailer.


Trailer zu «Suspiria» (1977)

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